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"Rheingold"-Premiere in München:Wagners wundersame Wiederentdeckung

Auftakt zum neuen "Ring": Mit gewaltigen Bilder und halbnackten Leibern inszeniert Andreas Kriegenburg in München Wagners Oper "Rheingold". Manchmal meint man sogar, Schwefel zu riechen.

Oliver Das Gupta

Am Ende des Abends steht der Weltenbrand. Frierend und verblüfft registrieren die Menschen am Samstagabend im Theater am Münchner Max-Joseph-Platz die Gluten, die über die Fassade des Nationaltheaters flackern - eine effektvolle wie lautstarke Projektion, die das Unheil der "Götterdämmerung" vorwegnimmt.

'Das Rheingold' in der Bayerischen Staatsoper München

Dutzende nahezu nackte Leiber stellen den wogenden Rhein dar: Andreas Kriegenburgs bejubelte Rheingold-Inszenierung in München

(Foto: dpa)

Mit der Premiere von Das Rheingold beginnt die Bayerische Staatsoper ihre Neuinszenierung von Richard Wagners Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" - sein "Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend". Die Erwartungen sind groß, schließlich sind zehn Jahre seit dem letzten Münchner "Ring" vergangen, der nicht so recht beim Publikum ankam: Der Regisseur Herbert Wernicke starb während der Produktion; was Hans-Peter Lehmann und David Alden inszenierten, erwärmte weder Publikum noch Kritiker.

Die Fallhöhe für Regisseur Andreas Kriegenburg ist beim Rheingold also immens. Doch an dem Abend fällt nichts, abgesehen von einer lockeren Platte der Bühnenverschalung und dem Riesen Fasold, der von seinem Bruder Fafner getötet wird. Kriegenburg schafft gewaltige Bilder, mit reduzierten Mitteln, mit Hilfe von Farben - und Körpern: Dutzende nahezu nackte Leiber stellen mal den wogenden Rhein dar, mal die Zinnen von Walhall, sie umfloren Erda. Es sind Szenen, wie sie Spencer Tunick fotografiert: bizarr, gewaltig, faszinierend.

Die Unterwelt von Nibelheim, in das Götterhäuptling Wotan hinabsteigt, wirkt wie ein höllischer Mix aus Stahlwerk und Folterkammer - fast meint man, Schwefel zu riechen. Kriegenburg erfindet Wagners Götterwelt wundersam neu. Schlüssig erklärt er, wie die die Übermenschen menschlichen Abgründen anheimfallen. Wie sie sich in einem Gemenge aus Gier und Neid, Lust und Liebe, Verrat und Mord verheddern und damit den eigenen Untergang vorbereiten.

Verzweifelte Geilheit und Gier

Aus dem soliden Sängerensemble ragen zwei Boshafte an diesem Abend besonders hervor, was neben der Sanges- auch an der schauspielerischen Leistung liegt: Stefan Margita als halbseidender Loge, der herrlich hinterhältig seine Intrigen spinnt - ein Dandy mit Dolch im Spazierstock.

Dazu der Augsburger Johannes Martin Kränzle, der den schmierigen Zwerg Alberich in seiner verzweifelten Geilheit und Gier bestens darstellt. Zum Dank erhalten Kränzle und Margita größten Applaus, ebenso wie Generalmusikdirektor Kent Nagano, der das Bayerische Staatsorchester wunderschön erklingen lässt.

Das Regieteam um Andreas Kriegenburg darf sich ebenso über großen Jubel freuen, wobei sich auch einige Buhs bemerkbar machen. Aber auch Letztere dürften viel darum geben, eine Karte für den 11. März zu bekommen: Dann feiert Kriegenburgs Walküre Premiere.

Lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung vom 6. 2. eine ausführliche Kritik zur Premiere von Das Rheingold.

© Süddeutsche.de/tob
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