Süddeutsche Zeitung

3. Liga:Ein Roter sieht Rot

Der FC Bayern II unterliegt nach Platzverweis gegen Stürmer Kwasi Wriedt 0:1 in Chemnitz.

Wenn Trainer sagen, dass sie sich "normalerweise nicht zu Schiedsrichterentscheidungen" äußern, dann haben sie sich in der Vergangenheit meist schon recht häufig zu Schiedsrichterentscheidungen geäußert. Am Montagabend hat nun auch Sebastian Hoeneß diesen Halbsatz gesagt, doch er entspricht in diesem Fall der Wahrheit. Was freilich auch daran liegen könnte, dass seine Karriere als Fußballtrainer noch recht kurz ist und die Szenen, nach denen man seine Emotionen nicht ganz im Griff hat, noch recht selten waren. Die Mitarbeiter des Senders Magentasport, der die Spiele der dritten Liga überträgt, zeigten dem Trainer der U23 des FC Bayern dann allerdings jene Szene aus der 54. Minute, in der sein Torwart Christian Früchtl gefoult wurde von Dejan Bozic, einem 1,94 Meter großen Stürmer in Diensten des Chemnitzer FC. Hoeneß' erste Reaktion: "Wahnsinn."

Bozic hatte für seine Attacke Gelb gesehen. Die Bayern bewerteten sie indes als Tätlichkeit, also als eine rotwürdige Aktion. Ihr Angreifer Kwasi Wriedt hatte in der ersten Halbzeit Rot gesehen, weil Schiedsrichterin Riem Hussein und ihr Assistent an der Seite eine Tätlichkeit erkannt hatten, wo keine war: Wriedt war gefoult worden, der Chemnitzer Daniel Bohl blieb auf Wriedts Bein liegen, der zog das Bein irgendwann heraus und stand auf (39.). "Das war nicht einmal eine gelbe Karte, eher eine Verwarnung für den Chemnitzer", sagte Hoeneß dazu und sprach von einer "Impulsreaktion" der Schiedsrichterin, die es verpasst habe, sich vor ihrer Entscheidung noch einmal mit ihrem Assistenten abzusprechen. Übrigens musste auch der Foulende Daniel Bohl noch einmal auf den Bildschirm gucken. Er meinte, er selbst sehe in der Szene ziemlich "sch..." aus. Er hätte da vielleicht Gelb gegeben für Wriedt, sagte er diplomatisch. Das Spiel endete übrigens 0:1 aus Sicht der Bayern, es war der erste Punktverlust des Kalenderjahres. Die Münchner Abwehr hatte sich nach einem Standard düpieren lassen, der Chemnitzer Abwehrspieler Niklas Hoheneder durfte aus kürzester Distanz einköpfen (25.).

Auch der nächste Gegner ist dezimiert: Hachings Dombrowka fällt mit gebrochener Schulter aus

Nach dem Schlusspfiff ging Hoeneß dann noch zur Unparteiischen, aber nicht einmal wegen der beiden erwähnten Entscheidungen, sondern weil er sie zur Rede stellen wollte, warum sie die Spielverzögerungen der Chemnitzer in der Nachspielzeit nicht berücksichtigt habe. Zusammenfassend sagte er: "Das war wirklich eine schwache Schiedsrichterleistung heute. Ich hoffe, dass das Gespann seine Lehren zieht aus diesem Spiel."

Die Bayern hatten nach Wriedts Platzverweis eine bessere Leistung gezeigt als davor. Zu Beginn waren die meisten Torabschlüsse harmlos. In der zweiten Halbzeit spielten die jungen Bayern aggressiver, eroberten trotz Unterzahl im Mittelfeld immer wieder den Ball und schalteten schnell um. Einige gute Kontergelegenheiten der Gastgeber gab es, doch diese stellten die Münchner vor keine größeren Probleme mehr. "Aktuell tut noch alles weh. Es hat sich angefühlt, als ob wir zwei weniger waren", sagte der Chemnitzer Torschütze Hoheneder, "wir sind froh, dass wir das über die Zeit gebracht haben." Es war am 25. Spieltag erst das zweite Mal, dass den Bayern kein eigener Treffer gelang.

Nun könnten Spieler und Trainer ebenfalls einfach aus diesem Abend lernen, an dem sie trotzdem eine gute Leistung gezeigt haben. Doch Wriedt wird ihnen am nächsten Spieltag fehlen, weil eine rote Karte mindestens ein Spiel Sperre nach sich zieht. Dieses Spiel findet schon am Freitag statt: beim Tabellenzweiten SpVgg Unterhaching. Die Vorstädter müssen ihrerseits auf einen Spieler verzichten. Nicht weil er gesperrt wäre: Verteidiger Max Dombrowka hat sich die Schulter gebrochen und wird etwa sechs Wochen lang ausfallen, wie die SpVgg am Dienstag mitteilte.

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SZ vom 26.02.2020
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