bedeckt München
vgwortpixel

Schwabing:Monaco Franze wartet schon

Schau wia's schaun: Die Inhaber des Café Münchner Freiheit, Karl Eisenrieder senior (li.) mit seinen Söhnen Max und Karl junior (re.), freuen sich auf eine Dietl-Plastik neben der Monaco-Franze-Figur.

(Foto: Catherina Hess)

Eine Schwabinger Initiative will Helmut Dietl eine Statue errichten. Seine Witwe ist begeistert - doch die Stadt ist es nicht.

Wenn Karl Eisenrieder beschreiben soll, wie das damals war mit Helmut Dietl und seinen berühmten Freunden, dann kommt eine Sentenz heraus, die der große Meister der treffenden Sentenzen auch selbst über sich gesagt haben könnte. "Mei, den hast du kaum gesehen, weil der immer so viel geraucht hat, dass er in einer Rauchwolke versteckt war", berichtet der 79-Jährige Senior-Chef des Cafés Münchner Freiheit. "Und laut waren's", ergänzt sein Sohn und Junior-Chef, Max Eisenrieder.

Laute Gesellschaften sind an diesem Vormittag nicht in dem Traditionscafé; im halb vollen Lokal schwatzen die Gäste, klopfen auf Frühstückseier, löffeln Tortenstücke. Doch in den Achtziger- und Neunzigerjahren war nahezu täglich eine nicht zu überhörende Gäste-Gruppe in der Nische neben dem Tresen zu Gange.

Helmut Dietl Erinnerungen an eine Freundschaft
Patrick Süskind über Helmut Dietl

Erinnerungen an eine Freundschaft

Als er schon vom Krebs gezeichnet war, begann der Filmemacher Helmut Dietl mit der Niederschrift seiner Memoiren. Nächste Woche erscheinen sie in unvollendeter Form. Das Nachwort, das wir hier abdrucken, stammt vom langjährigen Weggefährten und Co-Autor seiner Filme.   Von Patrick Süskind

Die Frauen und Männer saßen um diesen dauerdampfenden Mann im weißen Anzug herum, ließen sich jede Menge Kaffee und Kir-Royal-Cocktails servieren, scherzten, stritten und lachten mit ihm: Helmut Dietl, der für seine Filme und Figuren so verehrte Regisseur und Drehbuchschreiber traf sich dort mit Schauspielern und Autoren, die auch seine Freunde waren, zum Frühstücksstammtisch.

Am 30. März jährt sich sein Todestag zum dritten Mal. Und eine Initiative aus dem Bezirksausschuss Schwabing-Freimann findet: höchste Zeit, dem großen Dietl ein Denkmal zu setzen, mit einer Statue - und zwar vorm Café Münchner Freiheit, quasi am historischen Ort - neben der Monaco-Franze-Skulptur. "Die Geschichten aus den Filmen sind hier entstanden", sagt Eisenrieder Senior.

Tamara Dietl

"Er liegt jetzt in Sichtweite von Bernd Eichinger begraben. Und ich finde die Vorstellung anrührend, wenn er neben seinem engsten Freund am Tisch sitzen könnte."

Eine rechte Sternstunde war's - dieser Spruch des Monaco Franze würde zu den damaligen Café-Sitzungen wohl gut passen, bei denen Veronica Ferres, Franz Geiger, Towje Kleiner, Bernd Eichinger und Helmut Fischer jene Sprüche klopften, die heute zum Sprachschatz der Stadt gehören. Karl Eisenrieder sinniert mit seinen Söhnen Max und Karl junior darüber, während sie durchs Fenster auf den Wunsch-Standort für die Dietl-Plastik blicken: Da sitzt die Bronzestatue von Helmut Fischer und schaut mit dem unvergleichlichen Monaco-Franze-Gesichtsausdruck herüber.

Die Idee: Die beiden Freunde und Vertrauten, Dietl und Fischer, sollen im Tode vereint als Monumente gewissermaßen ihren Stammtisch weiterführen. Die drei Männer im Café werden jetzt ziemlich laut: glucksende Vorfreude - und grollende Kommentare dazu, was das städtische Kulturreferat zu einem solchen öffentlichen Gedenken an Dietl zu sagen hat.