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Rockavaria:Rockmusik als Gegenkultur

Beginn des Festivals 'Rockavaria'

Der Bassist Marco Hietala (l) und die Sängerin Floor Jansen (2.v.l.) von der Band 'Nightwish' treten am 27.05.2016 in München (Bayern) beim Musikfestival 'Rockavaria' auf.

(Foto: dpa)

Am ersten Tag des Rockavaria-Festivals spielen Nightwish, In Extremo und Dog Eat Dog. Auch vor der großen Seebühne fällt die Zuschauermenge gigantisch aus.

Nachdem das ursprünglich nur als Ergänzung zu den Konzerten im Stadion und in der Olympiahalle gedachte Programm im Theatron schon letztes Jahr beim Publikum besser ankam, als die Veranstalter es erwartet hatten, reagierten diese nun mit einer neuen größeren Seebühne im Olympiasee, die neben dem Theatron vor den Wiesenterrassen verankert ist.

Keine limitierte Zuschauerzahl, für die das Theatron ausgerichtet ist, grenzt hier Interessierte aus, und kein im Theatron geltendes Steh- und Tanzverbot verhindert nun die Party. Und weil auch das Wetter am ersten Spieltag der zweiten Rockavaria angenehm sommerlich ausfällt, wachsen die Konzerte auf der in Relation zu den Auftritten im Stadion deutlich kleineren Seebühne regelrecht zu einem gelungenen Parallelfestival aus.

Als schließlich die 1990er Crossover-Band Dog Eat Dog die Seebühne rockt, fällt die Zuschauermenge vor der Bühne so gigantisch aus, dass der Sänger sich die Frage erlaubt, ob überhaupt noch wer im Stadion beim gleichzeitigen Nightwish-Konzert sei. Tatsächlich ist auch dort der Innenraum rappelvoll und selbst auf den dortigen Tribünenplätzen lauschen nun mehr Zuschauer als am frühen Abend dem von Soundtracks inspirierten sinfonischen Rock der finnischen Band Nightwish, die den pathetischen Bombast ihrer Musik immer wieder mit fordernden, zum Teil sogar dissonanten Klangspielen zu brechen weiß.

Beginn des Festivals 'Rockavaria'

Besucher sitzen in der Wiese vor der Seebühne.

(Foto: dpa)

Rockmusik wird in ihren unterschiedlichen Facetten präsentiert

Parallel dazu erfährt Dog Eat Dog aus New Jersey auf der Seebühne eine Gesangsverstärkung durch den Sänger der Rheinland-Pfälzer Groovecore Band Highfly. "No Fronts" singt er zusammen mit dem Dog-Eat-Dog-Sänger John Connor, nachdem der Saxofonist und Gitarrist sich bereits ein großartiges Duell geliefert hatten, der Bassist als Filmboxer Rocky brillierte und der Drummer gar den Rap-Part von RZA in der 1996er Co-Produktion von Dog Eat Dog mit Wu Tang Clan übernahm.

Doch so vielseitig ihr Sound auch ausfällt, selbst Reggae-Einflüsse dürfen sich bei Dog Eat Dog entfalten, so sehr bleibt auch dieser dem Thema Rock verhaftet, das das Festival Rockavaria konsequenter als andere Festivals fasst. Wo in anderen Festivals solcher Größenordnung auch mal Hip-Hop-Acts oder Popbands das Programm bereichern, konzentriert sich Rockavaria auf die Rockmusik, die dann allerdings in ihren unterschiedlichen Facetten präsentiert wird.

Da darf der von Powerwolf zum Mitsingen animierte Zuschauer auch mal klingen wie der sprechende Hund in einem Loriot-Sketch: hohoho, singt er dann also. Oder die Gitarristen und der Bassist von Suicidal Tendencies rennen wild durcheinander, während der Sänger dem Publikum zu vermitteln versucht, dass jeder einzelne darin seinen eigenen Weg gehen soll.

Sozialkritisch äußert sich auch Dust Bolt mit einem neuen Song, der eine angeblich in vielen Städten zunehmende Wandlung von Kulturzentren in Bürokomplexen kritisiert. Vor allem aber sprechen sich die Rockbands auffallend häufig gegen Fremdenfeindlichkeiten und Rassismus aus. Als wollte die Rockmusik als Gegenkultur auch hier eine Alternative zu den scheinbar gesellschaftlich wachsenden Nationalismen schaffen.

© SZ.de/mkro

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