Schwabing Ungewöhnlich scharf

Elisabethmarkt-Anfrage ist für den Bezirksausschuss "eine Frechheit"

Ins Gewissen reden wollte ein Unterstützer der Bürgerinitiative "Pro Elisabethmarkt" dem Westschwabinger Bezirksausschuss in der jüngsten Sitzung des Stadtteilgremiums. Er trug die Argumente Hubertus von Medingers vor, der mit Unterstützung zahlreicher Schwabinger seit Monaten für den Erhalt der Marktstandl in ihrer jetzigen Form auf Schwabings traditionsreichem Platz kämpft. Zitiert wurde dabei wiederholt der Erfolg der Abrissgegner am Wiener Platz, die ihre Stände nach einem Machtwort des Oberbürgermeisters im Juni nun behalten dürfen. Eine Sanierung im Bestand, so der Vorwurf der Vereinigung, sei für die Märkte nie vorgelegt worden. Dabei würde diese Variante laut Experten der Lebensmittelüberwachung bei den Hygieneanforderungen einen größeren Ermessensspielraum als ein Neubau ermöglichen. In Haidhausen befürworteten die Lokalpolitiker von Anfang an die Sanierung im Bestand; auch die dortigen Händler wollen den Markt erhalten wissen, wie er ist.

In Schwabing dagegen stehen die Stadtteilvertreter und eine Reihe von Händlern hinter der Argumentation des Kommunalreferates und der Markthallen und haben das wiederholt klargestellt. Sie befürworten eine Modernisierung des Elisabethmarktes gemäß den aktuellen Hygiene- und Brandschutzvorschriften. Entsprechend ungehalten reagierten die Politiker nun auf die "Frechheit", ihnen vorzuwerfen, sie hätten sich nicht ausreichend informiert. "Wir brauchen keinen Punkt, den wir besprochen haben, zurücknehmen", stellte Gremiums-Chef Walter Klein (SPD) ungewöhnlich scharf klar, "die Situation am Wiener Platz und am Elisabethmarkt, und das ist das Entscheidende, ist nicht vergleichbar. Es gelten ganz andere Richtlinien." Der Wiener Platz bestehe aus lediglich neun Ständen, wovon sechs gastronomisch orientiert sind: "Da können Sie ein Gläschen Wein trinken und etwas essen, die Präsentation von frischen Waren aber findet dort kaum statt." In Schwabing dagegen gebe es Obst, Gemüse, Fleisch und Feinkost: "Da gelten dann ganz andere Vorschriften."

Den Antrag, offenzulegen, in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt der Westschwabinger Bezirksausschuss die Argumente der Markthallen auf den Prüfstand gestellt hat und welche Experten, abgesehen vom Planungsbüro Bogevisch, hierzu befragt wurden, lehnten die Lokalpolitiker ab - einstimmig. Ebenso wie eine Antwort auf die Frage, ob sie Kenntnis davon haben, inwieweit der Lebensmittelüberwachung jemals Pläne zur Begutachtung der Situation im Falle einer Sanierung im Bestand vorgelegt wurden.