Schwabing:Überzeugender Brückenschlag

Schwabing: Weitreichende Forderung: Die Heßstraße soll nicht nur als Radroute dienen, sondern auch von Autoverkehr freigehalten werden, schlägt Herzog vor.

Weitreichende Forderung: Die Heßstraße soll nicht nur als Radroute dienen, sondern auch von Autoverkehr freigehalten werden, schlägt Herzog vor.

(Foto: Stephan Rumpf)

Lokalpolitiker begeistern sich für den Entwurf einer Radroute, die vom Olympiapark in die Maxvorstadt führen würde

Von Ellen Draxel, Schwabing

Simon Herzog hat Westschwabings Lokalpolitiker zu hundert Prozent überzeugt. Der Wirtschaftsingenieur der TU München hat eine Radroute vom Olympiapark in die Maxvorstadt entwickelt. Die Strecke führt mitten durch den vierten Stadtbezirk und bindet nicht nur die Neubausiedlung am Ackermannbogen an. Sie impliziert auch eine attraktive Gestaltung des Kreativquartiers, dessen Teilbereich "Feld" zu Schwabing-West gehört.

Kernelement der von Herzog vorgeschlagenen Trasse ist die Idee, die heute schon für den Pkw-Verkehr geschlossenen Abschnitte der Heßstraße im Kreativquartier auch künftig autofrei zu halten. Die Route, die ihm vorschwebt, würde von der als Fahrradstraße ausgewiesenen Clemensstraße quer durch den Ackermannbogen über die Brücke an der Ackermannstraße führen, eine neue Radverbindung bis zum Rosa-Luxemburg-Platz bedingen und den Neubau einer Rad- und Fußgängerbrücke über die Schwere-Reiter-Straße voraussetzen. Enden soll die Brücke in der Heßstraße, die dann zwischen Loth- und Schwere-Reiter-Straße nur noch für Fußgänger und Radler offen wäre. Im weiteren Verlauf könnte die Heßstraße bis zur Barer Straße ebenfalls zur Fahrradstraße werden.

Ein Konzept, das der Bezirksausschuss Schwabing-West vor dem Hintergrund der baulichen Erschließung des Kreativquartiers als "sinnvoll und dringend notwendig" erachtet. "Diese Route bietet die Chance, die Heßstraße als Naherholungszone für die Anwohner und Beschäftigten im Kreativfeld zu entwickeln." Für Herzogs Variante spricht aus Sicht der Bürgervertreter außerdem, dass die Gegend in den kommenden Jahren zunehmend entwickelt wird. Nördlich des Leonrodplatzes entsteht bis Herbst 2022 das neue Strafjustizzentrum, das den maroden Bau an der Nymphenburger Straße ersetzen soll. Etwa 1300 Menschen werden hier arbeiten, dazu kommt der tägliche Strom an Prozessbeteiligten. Im nahen Südteil des Olympiaparks wiederum ist ein Wohngebiet mit 500 bis 600 Wohnungen geplant. Und im Kreativquartier selbst entstehen rund 900 Wohnungen, dazu Kultureinrichtungen, die Kreativwirtschaft, eine Grundschule und Gebäude der Hochschule München. Eine sichere und attraktive Radstrecke in die Innenstadt böte hier nach Meinung der Westschwabinger eine gute Alternative zu Auto- und öffentlichem Nahverkehr. Auch die Stadtteilvertreter aus Neuhausen-Nymphenburg und der Maxvorstadt haben sich bereits für eine Realisierung der von Herzog konzipierten Route ausgesprochen.

Das Planungsreferat allerdings lehnt eine Fahrradbrücke über die Schwere-Reiter-Straße der hohen Kosten wegen ab. Und auch Verantwortliche des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) München haben sich schon früher skeptisch geäußert: Andreas Groh befürchtete, dass eine solche Brücke allzu viel wertvolle Zeit verschlingen könnte. Der Radschnellweg, den der ADFC vorschlägt, nimmt daher einen anderen Weg: Er verläuft entlang der alten Trambahnstrecke von Milbertshofen bis zum Scheidplatz, führt dann über die Fahrradstraße Borschtallee, die Erich-Kästner- und die Clemensstraße in die Hiltenspergerstraße im westlichen Schwabing. Am Ende der Hiltenspergerstraße biegt die Strecke links in die Görresstraße und später in die Augustenstraße ab. Über die Heßstraße und die Luisenstraße verläuft die Strecke schließlich direkt an der Technischen Universität vorbei und endet vor dem Münchner Hauptbahnhof.

Die drei Bezirksausschüsse halten an Herzogs Variante fest. Sie wollen weiter bei der Stadt für das Projekt werben. Herzog hat vorgeschlagen, von einer Studentengruppe der TU unter Leitung von Professor Martin Mensinger im kommenden Sommersemester vier Vorschläge für die Brücke erarbeiten und visualisieren zu lassen. Eine Idee, die die Lokalpolitiker begrüßen.

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