Semesterbeginn Weniger Studienanfänger in München

In ganz Bayern wächst die Zahl der Studenten, nur in der Landeshauptstadt kommen zum Wintersemester weniger junge Leute an die Universitäten. Die beliebtesten Fächer sind Informatik, Sport, Jura und Betriebswirtschaftslehre.

Von Sebastian Krass

Die Münchner Universitäten starten an diesem Montag deutlich entspannter in das neue Wintersemester als im Vorjahr. Die Zahl der Neueinschreibungen ist längst nicht so hoch ausgefallen wie zwischenzeitlich prognostiziert. An der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sind derzeit knapp 7500 Studenten registriert, die ihr erstes Hochschulsemester angehen. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr, als nach dem doppelten Abiturjahrgang in Bayern 9400 junge Menschen begannen, an der LMU zu studieren.

Der aktuelle Wert liegt sogar leicht unter der Zahl vom Wintersemester 2010/2011, als auch nur ein Abiturjahrgang an die Uns kam: Damals verzeichnete die LMU 7900 Studienanfänger.

Durch die geringeren Anfängerzahlen schrumpft die größte deutsche Präsenz-Uni sogar ein wenig. Insgesamt werden in diesem Wintersemester 48.300 Studenten eingeschrieben sein, 800 weniger als vor einem Jahr. Es wird vorerst in Deutschland keine Hochschule mit mehr als 50.000 Studenten geben - außer der Fernuni Hagen mit knapp 80.000 Eingeschriebenen.

Ursprünglich hatten manche Experten ähnlich hohe Anfängerzahlen prognostiziert wie im Vorjahr. Es wurde vermutet, dass sich viele bayerische Abiturienten 2011 vom Andrang hatten abschrecken lassen und ihren Studienstart um ein Jahr verschoben. Zudem hat in diesem Jahr Baden-Württemberg das Doppelabitur hinter sich gebracht, was zu einer Ausweichbewegung ins Nachbarland Bayern hätte führen können.

Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) erklärt sich das damit, dass im vergangenen Jahr die Prognosen übertroffen wurden. So könnte der größte Teil der studieninteressierten Abiturienten abgefangen gewesen sein.

Heubisch widerspricht auch der Kritik der SPD, dass wegen der Studiengebühren Studenten in andere Bundesländer ausweichen würden. Bayern habe sogar "Wanderungsgewinne", es kämen also mehr Menschen zum Studieren in den Freistaat, als ihn zugunsten anderer Standorte verließen.

Bayernweit liegt die Zahl der Studienanfänger im Gesamtjahr 2012 um zehn Prozent über dem Wert von 2010. Insgesamt fangen 64.000 junge Leute mit dem Studium im Freistaat an.

Doch von diesem Zuwachs spürt man in München nichts. Auch an der Technischen Universität (TU) München ist der Andrang nicht mehr ganz so groß wie im Vorjahr. Etwa 6000 Studierende haben sich dort für einen Bachelor-Studiengang eingeschrieben.

Wie viele davon tatsächliche Studiumsanfänger und wie viele Fachwechsler sind, führt die TU nicht auf. Es handele sich aber bei "der ganz überwiegenden Zahl um klassische Erstsemester", sagt ein Sprecher. Im vergangenen Wintersemester waren es 8000, im Wintersemester 2010/2011 etwa 5500 neue Bachelorstudenten gewesen. Künftig wird die TU etwa 32.000 Studenten haben, eine Steigerung um etwa 9000 binnen fünf Jahren.

Die größten Wachstumsraten bei Neueinschreibungen für das Bachelorstudium verzeichnen die Informatik (plus 62 Prozent gegenüber 2010) und die Sport- und Gesundheitswissenschaft (plus 57 Prozent). Der größte Fachbereich bleibt das Maschinenwesen, mit 900 Neulingen. Die beliebtesten Fächer an der LMU sind weiterhin Jura und Betriebswirtschaft, das stärkste Wachstum verzeichnet allerdings die kleine Philosophie-Fakultät: von 810 Studenten im Vorjahr auf nun 870.