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Sendling-Westpark:Große Mehrheit fordert Mietenstopp

Wo München schöner wurde - Luise-Kiesselbach-Platz

Grün, aber nicht ruhig genug: Sollte die Stadt einen Spielplatz auf dem Luise-Kiesselbach-Platz bauen, braucht dieser wohl einen Lärmschutz.

(Foto: Corinna Guthknecht)

Eine breite Palette an Themen bestimmt die Bürgerversammlung. Rund 200 Interessierte folgen der Einladung in die Dreifachturnhalle an die Gaißacher Straße

Der Abend versprach Spannung pur: Im Audi-Dom am Westpark kämpften die Basketballer des FC Bayern gegen Olympiakos Piräus, im Fernsehen lief das EM-Qualifikationsspiel der Fußball-Nationalmannschaft gegen Nordirland. Und spannend ging es auch in der Dreifachturnhalle an der Gaißacher Straße zu, manche Abstimmungen in der Bürgerversammlung gingen so knapp aus, dass genau nachgezählt werden musste.

Trotz dieses Sportangebots waren etwa 200 Bürgerinnen und Bürger aus Sendling-Westpark zu den Nachbarn nach Sendling gekommen - die einzige große Halle in der Nähe -, um durch Anfragen und Anträge Einfluss zu nehmen auf die Zukunft ihres Stadtviertels. Dieses ist, wie Sitzungsleiterin Evelyne Menges aus der CSU-Stadtratsfraktion vermerkte, mit knapp 60 000 Einwohnern immerhin fast so groß wie Rosenheim. Dementsprechend gibt es auch vieles, was verbessert werden müsste. Letzten Endes hatte die Versammlung über knapp 40 Anträge abzustimmen, mit einer breiten Palette an Themen.

Was will die Bürgerschaft, was wurde mit den sattesten Mehrheiten gefordert? Eine gute Palliativbetreuung im Altenheim St. Josef, ein Spielplatz gleich nebenan, auf dem Luise-Kiesselbach-Platz, ein durchgehender Zehn-Minuten-Takt bei der Buslinie 132, mehr Sammelcontainer am Bauernbräuweg, Unterstützung beim Volksbegehren für einen sechs Jahre umfassenden Mietenstopp, Radarkontrollen am Beginn der Garmischer Autobahn, damit an der Südpark- und der Einhornallee Tempo 60 auch eingehalten wird, und ein barrierefreier Zugang vom Bauernbräuweg zum S-Bahnhof Mittersendling, um einige Forderungen zu nennen. Recht knapp setzten die Bürger die Forderung durch, die Parkgebühren im Stadtgebiet an den Verbraucherpreisindex zu koppeln - also langsam, aber stetig zu erhöhen, damit der motorisierte Individualverkehr zurückgedrängt wird.

Mehr Ja-Stimmen gab es für den Wunsch, dass die Fahrgäste aus Sendling-Westpark über die U-Bahn-Stationen Holzapfelkreuth, Westpark und Partnachplatz auch künftig direkt zum Marienplatz fahren können anstatt zum Hauptbahnhof zu müssen - sobald die neue U 9 ihren Betrieb aufnimmt. Für dieses Projekt allerdings ist, so stellte eine Mitarbeiterin der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) fest, noch nicht einmal die Vorplanung angelaufen. Apropos Zeit: Einstimmig erhoben die Bürger die Forderung, dass ihr Kulturbürgerhaus, das an der Stadtviertelgrenze zu Laim an der Westendstraße entstehen soll, endlich in Angriff genommen wird. "Man soll den Worten endlich Taten folgen lassen", begründete Rainer Härtl seinen erfolgreichen Antrag, in dem er kritisierte, dass bisher noch nicht einmal der Bauantrag eingereicht worden sei.

Etliche Bürger rasselten mit ihren Anliegen aber auch durch. Nicht durchsetzen konnte sich Johannes Held mit seinem Wunsch, die Kastanienallee an der Johann-Clanze-Straße zu erhalten und die bereits abgeholzten Bäume durch rotblühende Exemplare zu ersetzen. Ein Experte des Baureferats hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Kastanien vielerorts durch einen Pilz bedroht seien. Abgelehnt wurde auch die Forderung, dass 80 Prozent aller Neupflanzungen Obstbäume oder -sträucher sein müssten, "damit unsere Kinder sehen, dass Äpfel und Holunder nicht im Supermarkt wachsen". Das, so hieß es aus dem Baureferat, hätte zur Folge, dass allenthalben Fallobst herumliegen werde.

Der BA-Vorsitzende Günter Keller nannte in seinem Rechenschaftsbericht etliche Dinge, die zwar angestoßen, aber noch nicht realisiert sind: die Radaranlagen auf der Garmischer Autobahn, die Tram-Westtangente (zu der übrigens kein einziger Antrag gestellt wurde) oder das mobile Tempomessgerät, das sich der Bezirksausschuss anschaffen wollte, um das Tempo auf den Straßen des Viertels zu messen. Andere Projekte kommen besser voran, so zum Beispiel das Parkraum-Management für einen Teil des Stadtbezirks, das wohl 2021 umgesetzt wird. Auch mit dem Partnachplatz geht es voran, für dessen Umgestaltung der Bezirksausschuss zusammen mit den Bürgern nach Lösungen suchte. Die Verwaltung arbeitet nun konkrete Vorschläge aus, was zu tun ist, damit man sich auf dem Platz gerne aufhält.

Trotz aller Wünsche nach Verbesserungen: Was die Sicherheit betrifft, muss sich niemand im Viertel Sorgen machen. Polizeioberrat Christian Wittstadt, Leiter der Polizeiinspektion 15, berichtete von rückläufigen Fallzahlen in der Kriminalitätsstatistik. "Explizite Brennpunkte sind nicht zu erkennen", was auf die Strategie "Prävention durch Präsenz" zurückgehe. Dazu trage auch die Sicherheitswacht bei, die im Viertel sehr aktiv sei. Kurz nach 22 Uhr war die Bürgerversammlung dann zu Ende.