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Solln:Unter Druck

Bezirksausschuss und Anwohner wehren sich gegen massive Bauprojekte

Von Jürgen Wolfram, Solln

Anwohner und Lokalpolitiker stemmen sich gegen massive Bauvorhaben in den ehedem stillen Sollner Wohnstraßen. Der Flötnerweg war in diesem Zusammenhang nur eines von mehreren Beispielen aus jüngster Zeit. Unverändert im Fokus steht die Peretshofener Straße. Doch die Erfolgsaussichten der Gegenwehr verdüstern sich auch in diesem Fall mehr und mehr. Kürzlich erst hat ein Gericht den städtischen Ablehnungsbescheid für ein größeres Appartementhaus an der Peretshofener Straße 3 aufgehoben. Der Bauherr muss jetzt nur noch ein Mobilitätskonzept vorlegen, das die zu erwartenden Fahrzeugbewegungen mindert, um mit seinen Plänen zum Zug zu kommen.

Die "Bezugsfallwirkung auf die gesamte Umgebung" sei denkbar ungünstig, befand bereits der zuständige Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. Auch in den Einfamilienhäusern der Nachbarschaft ist man entsetzt. Die Projektgegner um Ulrike Seuffert hatten auf ein Urteil in ihrem Sinne gehofft und einige Energie investiert, um die Lokalbaukommission von ihrem Standpunkt zu überzeugen. Seuffert und ihre Mitstreiter befürchten vor allem ein Verkehrschaos in ihrer Sackgasse.

Die zuständige Verwaltungsrichterin jedoch offenbarte nach einem Ortstermin eine eher großzügige Sichtweise, was den betreffenden Sollner Winkel angeht. Für sie bildet die Peretshofener Straße 3 mit der Bebauung an der nahe gelegenen Wolfratshauser Straße eine Einheit im Geviert. Auf diese Weise wird plötzlich das Hotel "Südstern", in dem auch noch ein Drogeriemarkt untergebracht ist, zum Bezugsfall. Und damit eine ganz andere Dimension der Bebauung möglich.

Der Verdruss wegen der Niederlage im Kampf gegen die anstehende Bebauung ist noch nicht verraucht, da bekommt es der BA mit dem nächsten Projekt zu tun, dessen Ausmaße ihm gegen den Strich gehen. Hierbei handelt es sich um den geplanten Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage an der Peretshofener Straße 7. Für die damit verbundene Versiegelung gebe es in dieser Straße "bislang keine Entsprechung", heißt es in einer vom BA formulierten Stellungnahme. Wobei: Die Signalwirkung des Projekts an der Hausnummer 3 ist den Lokalpolitikern vollkommen bewusst. Zu befürchten sei nun erneut eine "enorme Bezugsfallwirkung" auf die gesamte Peretshofener Straße, aber auch auf die im gleichen Geviert liegenden Grundstücke an der Friedastraße. Auf diesen Arealen stehen zum Teil denkmalgeschützte Villen.

Um eine "weitere drastische Versiegelung mit Zerstörung des Baumbestandes" zu verhindern, sei das beantragte Bauvorhaben Peretshofener Straße 7, soweit rechtlich möglich, zu reduzieren, fordert jetzt der Bezirksausschuss. Auch dürfe diesmal nicht die Bebauung an der Wolfratshauser Straße als Bezugsfall herangezogen werden, da dort ein "anderer Gebietscharakter" vorherrsche. Der BA regt an, den künftigen Baukörper vom westlichen und südlichen Grundstücksteil abzurücken, um möglichst viele der momentan noch zur Fällung vorgesehenen Bäume zu erhalten. Überhaupt sollte sich die Neubauplanung an den bestehenden Gebäuden in der Nachbarschaft orientieren, heißt es im Beschluss des Stadtteilgremiums.

Darin enthalten ist auch folgende Empfehlung: Durch eine "deutliche Reduzierung der Grundfläche und der Baumasse" lasse sich möglicherweise die Zahl der benötigten Kfz-Stellplätze verringern. Dann könne man die Frage neu prüfen, ob eine Tiefgarage überhaupt notwendig sei. Ob ein solches Angebot verfängt, muss sich zeigen.

© SZ vom 01.02.2021
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