SZ-Adventskalender:Tage durch gute Taten erhellen

SZ-Adventskalender: Auf engstem Raum waren viele Flüchtlinge in München nach dem Zweiten Weltkrieg untergebracht, die Not war groß.

Auf engstem Raum waren viele Flüchtlinge in München nach dem Zweiten Weltkrieg untergebracht, die Not war groß.

(Foto: Poehlmann/Süddeutsche Zeitung Photo)

Mit Hilfe für Geflüchtete und Kriegsopfer begann die Hilfsaktion der SZ-Leserinnen und -Leser vor 75 Jahren - immer noch ein aktuelles Thema.

Von Sven Loerzer

Krieg, Flucht und Vertreibung prägen heute die Nachrichten, selten war die Sehnsucht nach Frieden größer. Frieden allein aber macht die Welt nicht gerechter, das zeigte sich nach 1945. Der Trümmerlandschaft und dem furchtbaren menschlichen Elend, das der Zweite Weltkrieg anrichtete, der Not der Nachkriegszeit, die viele Menschen traf, wollte die Süddeutsche Zeitung ein Zeichen für Zusammenhalt und Gemeinsinn entgegensetzen: Vor 75 Jahren, zu Weihnachten 1948, organisierte die Redaktion des Münchner Teils eine "Christkindlfahrt zu den Vergessenen", bei der Prominente kleine Weihnachtsgeschenke verteilten. Die Idee zum "Adventskalender für gute Werke", wie das Hilfswerk der SZ-Leserinnen und -Leser später genannt wurde, war damit geboren. In diesem Jahr starten am ersten Adventssamstag die Spendenaufrufe im Münchner Teil und den Regionalausgaben der SZ nun bereits zur 75. Aktion. Ein Grund zum Feiern? Gewiss, aber erst, wenn die wesentliche Arbeit getan ist, Ende Februar.

Geflüchtete, Menschen, die unter Kriegsverletzungen litten, und Waisenkinder standen im Mittelpunkt des ersten Aufrufs. Themen, die sich leider noch immer nicht erledigt haben, sondern beklemmend aktuell sind und sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahrzehnte der 75-jährigen Geschichte des Adventskalenders ziehen. Geblieben ist zum Jubiläum aber auch die Erkenntnis, dass selbst in einem modernen Sozialstaat noch immer längere Krankheit, Behinderung oder das Alter in die Armut führen können.

Kamen bei der ersten Aktion 1281 Mark, knapp 655 Euro zusammen, so sind es heute Millionenbeträge. Mit der 75. Aktion wird die aufsummierte Hilfe dann wahrscheinlich die Marke von 200 Millionen Euro überschreiten. Eine Summe, die angesichts der öffentlichen Diskussion über Milliarden-Subventionen und Milliarden-Löcher geradezu klein wirkt, aber unvorstellbar viel Gutes bewirken konnte. Denn das Geld, das Tausende SZ-Leserinnen und -Leser spendeten, finanziert ohne jeglichen Abzug Hilfen für Menschen, die wegen Krankheit, Behinderung und Armut Unterstützung brauchen. Alle Sach- und Verwaltungskosten für die Abwicklung der Spendenaktion trägt der Süddeutsche Verlag.

Der Name des Hilfswerks geht auf Bernhard Pollak zurück, der in den Fünfzigerjahren den Münchner Teil leitete. Zur Adventszeit 1951 kündigte er an, die SZ werde nun "täglich ein Beispiel der besonderen Not innerhalb der Mauern Münchens bringen". Er verband mit den täglich vorgestellten Schicksalen einen Wunsch, der in Erfüllung ging: "Vielleicht wird ein Adventskalender daraus, dessen Fenster durch gute Taten erhellt werden." Stand in den ersten Jahren noch die unmittelbare Hilfe für Betroffene durch das Vermitteln persönlicher Kontakte mit Spendern im Vordergrund, fiel es Menschen zunehmend schwerer, sich in Zeiten des Wirtschaftswunders in schwieriger Lage zu offenbaren. Gerade in einer prosperierenden Stadt wie München schämen sich Menschen wegen ihrer Armut.

Für jede Adventswoche gibt es einen Themenschwerpunkt

Der Adventskalender stellte sich deshalb um, vermittelt schon lange keine Adressen mehr, und nimmt auch keine Sachspenden entgegen. Die Empfänger bleiben anonym. Für jede Adventswoche gibt es einen Themenschwerpunkt mit ähnlichen Schicksalen, dazu beleuchtet ein Interview, wo Probleme bestehen und wie sie gelöst werden können. In diesem Jahr geht es um Kinder armer Eltern, die unter schwierigen Bedingungen leben, sowie um Schicksalsschläge, die es Menschen schwer machen, mit dem Leben zurechtzukommen. Wie Armut krank macht und Krankheit arm machen kann, ist das Thema der dritten Adventswoche. Und zum vierten Advent geht es darum, wie Inflation und hohe Energiepreise Menschen mit geringem Einkommen in Existenznöte bringen.

Für Adventskalender-Vorständin Sandra Geisler ist das 75-jährige Bestehen des Hilfswerks ein "Meilenstein in der langjährigen Unterstützung und dem Einsatz für bedürftige Menschen in unserer Nachbarschaft". Denn die großzügigen Spenden, die in dieser Zeit gesammelt wurden, hätten nicht nur dazu beigetragen, individuelle Bedürfnisse zu erfüllen, sondern auch Versorgungseinrichtungen wie den Tafeln oder Beratungsstellen und sozialen Einrichtungen gezielte Einzelfallhilfe in vielen Fällen ermöglicht, wenn staatliche Leistungen nicht ausreichten.

So können Sie spenden

Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V., Stadtsparkasse München, IBAN: DE86 7015 0000 0000 6007 00, BIC: SSKMDEMMXXX, www.sz-adventskalender.de.

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