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Sendling-Westpark:Ungewisse Zukunft

Zuhause auf Zeit: Die Mittagsinsel soll ihre Räume an der Hinterbärenbadstraße verlassen und sucht deshalb eine neue Bleibe.

(Foto: Privat)

Der Freistaat hat der "Mittagsinsel" an der Fernpaßschule kurzfristig gekündigt. Sie soll Ende März die Räume verlassen. Die Elterninitiative befürchtet, bald auf der Straße zu stehen - und hofft auf Hilfe von Lokalpolitikern

Mitten im Schuljahr die Kündigung: Die "Mittagsinsel", in der 25 Schülerinnen und Schüler der Fernpaßschule nach dem Unterricht betreut werden, hat von der Immobilien Freistaat Bayern, die Teil der Staatsverwaltung ist, die Kündigung zum 31. März erhalten. Der Vorstand des Vereins, der 1997 von engagierten Eltern und Schülern der Grundschule an der Fernpaßstraße gegründet wurde, ist schockiert, dass nun alles so schnell gehen muss. Vor Kurzem schilderte Silke Correa, die den Verein als Vorstand leitet, zusammen mit zahlreichen betroffenen Eltern dem Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark den Ernst der Lage. Silke Correa sagte, sie habe kein Verständnis dafür, dass die Kündigung mitten im Schuljahr erfolge und sie kaum Zeit hätten, um ein Ausweichquartier zu finden.

Erste Hinweise, dass eine Kündigung ansteht, gab es bereits im vergangenen Herbst. Dementsprechend bemüht sich der BA-Vorsitzende Günter Keller (SPD) schon seit Längerem um eine gute Lösung. Die Quartierssuche der Mittagsinsel war auch Thema der Bürgerversammlung am 19. November. Ein Vertreter des Referats für Bildung und Sport hatte damals angekündigt, man werde sich dafür einsetzen, dass die Elterninitiative bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG unterkommt. Dabei blieb es allerdings, konkrete Zusagen blieben zunächst aus.

BA-Chef Günter Keller machte dann Anfang Februar bei einem runden Tisch in der Fernpaßschule nochmals Druck und wies darauf hin, dass die Arbeit der Elterninitiative gefährdet wäre, wenn es bis zum Tag der Schuleinschreibung am 25. März noch keine verlässliche Zusage geben würde. Anderenfalls könnten die bestehenden Verträge mit den Eltern nicht verlängert und auch keine neuen Verträge abgeschlossen werden. Dies wäre fatal, denn die Schulleitung habe betont, wie wichtig diese 25 Betreuungsplätze für die Grundschule seien. Es würde alle Kapazitäten sprengen, wenn diese Kinder in den Räumlichkeiten der Fernpaßschule betreut werden müssten. In seiner jüngsten Sitzung beschloss das Stadtteil-Gremium einstimmig einen Antrag, in dem die GWG gebeten wird, die Räume einer früheren Arztpraxis in einem GWG-Anwesen in der Nähe an die Mittagsinsel zu vermieten. Eine solche Zusage müsse bis zum Termin der Schuleinschreibung vorliegen.

Der BA-Vorsitzende Günter Keller hat sich außerdem in einem offenen Brief an die Immobilien Freistaat Bayern gewandt. Darin nennt Keller es "nicht nachvollziehbar, dass die Immobilien Freistaat Bayern anscheinend alle sozialen Argumente ignoriert und den Kündigungstermin nicht zum Ende des Schuljahres ausspricht, sondern mitten im Schuljahr und somit 25 Münchner Familien einer existenziellen Katastrophe aussetzt". Keller fordert die Behörde deshalb "eindringlich" auf, zumindest den Kündigungstermin auf Ende Juli zu modifizieren. Keller hat in dieser Sache auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eingeschaltet und diesen gebeten, seinen Einfluss bei den zuständigen Stellen geltend zu machen.

Mittagsinsel-Vorstand Silke Correa sagte auf SZ-Anfrage, sie hoffe, dass die Kündigung noch auf Ende des Schuljahres verschoben werden kann, "sonst stehen wir womöglich auf der Straße". Es gehe in erster Linie um die Kinder und deren Eltern, aber auch um die fünf Betreuerinnen, die der Verein mittlerweile angestellt habe. Sie alle bräuchten Sicherheit. Alle hätten sich im Laufe der Jahre für diese Aufgabe engagiert. Durch viel Eigenarbeit sei es gelungen, die Räume ansprechend zu gestalten. Die Eltern hätten bei der Verlegung des neuen Bodens im Spielzimmer und dem Streichen der Wände viel geleistet. Einen bereits zugesagten Zuschuss vom Bezirksausschuss in Höhe von 17 361 Euro für die Renovierung habe man nicht mehr abgerufen, nachdem sich andeutete, dass der Mietvertrag wohl beendet werde. Und obwohl noch nicht klar ist, wo der Verein die Betreuung künftig organisieren wird, lädt die Mittagsinsel für Freitag, 6. März, von 15.30 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür.

Von der Immobilien Freistaat Bayern, Regionalvertretung München, hieß es am Mittwoch auf Anfrage lediglich, man könne noch keine Stellungnahme abgeben, weil noch Gespräche mit der Mittagsinsel geplant seien.

© SZ vom 27.02.2020
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