Schichtl-Betreiber Schauer "Neben der Oidn Wiesn ist kein Platz für mich"

Haben Sie schon mal mit der Stadt geredet, ob man da was ändern könnte?

Ja. Und die Stadt sagt mit Fug und Recht, was ich auch sage: Mit der Art, wie ich den Schichtl mache, passe ich nicht auf die Oide Wiesn; der ist zwar ein uralter Laden, aber ich bin schon mitgegangen mit der Entwicklung, mit der Dynamik, mit der Musik. Und direkt neben der Oidn Wiesn ist kein Platz für mich, weil ich nicht alle vier Jahre aussetzen möchte, wenn da die Bauernolympiade ist - das könnte ich nicht, das wäre wie ein Schwangerschaftsabbruch. Die Stadt hat aber auch gesehen, dass wir uns wirtschaftlich schwertun. Ich könnte mein Laden eigentlich abends um acht zusperren. Ich möchte nur ganz klar sagen: Ich jammere mit keiner Silbe. Niemand zwingt mich das zu tun. Der Schichtl ist meine Leidenschaft.

Wie schwer tun Sie sich wirtschaftlich?

Mein Geld verdiene ich mit Floßfahrten, Firmenfeiern, Moderationen und so weiter - und da ist die Schichtl-Bühne natürlich meine Präsentationsfläche. Wenn ich nur vom Schichtl-Theater leben müsste, würde ich Radl fahren und am Campingplatz Thalkirchen wohnen. Und wenn die Stadt nicht meine Theater-Schänke nebenan zugelassen hätte, hätte ich schon hingeschmissen. Für die Schufterei auch noch Geld zahlen - das ist es dann doch nicht.

Ein Gedankenspiel: Nähme man den Schichtl, die Krinoline, den Toboggan, den Flohzirkus weg - wäre das dann noch die Wiesn?

Für mich nicht.

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Aber Leute kämen schon noch genug?

Ganz sicher, McDonald's läuft ja auch gut. Wissen Sie: Ich nenn' die Wiesn lang schon Intersuff.

Kann man das Oktoberfest entkernen?

Ich würde eher sagen: ihm die Substanz nehmen. Ja, die Gefahr besteht. Die Stadt tut aber alles, es zu hegen und zu pflegen. Das Kasperltheater zum Beispiel erfährt große Unterstützung von ihr. Ich weiß es nicht, ob es so ist - aber ich fände es fair, wenn die kein Platzgeld zahlen müssten. Oder das Russenradl, das kleine Riesenrad. Ich glaube: Die Stadt ist da schon fair und kommt einem wirtschaftlich entgegen.

Sie haben dazu beigetragen, eine Tradition zu bewahren. Aber haben Sie den Schichtl deshalb übernommen? Oder wegen des Geldes?

Nein. Ich habe mein Tannenhandel am Großmarkt gehabt, der ist gut gegangen. Der Schichtl ist mir passiert, ich hab gehört, dass er zu haben ist - da bin ich angesprungen. Es gab nur zwei Bewerber damals. Mich und den Gerd Käfer, der wollte ihn seinerzeit neben seinem Zelt aufstellen. Wenn sich ein Schausteller beworben hätte, hätte ich ihn nie gekriegt.

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Wie viel muss man ändern, um so einen Traditionsbetrieb am Laufen zu halten, wie viel darf man ändern?

In erster Linie muss man die Preise ändern (lacht). Da kommt man leider nicht aus. Aber wenn ich so viel verlangen würde, dass es wirtschaftlich wäre - nein, das tut man nicht. Das wäre illusorisch. So. Ansonsten gibt's ein Sprichwort: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Man muss technisch mitgehen, bei der Sicherheit auch, aber im Verborgenen. Bei mir gibt's zum Beispiel keine LED-Lampen, mit denen ich Strom sparen könnte. Und im Programm? Da habe ich wieder was Neues, auch heuer wieder: zwei Deutsch sprechende Österreicher, die Conchita und den Hans Wurst, und eine Tänzerin, die Kleopatra Ramsauer, die ist so süß, da kriegt man schon vom Zuschauen Diabetes. Grundsätzlich kommst Du gegen 30 Fernsehkanäle, die 24 Stunden senden, nicht an. Ich kann beim Schichtl nur jeden Tag die Leute mit Empathie und Menschlichkeit erreichen, und übers Lachen.

Wenn Sie sich eine Wiesn selber zusammenstellen könnten - wie sähe die denn aus?

(Breitet die Arme aus) So wie die hier.

Bei allem, was Sie stört?

Ja. Ich muss aber sagen: Mir fehlt etwas der Überblick, mein Horizont auf der Wiesn reicht nur 150 Meter weit. Mehr sehe ich nicht, weil ich hier ja den ganzen Tag nicht wegkomme.

Das heißt, Sie betreiben zwar das älteste Geschäft auf der Wiesn, kennen sie aber mit am schlechtesten.

Ja, ich gehe höchstens mal mittags ganz schnell wo hin zum Essen, sonst bin ich hier im Zelt. Mei, du bist halt der Schichtl. Dieses Hemd kannst Du nicht ausziehen.