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Schlichter im S-Bahn-Streit:SPD-Geheimwaffe Gauweiler

Jetzt soll Peter Gauweiler den Geißler geben - und den S-Bahn-Streit in München schlichten. CSU-Chef Seehofer lehnt den Vorschlag von OB Ude allerdings strikt ab. Dabei wäre die Rolle für den CSU-Rebellen durchaus reizvoll - nicht nur innerparteilich.

Klar, dass einen wie ihn die Aufgabe reizen musste. Noch einmal im Mittelpunkt zu stehen. Zu versuchen, eine Schneise in einen völlig verfahrenen politischen Konflikt zu schlagen. Vielleicht eine Lösung zu finden im elenden Gezerre um die zweite S-Bahn-Stammstrecke. Und nebenbei den Parteifreunden zu zeigen, dass es doch die bessere Idee gewesen wäre, ihn zum CSU-Vize zu wählen.

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Peter Gauweiler soll im Münchner S-Bahn-Streit schlichten - doch CSU-Chef Seehofer ist dagegen.

(Foto: SEYBOLDT4MEDIA)

"Mir macht Politik Spaß", sagt Peter Gauweiler. Und sie hält ja noch immer Überraschungen parat. Denn dass ausgerechnet Gauweiler, der in seinem politischen Leben fast immer zur Attacke geblasen hat, jetzt versuchen soll, als eine Art Heiner Geißler den S-Bahn-Konflikt zu lösen, wäre eine ganz neue, ganz ungewohnte Rolle für ihn.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hat ausführlich begründet, warum es einen solchen Moderator braucht, was er leisten muss und warum Gauweiler für die Aufgabe in Frage kommt. "Ich war fast gerührt, als ich das gelesen habe", sagt Gauweiler. Und lacht dann herzhaft.

Ude und Gauweiler, das ist fast so etwas wie eine politische Lebenspartnerschaft. Ude gewann seine erste OB-Wahl 1993 nur knapp gegen Gauweiler. Solange Gauweiler Münchner CSU-Chef war, hat er Ude nach Kräften beharkt. Ude war jahrelang sein "Gegenkamerad", wie Gauweiler das gerne nennt. Darin schwingt der Respekt mit, den beide durchaus füreinander empfinden. Als Ude vor knapp zwei Jahren mit der Olympia-Bewerbung in Schwierigkeiten steckte, weil die Garmischer Bauern ihre Grundstücke für die Spiele nicht hergeben wollten, hat Gauweiler seine Bereitschaft anklingen lassen, Ude als Vermittler zur Seite zu springen.

Vielleicht hat sich der OB jetzt daran erinnert. Ude und Gauweiler duellieren sich regelmäßig in einer Kolumne für den Münchner Merkur, sie haben immer wieder persönlichen Kontakt. Die Idee mit dem Moderator wurde bei einem gemeinsamen Gespräch vor ein paar Tagen im Münchner Rathaus geboren.

Dass er selber in dem Konflikt gar nicht neutral ist, den zweiten Tunnel eher kritisch sieht und als Anwalt einmal auch einen Hotelier im Streit über die Baustelle am Marienhof vertreten hat, ficht Gauweiler nicht an. Im Gegenteil, Ude habe bewusst einen Kritiker der Stammstrecke als Moderator gesucht, sagt er. Einen, der glaubhaft auch einen möglichen "Plan B" ventilieren kann, sofern es den denn gibt.

Auch innerparteilich hätte die Aufgabe für Gauweiler enormen Reiz. Sein Verhältnis zu Seehofer ist kompliziert, um es milde auszudrücken, die Beziehung zu Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, den er im Herbst als CSU-Vize ablösen wollte, noch komplizierter. Am Montag bei der Sitzung der CSU-Bundestagsabgeordneten gab es zwischen Gauweiler und Ramsauer einen kleinen Schlagabtausch zur Stammstrecke, heißt es aus Kreisen der CSU-Landesgruppe. Es ging ums fehlende Geld. Wolle Ramsauer alle Nahverkehrsprojekte in Deutschland stemmen, brauche er dafür wohl an die neun Milliarden Euro, schätzte Gauweiler. Um ihm dann vorzurechnen, dass der Afghanistan-Einsatz bisher 21 Milliarden Euro gekostet habe. Kein Geld ist eben ein sehr relatives Argument.

CSU-intern ist die Gemengelage gegenwärtig verworren. Seehofer hat den Vermittler-Vorschlag sofort zurückgewiesen. Der Münchner CSU-Fraktionschef Josef Schmid hat Gauweiler nach dessen Worten am Telefon zuerst Zustimmung signalisiert, später war er dann auch dagegen. So ist das auch beim Münchner S-Bahn-Streit, den Gauweiler auf folgende Formel bringt: Alle würden dort immer nur erklären, was nicht gehe und dass daran immer der andere schuld sei. Diese Position könnten weder Ude noch Seehofer die kommenden zwölf Monate durchhalten, glaubt Gauweiler.

© SZ vom 25.04.2012/bica

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