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Semesterstart in München:Neu im Angebot: der Hopfendöner

9.45 Uhr, TU Garching, Hörsaal MW 2001

900 Erstsemester Maschinenbau zücken panisch Block und Stift und schreiben, schreiben, schreiben. Der Dozent jagt eine Folie nach der anderen über den Beamer, "das schauen Sie sich zu Hause alles noch mal an", sagt er, "wir haben hier keine Zeit." Irritierte, teils verzweifelte Blicke der Studenten nach links und rechts, einige tippen hektisch SMS in Smartphones. Kaum einer traut sich, auf die Toilette zu gehen. "Hab ich viel verpasst?" raunt einer, der es doch gewagt hat. Nach einer Viertelstunde stürmt die Maschinenbau-Fachschaft herein und erlöst die Studenten: Alles nur ein Scherz. Heute werden sie noch verschont, die Fachschaft stellt ihre Arbeit vor, und natürlich auch ihr Maskottchen, eine Ente, die in mannshohem Kostüm hereingewatschelt kommt.

10.15 Uhr, LMU, Audimax

Anders als bei den Maschinenbauern geht es bei den Soziologen gleich richtig los. Der Dozent projiziert einen Ausschnitt aus Aristoteles' Nikomachischer Ethik zum Thema "das rechte Maß" an die Wand und liest ihn vor. Plötzlich murrt einer lautstark: "Das versteht doch niemand." Der Dozent kontert: "Zum rechten Maß gehört auch, dass Sie sich zügeln, wenn andere reden." Und schon ist man mittendrin in der Diskussion über den Grundbegriff der "sozialen Ordnung". Die Vorlesung "Einführung in die Soziologie" bei Armin Nassehi gehört inzwischen fast genauso zu einem Wintersemester an der LMU wie das Neujahrskonzert zum Programm der Wiener Philharmoniker. Nassehi läuft kreuz und quer durch den Saal, seine Vorlesung folgt dem Prinzip: "Hier rede nicht nur ich, sondern auch Sie." Und so stellt er Fragen, eine nach der anderen. Bei den ersten Fragen bleibt es noch sekundenlang still. Also fragt Nassehi eine Studentin direkt: "Wer muss eigentlich Maß halten?" Sie: "Gute Frage." Er: "Dankeschön." Der Saal lacht, langsam bricht das Eis. Nun gehen immer mehr Finger nach hoch, und Nassehi klagt, das sei bestimmt Absicht, ihn hin und her zu scheuchen. Bald ist klar, dass soziale Ordnung nur funktioniert, wenn die Menschen Maß halten, wenn sie auf Handlungen verzichten, die ihnen eigentlich offenstünden. "Sie reden nur, wenn Sie gefragt sind, und ich halte eine Vorlesung, obwohl ich einfach Döneken aus meinem Leben erzählen könnte", beschreibt Nassehi die soziale Ordnung dieser Veranstaltung. Der erste Schritt in die Soziologie ist gemacht.

12.30 Uhr, Garching, Mensa

Schnitzel geht immer. Ein 300-Gramm-XL-Schnitzel geht noch besser. Hungrige Studenten schieben sich an der Theke entlang, wo "XL-Portionen" angeboten werden. "Wir reagieren damit auf den Wunsch der Studenten nach mehr Fleisch und größeren Portionen", sagt Gregor Fricke, Leiter der Abteilung Hochschulgastronomie, über das Angebot, das es nur Garching gibt. Maschinenbauer hätten eben großen Appetit. Auch neu auf dem Mensa-Menü: der Hopfendöner. Für drei Euro gibt es eine aufgemotzte Wurstsemmel aus Pökelfleisch, süßem Weißbiersenf, Krautsalat und Tomaten im Brezenteig - der Andrang ist noch mäßig. Ist halt kein XL-Schnitzel.

17 Uhr, TU in der Arcisstraße, Innenhof

Kalt ist es, und doch sind mehr als tausend Studenten zur Begrüßung durch den TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann gekommen. Ob sie wirklich seine Rede hören wollen? Egal, er begrüßt sie auf jeden Fall mit warmen Worten. Wie in einer "neuen Heimat" sollen die Studenten sich an der TU fühlen, sagt Herrmann. Und dass sie ihre Meinung und ihre Wünsche äußern sollten, zum Beispiel via Facebook. "Es kann gut sein, dass ich Ihnen gleich am nächsten Morgen antworte." Herrmann spricht auch das große Thema an allen drei großen Hochschulen in dieser Stadt für dieses Semester an: das Semesterticket. Ende November beginnt eine Urabstimmung unter den Studenten. An LMU, TU und an der Hochschule München, der früheren FH, muss sich jeweils eine Mehrheit für das Semesterticket finden, damit es probeweise eingeführt wird. "Stimmen Sie dafür", appelliert Herrmann. Und nach einer Dreiviertelstunde gibt es dann endlich das, wofür wohl die meisten gekommen sind: 5000 Liter Freibier aus Weihenstephan.