Schichtl-Betreiber Schauer "Ich nenn' die Wiesn lang schon Intersuff"

1985 übernahm Manfred Schauer das traditionsreiche Varieté-Theater.

(Foto: Florian Peljak)

Manfred Schauer betreibt das älteste Geschäft auf der Wiesn, den Schichtl. Im Gespräch verrät er, was ihn zur Wiesn-Zeit am meisten nervt - und warum er das Oktoberfest eigentlich kaum kennt.

Von Kassian Stroh

Er ist das älteste Geschäft auf der Wiesn: Seit 1869 gibt es den Schichtl, seit 1872 werden dort Menschen geköpft. 1985 stand das Varieté-Theater vor dem Aus. Dann übernahm es Manfred Schauer. Und der Schichtl lebt noch. Grund genug für ein Gespräch mit dem 61-Jährigen über die Wiesn und die Tradition.

SZ: Herr Schauer, was nervt Sie an München zur Wiesn-Zeit am meisten?

Manfred Schauer: Jeder hat Trachten in seinem Laden drin, ob Metzger, Schuhmacher oder Tengelmann. Dabei haben sie gar keine Ahnung, was Tracht ist. Da ist viel Faschingsgwand dabei. Dabei hat der noch gar nicht Saison.

Fasching ist doch nichts Schlimmes.

Alles zu seiner Zeit. Nein, schlimm ist gar nix. Jeder darf sich zum Deppen machen, dafür braucht er keine Jahreszeit.

Wenn's den Leuten Spaß macht, da braucht man sich doch nicht aufregen.

Ich reg mich nicht auf, weil ich erwarten würde, dass ich Erfolg habe, sondern weil's mir dann besser geht.

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Und warum ärgert Sie das so?

Mich ärgert das nicht. Und wenn sie "ärgern" schreiben, dann diktiere ich Ihnen gleich mal einen Widerruf. Also: Ich nehme nur wahr und finde es schade, dass die Leute jeden Stil und jede Echtheit verloren haben. Also, das Echte gibt es schon noch, aber es wird halt weniger.

Haben Sie das Gefühl, dass da Tradition auch verraten wird?

Verraten kann man nur, wovon man Ahnung hat. Aber noch mal: Ich bin nicht der Trachtenpapst, das sind meine subjektiven Wahrnehmungen. Ich mache niemandem einen Vorwurf, jeder soll anziehen, worin er sich wohlfühlt. Aber man sagt ja: Kleider machen Leute, sie sagen ein bisschen was über den Menschen aus, man kann schon Rückschlüsse daraus ziehen. Ich finde schade, dass die Leute es so gern greislich haben.

Ist Ihnen das Oktoberfest noch traditionell genug?

Die Tradition kämpft auf der Wiesn - auf der Oidn Wiesn mit großem Erfolg. Das ist, nebenbei, dem Schichtl alles andere als zuträglich. Weil: Dort ist genau mein Publikum, nur ist die Oide Wiesn genau am anderen Eck, weiter weg geht kaum. Und das ist sehr schade. Die Leute, die die Tradition lieben, kriegen sie dort gebündelt - da kann ich allein hier wenig machen.