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Schwabing:Ein Wunschbaum in der Asphaltwüste

Neubaugebiet Domagkpark in München, 2018

Sehr breite Fußwege, sehr wenig Grün: Jetzt prüft die Stadt, wie der Domagkpark seinem Namen doch noch gerecht werden kann.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Kritik an übermäßiger Versiegelung im Wohngebiet Domagkpark zeigt erste Wirkung

Schon bevor auch nur die ersten Häuser standen, haben sich die damals noch zukünftigen Bewohner des Neubauquartiers Domagkpark auf "Vernetzungstreffen" ausgetauscht. Wenn man so will, war der Wille zum guten Miteinander der erste Baustein auf diesem 24 Hektar großen Areal der ehemaligen Funkkaserne zwischen Domagkstraße und Frankfurter Ring, ein Neubaugebiet, das mit Mobilitätsprojekten und Concierge-Dienst als Testfeld für innovative Formen des städtischen Zusammenlebens gilt. Das bürgerschaftliche Engagement hält auch nach dem Einzug an, wobei gar nicht so wenige die Gestaltung des Wohnumfeldes als nicht besonders innovativ erachten, manche nennen es schlicht: zubetoniert. Der Protest zeigt inzwischen Wirkung, die Wortführer planen unterdessen eine Aktion mit dem Titel "Green Street Happening".

Ein Geschehen, bei dem allerhand geschieht, in einer grünen Straße: So stellen sich die Initiatoren von der Bürgerinitiative mit dem sprechendem Namen "Mehr Grün... im Domagkviertel" das vor. Die Gruppe aus einer Handvoll Aktivisten hatte im Herbst 2018 nach eigenen Angaben 546 Unterschriften für ihre Forderungen an Stadtverwaltung und -politik gesammelt. Sie sehen die Grün-Planung, wie es der Bebauungsplan nahe legt, nicht umgesetzt. Von einer "Asphaltwüste" war die Rede, von übermäßig versiegeltem Straßenraum und längst nicht so vielen gepflanzten Bäumen, wie in Aussicht gestellt. Nach einem Antrag der Stadtratsfraktion FDP-Hut mit dem ebenfalls sprechenden Titel "Steinwüste im Wohngebiet Domagkpark begrünen" nahm sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) der Sache an. Und nun soll die Stadtverwaltung folgende Optionen prüfen: Im Zuge des Mobilitätskonzepts wird das Planungsreferat untersuchen, ob der Rückbau von Parkplätzen zulässig ist, was Standorte für zusätzliche Bäume ermöglichen könnte, wie es in einer Mitteilung von Baureferentin Rosemarie Hingerl heißt.

Ihre Behörde wiederum wird eruieren, ob man "die sehr breit wirkenden Gehwege" an manchen Stellen durch Urban-Gardening-Flächen reduzieren kann, also Flächen, auf denen Pflanzgefäße stehen, die von Anwohnern bewirtschaftet werden. Ferner gäbe es die Möglichkeit, teils 1,5 Meter breite befestigte Streifen Privatgrund vor Gebäuden zu entsiegeln. Überdies schlägt Hingerl auch eine "mobile Begrünung" mit "innovativen Pflanzsystemen" vor, wie sie derzeit in einem Pilotprojekt an der Adam-Berg-Straße in Trudering getestet werden: sieben Meter hohe Feldahornbäume in Pflanzgefäßen mit eigenem Wasserreservoir.

Die Idee mit den Topfpflanzen im öffentlichen Raum soll auch beim "Green Street Happening" am Samstag, 13. April, von 11 bis 14 Uhr an der Ecke Gertrud-Grunow-Straße/Fritz-Winter-Straße zur Anwendung kommen, freilich nicht so professionell. Initiativensprecherin Birgit Rieder und ihre Mitstreiter haben 1000 Handzettel verteilt, auf denen die Nachbarn zum Mitbringen einer Pflanze animiert werden. "Es geht darum, die Gehwege in Besitz zu nehmen", sagt Rieder. Als Unterstützer der Aktion treten etwa der Grünen-Ortsverband, die Münchner Kreisgruppe des Bundes Naturschutz, die städtische Gewofag, die Feierwerk-Funktstation und die Umweltorganisation Green City auf. Die Besucher werden Kreide vorfinden, mit der sie ihre Ideen auf den Asphalt malen können; auch ein "Wunschbaum" steht bereit, an dessen Äste Wunschzettel gehängt werden können. "Es ist ein kreatives Mitmachevent", beschreibt es Birgit Rieder. Das klingt sicher einladend für viele in der geübten Mitmach-Bürgerschaft des Domagkparks.