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Schlagbauer:Wiesn-Stadtrat Schlagbauer tritt wohl wegen Drogenmissbrauchs zurück

Georg Schlagbauer beim Standkonzert auf dem Münchner Oktoberfest, 2014

Der zurückgetretene Wiesn-Stadtrat Georg Schlagbauer (CSU) dirigiert beim Standkonzert der Wiesn-Kapellen zu Füßen der Bavaria.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Überraschend ist der Münchner Stadtrat Georg Schlagbauer von allen seinen Ämtern zurückgetreten.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Drogenmissbrauch.
  • Es soll auch um offene Rechnungen und Kontakten ins Rotlichtmilieu gehen.

Von Heiner Effern und Wolfgang Wittl

Georg Schlagbauer, 44, zündet am Donnerstagmorgen noch eine Nebelkerze. Über seinen Anwalt lässt er eine Erklärung verschicken, dass er aus gesundheitlichen und familiären Gründen von all seinen Ämtern zurücktrete. Doch schon der letzte Satz enthält den Hinweis, dass hinter dem Ende all seiner Ambitionen ganz andere Gründe stecken. "Privates hat zu keinem Zeitpunkt Auswirkungen auf seine Amtsführung gehabt", schreibt Anwalt Michael Philippi.

Privates heißt in diesem Fall: Der CSU-Stadtrat Schlagbauer soll Dorgen gekauft und konsumiert haben und das schon über einen längeren Zeitraum. Am Mittwoch ging er zur Staatsanwaltschaft München I und machte eine entsprechende Aussage. Seither wird offiziell gegen Schlagbauer ermittelt, bestätigt ein Sprecher.

Welche Drogen Schlagbauer nahm, dazu äußert sich die Staatsanwaltschaft nicht. Aus der CSU ist von Kokain zu hören. Und noch einiges mehr, was sich hinter "Privates" noch verstecken könnte. Zum Beispiel offene Rechnungen im Rotlicht-Milieu. Das bestätigt der Betreiber eines Clubs der SZ.

"Wir nehmen den Rücktritt zur Kenntnis", sagten Parteichef Ludwig Spaenle, Bürgermeister Josef Schmid (CSU) und auch Fraktions-Vize Michael Kuffer am Vormittag. Auf diese offizielle Sprachregelung hat man sich bis dahin geeinigt.

Spaenle betont am Rande einer Plenarsitzung im Landtag, er kenne nur die schriftliche Stellungnahme Schlagbauers, zu einem Gespräch mit ihm sei es noch nicht gekommen. Alles weitere sei jetzt eine persönliche Sache Schlagbauers, da er von allen Ämtern bereits zurückgetreten sei.

Zwischen Fatalismus und Fassungslosigkeit

Ministerpräsident Horst Seehofer reagiert betroffen: "Das ist wieder eine äußerst betrübliche Nachricht." Das Thema sei "sehr ernst" und "sehr ärgerlich", sagt Seehofer. Bereits am Mittwoch hatte der CSU-Chef von einem Schaden für die gesamte Partei gesprochen, als der Nürnberger Landtagsabgeordnete Michael Brückner Sex mit einer Minderjährigen eingeräumt hatte. Einen Zusammenhang zwischen Brückner und Schlagbauer wollte in der CSU jedoch niemand herstellen. Auch gegen Brückner ermittelt die Justiz. "Jetzt schlägt es dramatisch ein", sagte ein CSU-Landtagsabgeordneter. Ein anderer sprach von einer "Seuchenwoche".

Um 13 Uhr, wenige Stunden nach Bekanntgabe von Schlagbauers Rücktritten, versammeln sich die Münchner CSU-Granden im zweiten Stock des Rathauses zur Beratung. Ernste Gesichter, keine Aussagen. Bezirkschef Ludwig Spaenle kommt extra an den Marienplatz, betritt die Fraktionsräume über den Innenhof von hinten. Die Gesten schwanken zwischen Fatalismus und Fassungslosigkeit. Seit Anfang der Woche weiß offenbar ein enger Zirkel an der Parteispitze, dass Schlagbauer in Schwierigkeiten steckt. Man versucht, ihn zu einem offensiven Bekenntnis zu bewegen. Vergebens.

Die dürren Zeilen des Anwalts sorgen für Ärger. Um 14 Uhr kommen dann neue Statements von der CSU: "Der Rücktritt von Georg Schlagbauer ist notwendig und unausweichlich. Es stehen schwerwiegende Vorhaltungen im Raum, die umfassend aufzuklären sind", erklärt Spaenle. Bürgermeister Schmid äußert sich ähnlich. "Georg Schlagbauers Rücktritt von allen öffentlichen Ämtern ist der Sachlage angemessen und folgerichtig."

In der CSU machen sich aber auch viele Sorgen um den Menschen Georg Schlagbauer. "Ich wünsche Georg Schlagbauer, dass er nun die Zeit und Ruhe findet, seine persönlichen Probleme in den Griff zu bekommen", sagt Schmid. Auch Stadtrat Manuel Pretzl, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CSU, ist wie seine Kollegen "bestürzt: Georg Schlagbauer war lange Mitglied der Fraktion, für die er vielfältige Ämter bekleidet hat. Wir wünschen ihm, dass er diese für ihn und seine Familie existentielle Krise meistern kann."

Schon länger ist von einer Ehekrise die Rede

Schlagbauer fällt von weit oben. Der Metzgermeister mit Familienbetrieb ist bestens vernetzt, auch über eine Fülle von Ämtern. Seit 2008 sitzt er für die CSU im Stadtrat. In der Fraktion sicherte er sich den attraktiven Posten des Wiesn-Stadtrats. Er war auch Landesinnungsmeister beim Fleischerverband Bayern und Vizepräsident beim Deutschen Fleischer-Verband, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern sowie des Bayerischen Handwerkstages. Erst vor wenigen Wochen erklärte er, dass er Ambitionen habe, für den Landtag zu kandidieren. Im Auge hatte er den neuen Stimmbezirk im Zentrum, den München aufgrund des Bevölkerungszuwachses bei den nächsten Wahlen bekommen wird.

Der Rücktritt erfolge "auch zum Schutze der Würde der jeweiligen Institutionen und Gruppierungen vor einer Belastung durch eine öffentliche Diskussion über Gesundheit und Familienleben meines Mandanten", heißt es in dem Schreiben des Anwaltes. Schlagbauer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Wie sehr sein Leben immer mehr aus den Fugen geraten ist, ahnten wohl die wenigsten Parteifreunde.

© SZ.de/bica

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