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Schwabing:Ein Fall für die Gestaltungskommission

Bezirksausschuss moniert, Neubau füge sich nicht ein - der Architekt widerspricht

Eine Augenweide war das Haus an der Friedrichstraße 19 nie. Bis vor wenigen Monaten nutzte die Knappschaft das nüchtern gehaltene Bürogebäude, im Mai ist die Krankenkasse an die Putzbrunner Straße gezogen. Der frühere Sitz wurde verkauft und soll jetzt abgerissen werden. Die Projektgesellschaft Friedrichstraße 19 mbH will an der Ecke zur Franz-Joseph-Straße einen sechsstöckigen Neubau mit Penthouse im obersten Geschoss, eine dreistöckige Tiefgarage und ein Stadthaus im Hof errichten. Geplant sind 64 frei finanzierte Eigentumswohnungen mit insgesamt mehr als 5000 Quadratmetern Wohnfläche. Die Abbrucharbeiten sollen noch im Winter beginnen, im Frühjahr 2019 können die ersten Bewohner voraussichtlich einziehen.

Ob dieser Zeitrahmen einzuhalten ist, bleibt angesichts des Votums des Bezirksausschusses Schwabing-West fraglich. Das Gremium hat den Bauantrag abgelehnt, in erster Linie aus optischen Gründen: "Die in den Plänen dargestellten Fassadenansichten würden in ein Neubaugebiet passen, aber auf keinen Fall an diese Stelle mitten in Schwabing." Der überwiegende Teil der Gebäude an der Friedrich- und Franz-Joseph-Straße verfüge über Satteldächer, der Neubau sei mit Flachdach geplant. "Besonders die Ansicht vom Habsburger Platz aus" widerspreche den Gebäudestrukturen der umliegenden Häuser. Nach Ansicht der Bürgervertreter ist der Neubau in der vorliegenden Planung ein Fall für die Stadtgestaltungskommission - eine Einschätzung, die Gerhard Landau überrascht.

Der Architekt des Münchner Büros Landau+Kindelbacher hat das neue Haus entworfen, mit viel Bewusstsein für die städtebauliche Wirkung des Komplexes. "Ich bin jemand, dem Harmonie wichtiger ist als Konfrontation, deshalb verwundert es mich etwas, dass unser Entwurf so negativ aufgenommen wurde." Speziell bei diesem Projekt, das in einem von Baudenkmälern geprägten Viertel realisiert werden soll, habe er sich "wirklich viel Mühe gegeben", sagt der geschäftsführende Gesellschafter. Die Pläne seien schon vorab mit dem Kreisheimatpfleger und der Unteren Denkmalschutzbehörde abgesprochen worden. Und auch die Nachbarn in den Gründerzeit-Häusern, betont er, hätten alle zugesichert zu unterschreiben.

Landaus Team war sich "sicher, ein Gebäude zu entwickeln, das in die Umgebung passt", indem es bewusst Elemente der Nachbarhäuser aufgegriffen habe. Das Motiv des ausgestalteten Gebäudesockels mit Hochparterre etwa, für dessen Realisierung der Bauherr ein Stockwerk weniger in Kauf nimmt. Oder die Gliederung durch stehende, gerahmte Fenster und horizontale Stuckaturen, die sich so nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft, sondern in vielen Schwabinger Altbauten finden. Auch die großen Fenster im obersten Geschoss zitieren Atelierfenster, wie sie um die Jahrhundertwende prägend waren. "Wir haben hohe Raumhöhen, die Balkone sind halbe Loggien mit durchbrochenen Balustraden, und nach Westen weist der Neubau eine Ecküberhöhung auf, die mit dem gegenüberliegenden Haus von Sep Ruf korrespondiert." Auch das Flachdach mit Staffelgeschoss sei bewusst "als Anknüpfungspunkt" an Rufs Entwurf gewählt worden.

Der Neubau, ist Landau überzeugt, füge sich "in Maßstab, Materialität und Fassadenstruktur" in das Spannungsfeld zwischen den gründerzeitlichen Bauten der Umgebung und der sachlichen, durch Glas und Balkone geprägten Fassade von Sep Ruf aus den frühen 50er-Jahren ein und erziele dennoch "eine prägende Eckwirkung". Gerne hätte der Architekt den Lokalpolitikern die Pläne selbst vorgestellt. Doch er kannte den Sitzungstermin nicht.

© SZ vom 12.11.2016

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