Seehofer trifft Bahn-Chef Grube Neue Runde im S-Bahn-Poker

Erst wollte Ministerpräsident Seehofer das Mega-Projekt zweiter Tunnel begraben, jetzt verhandelt er doch weiter. Als erster soll Bahn-Chef Grube mehr geben, er kommt heute in die Staatskanzlei. Mit OB Ude gibt es dagegen nach wie vor Terminschwierigkeiten.

Von Marco Völklein und Christian Krügel

Erneut soll ein "Spitzengespräch" Bewegung in den festgefahrenen Streit um den geplanten zweiten S-Bahn-Tunnel unter der Innenstadt bringen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) treffen sich am Freitag mit Bahn-Chef Rüdiger Grube in der Staatskanzlei. Dabei geht es auch darum, ob die Bahn bereit ist, einen größeren Brocken zur Finanzierung der zweiten Röhre beizutragen.

Eine solche Aufstockung hatte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) zur Bedingung gemacht, damit sich die Stadt an einer Vorfinanzierung des Tunnels beteiligt. Das ebenfalls geplante Vier-Augen-Gespräch zwischen Seehofer und Ude, lässt dagegen auf sich warten. Ude habe Seehofer einen Termin für diese Woche vorgeschlagen, hieß es in SPD-Kreisen. Seehofer habe aber wegen Terminschwierigkeiten abgelehnt.

Bislang ist im Bau- und Finanzierungsvertrag zwischen Bahn und Freistaat geregelt, dass der bundeseigene Konzern 133 Millionen Euro beisteuert zur Gesamtinvestitionssumme von geschätzt zwei Milliarden Euro. Zudem ist vereinbart, dass der Konzern einen Teilbetrag in den sogenannten "Risikotopf" einzahlt, aus dem etwaige Kostensteigerungen finanziert werden sollen. Dieser Topf umfasst 500 Millionen Euro. 100 Millionen Euro davon kommen von der Bahn.

Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte eine Aufstockung dieser beiden Beträge bislang abgelehnt - sehr zum Unwillen von Münchens OB Ude und vielen Abgeordneten und Landräten aus dem Münchner Umland. Diese fordern vehement, angesichts der hohen Gewinne, die die Bahn mit dem Betrieb des Münchner S-Bahn-Netzes erzielt, den Konzern stärker am Bau der zweiten Röhre zu beteiligen.

"Die Münchner S-Bahn ist die Cashcow des gesamten Bahn-Konzerns. Da muss mehr kommen", hatte der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin gefordert, der auch Sprecher der Landräte im MVV ist. Karmasin und weitere CSU-Politiker aus Oberbayern hatten vergangene Woche bei einem Krisengespräch mit Seehofer darauf gedrungen, dass mit der Bahn nachverhandelt wird.

Die Staatsregierung ist aber offenbar skeptisch. Zumindest werde die Bahn niemals so viel zuschießen können, dass dadurch ein Beitrag der Stadt überflüssig werde, heißt es aus Regierungskreisen. Die Idee, ein privater Investor könnte als Retter des Zwei-Milliarden-Euro-Projektes einspringen, wird nach Informationen der SZ im Kabinett abgelehnt. Zum einen gebe es bis heute keine Anfrage eines Interessenten. Zum anderen sei kein Modell denkbar, das Bau und Betrieb eines zweiten Tunnels für einen privaten Investor wirtschaftlich attraktiv machen könnte.

OB Ude und MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag hatten zuletzt ein Investoren-Modell für die zweite Stammstrecke ins Gespräch gebracht.