Ryan's Muddy Boot Irland ist überall

Buntes Glas, dunkle Holzvertäfelung, antike Haushaltsgegenstände: Bei Ryan's Muddy Boot in Neuhausen lohnt sich ein Blick auf die Details.

(Foto: Stephan Rumpf)

Mehr als nur Guinness: Das Ryan's Muddy Boot in Neuhausen hat, was vielen Irish Pubs in aller Welt heute fehlt - einen individuellen Stil.

Von Anna Fischhaber

Düstere Holzvertäfelung, antike Messingschilder, herbes Guinness: Mit den Auswanderern von der grünen Insel verbreitete sich die irische Kultur auf der ganzen Welt. Längst haben Irish Pubs auch München erobert. Die feuchte Fröhlichkeit, die sich oft an der Lautstärke messen lässt, und der raue Umgangston sind nicht jedermanns Sache. Dennoch können sich die "irischen Wohnzimmern" an der Isar über Besucherzahlen nicht beklagen.

Abend für Abend kommen Freunde der anglo-irischen Lebensart bei "craig agus ceol", der irischen Art zu Feiern, ins Schwitzen. Vielleicht liegt das daran, dass die irische und die bayerische Wirthauskultur von der Liebe zum Bier bis zur rustikalen Einrichtung einiges gemeinsam haben. Vielleicht aber auch nur an den vielen Emigranten aus Irland, England und den USA in München.

Kein Wunder zumindest, dass die Stadt mit dem 1977 eröffneten "Irish Folk Pub" in der Giselastraße das älteste Irish Pub Deutschlands beherbergt. Genau wie das "Kilians Irish Pub" gleich hinter der Frauenkirche findet es in jedem München-Reiseführer Erwähnung. Nicht ganz so bekannt ist "Ryan's Muddy Boot" in Neuhausen, bislang zumindest. Denn die verwinkelte Kneipe in Neuhausen hat, was heute vielen Irish Pubs, die überall auf der Welt irgendwie gleich aussehen, fehlt: Einen individuellen Stil.

Derber Humor und antike Haushaltsgegenstände

Allerdings sollte man einen Besuch in der Weihnachtszeit und am St. Patricks Day vermeiden - dann verbreitet der Kitschschmuck, den die Guinness-Brauerei kostenlos sponsert, auch in der Schlörstraße hinter der Donnersbergerbrücke Einheitsbrei. Schade eigentlich, denn die detailverliebte Einrichtung des Pubs kann sich durchaus sehen lassen.

Statt den bekannten Irland-Motiven türmen sich an den Wänden des kleinen Lokals verstaubte Bücher mit geheimnisvollen Aufschriften. Die Fenster sind mit buntem Glas verziert, überall stehen antike Haushaltsgegenstände herum - wie etwa das altes Telefon auf der Bar. Aus den Boxen tönen Jukebox-Klassiker von R.E.M. bis Johnny Cash, jeden ersten Sonntag im Monat gibt es Irish Folk Sessions. Die gusseisernen Lampen sorgen mit ihrem gedämpften Licht für eine gemütliche Stimmung. Die Toilettenaufschrift ist gälisch, an der Pinwand auf dem Klo wird derber Humor praktiziert.

Direkt über der Bar baumelt ein überdimensionaler Stiefel - wie schon der Name Ryan's Muddy Boot eine Hommage an Vernon Ryans Kindheit auf dem Bauerhof. Dass der Bauernsohn mit dem wilden Lockenkopf mit seinem Traum vom eigenen Pub schließlich in München gelandet ist, bezeichnet er selbst als "Zufall". Oder auch als Glücksfall, denn in Neuhausen ist sein Lokal inzwischen eine Institution. Vor allem montags, wenn Quizmaster Dave zu irischen Ratespielen lädt, lässt sich die Nachbarschaft nicht zweimal bitten.

Auch das Whiskeyangebot kann sich sehen lassen: 153 verschiedenen Sorten gibt es derzeit. Der teuerste wird in einer kleinen Holzschatulle aufbewahrt und kostet 10,90 Euro pro Glas. Fleißige Kartenleser lernen bei ihrem Besuch außerdem, wo man Whisky sagt und wo Whiskey, was der Unterschied zwischen malt und blended ist und wann man mit Eis bestellt, wann ohne. Ab und an finden im Ryans sogar Degustationsseminare statt.

Bei der Bierauswahl ist der irische Besitzer einen Kompromiss eingegangen: Neben Guinness, Kilkenny und Snakebite mit Cider und Johannisbeere gibt es eine große Auswahl an deutschen Brauerzeugnissen - von Augustiner über Becks bis hin zur Schneider Weißen. Chips, Goulaschsuppe, Pizza und das hausgemachte Chili con Carne sorgen für die richtige Grundlage. Gesündere oder vegetarische Kost sucht man im Ryans allerdings vergeblich, schließlich ist auch ein "irisches Wohnzimmer" im schicken München bloß ein Pub. Und das ist auch gut so.