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Ruhestand:Ein gut bestelltes Haus

Mit Blumen in den Ruhestand: Eva Grundner.

(Foto: Robert Haas)

Diakonie Hasenbergl verabschiedet Leiterin Eva Grundner

Sucht man in München Beispiele für Teamspieler, kommt man an Menschen wie Eva Grundner nicht vorbei. Fast 40 Jahre hat sie für die Diakonie Hasenbergl gearbeitet, hat bei diesem Träger sozialer Arbeit Höhen und Tiefen erlebt, hat aber vor allem an einem stetig wachsenden Beratungs- und Hilfsnetz eifrig mitgeknüpft, beharrlich, mitunter für manchen auch unbequem. Nun, am Ende ihres Berufslebens, ist ihr vor allem wichtig, die Teamleistung ins rechte Licht zu rücken: Nur das Zusammenwirken aller habe dazu beigetragen, dass die Diakonie längst aus dem Hasenbergl herausgewachsen sei, dass der einst von Pfarrer Otto Steiner gegründete Soziale Beratungsdienst zu einem modernen Dienstleister mit mehr als 60 Einrichtungen und 500 Mitarbeitern geworden sei.

Dass sie an diesem Freitag bei einem Festakt in "ihrem" Wichern-Zentrum im Beisein von Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) noch einmal einen großen Bahnhof bekam, ist denn auch nur zwangsläufig. Die Auszeichnung "Great place to work" haben der zum Jahresende ausgeschiedenen Vorstandsfrau die Mitarbeiter schon vergangenes Jahr verschafft. Sie hinterlässt das, was man gemeinhin ein gut bestelltes Haus nennt. Nachfolger Stefan Fröba, auch aus dem eigenen Führungskräfte-Team, kann mit seinem für das Kaufmännische zuständigen Vorstandskollegen Gereon Kugler auf einer exzellenten Basis aufbauen.

Als Eva Grundner 2004 bis 2006 und erneut von 2010 an nach einem nebenberuflichen Zweitstudium als Sozialwirtin die Verantwortung übernahm, stand die Diakonie noch bei 27 Einrichtungen. Dass es nun mehr als doppelt so viele sind, liegt nicht zuletzt am starken Ausbau der Kindertagesstätten. "Ich habe viele Ideen umsetzen können", sagt Grundner. Weniger erfolgreich war sie mit ihrem Vorsatz, der ausufernden Bürokratie ein Stück weit Einhalt gebieten zu können. Anträge, Verwendungsnachweise - das sei immer mehr geworden. Fachlich gab es dafür reichlich Erfolge. Der Ausbau der Frühförderung bei Kindern, die adäquate Reaktionsfähigkeit bei einer möglichen Kindswohlgefährdung, überhaupt die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe waren für die Sozialpädagogin mehr als nur ein Steckenpferd. Gerade das Wichern-Zentrum für benachteiligte Kinder mit seiner Förderschule, der Heilpädagogik und den Beratungsangeboten ist ein Kompetenzzentrum geworden, das in der Fachszene höchste Wertschätzung genießt.

Die 65-Jährige will sich nun ganz aufs Private konzentrieren. Drei Wochen nach dem letzten Arbeitstag, sagt Eva Grundner, fühle sich alles noch an "wie ein Urlaub".

© SZ vom 25.01.2020
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