Restaurant Huckebein Mehr Jus, weniger Pfanne

Das Restaurant Huckebein versteht sich auf solide und deftige Klassiker. Hier Kalbsrücken mit Spargel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Huckebein in der Maxvorstadt versteht sich auf solide Klassiker. Hier sitzt man entspannt und wird gut umsorgt. Ein Lob verdienen die Nachspeisen, bei den anderen Gängen gibt es noch Wünsche an die Küche.

Von Kurt Kuma

Die Treppe runter, sagte der freundliche Wirt, und die blaue Tür nehmen. Was er nicht sagte: Man muss erst an der gelben, orangefarbenen, grünen, roten, violetten und weiteren Türen vorbei, auch an einer offenen Tür, die (aus Sicherheitsgründen?) direkt in eine Parkgarage führt. Völlig übertürt, dieses Untergeschoss, und dazu der Abgasdunst. Den Zweck der Erfrischung erfüllen die Waschräume im Souterrain des "Huckebein" leider nur zum Teil.

Aber was soll's. Erfrischung sucht man sowieso lieber oben im völlig neu gestalteten Gastraum, wo ehemals die "Terrine" ihre zeitweise Michelin-Stern-gekrönten Gerichte servierte. Die biedere, sperrige Ausstattung aus Terrine-Zeiten ist hinweggefegt. Das Huckebein wirkt luftiger, bunter, modern und stilvoll. In Bistromanier sind kleine Tische entlang einer durchgehenden Bank aufgereiht. Trotz der überschaubaren Fläche entsteht ein angenehmes Gefühl von Freiraum. Zudem lässt sich die Verglasung nach außen öffnen, wo die Gäste an weiteren Tischen in einem Hof der Amalienpassage Platz nehmen können.

Luftig und modern: Betreiber Markus Schaegger (re.) und Koch Jan Rubbenstroth in ihrem Lokal Huckebein.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Pastis oder ein Holunder-Spritz (die gelungene Alternative zum lächerlichen Modegetränk namens Hugo) an einem lauen Sommerabend rückt den Arbeitstag schnell in weite Ferne. Die Speisekarte macht wenig Mühe, vier Vorspeisen, drei Hauptgänge und entsprechend viel Hoffnung auf einen detailverliebten Koch. Eine Hoffnung, die wir allerdings nicht durchwegs erfüllt fanden. Doch zunächst zu den Freuden: frittierte Aquadelle zum Beispiel, streichholzkleine Fischchen, die in Italien auch Mangiatutto heißen, weil man sie ganz isst, mit Haut und Flossen. Auf nussig angemachtem Spinatsalat eine Delikatesse, der man in München nicht so häufig begegnet. Auch das Saiblings-Tatar in einer erfrischenden Kaltschale mit Kräuternuancen machte Lust auf mehr. Belebend wirkte auch ein wunderbarer Weißwein, den uns der Wirt Markus Schaegger, gelernter Sommelier, ans Herz gelegt und ins Glas geschenkt hatte: Ein aus sieben verschiedenen Rebsorten gekelterter Wein vom Wiener Nussberg. Eine Granate. Selten kriegt man 13,5 Prozent mit so viel Volumen.

Zwei (oder waren es drei?) Scampischwänze in der Pfanne gewendet mit ein bisschen Pfifferling und Grün als Vorspeise für 13,50 Euro konnten wir hingegen weder kulinarisch noch preislich zum Schnäppchen des Monats erklären. Auch eine Foie gras enttäuschte. Die zwei gebratenen Schnittchen von der Gänsestopfleber mit einem Haufen Portwein-Kirschen (15,50 Euro) reichten bei weitem nicht an das heran, was vier Stunden westlich von München unter Foie gras verstanden wird. Zu trocken und lieblos in Butter geschwenkt kam uns auch eine als Zwischengang vermarktete Portion Ravioli mit Ochsenschwanz vor (14,50).

KOSTPROBE | Restaurant Huckebein

Qualität: ●●●●●●●○○○

Service: ●●●●●●●●○○

Ambiente: ●●●●●●●●○○

Amalienstraße 89

Telefon: 089 - 54 80 46 79

www.huckebein.com

Öffnungszeiten

Mo.- Fr. 12.00 bis 14.30 Uhr und 18.00 bis 22.30 Uhr

Sa. 18.00 bis 22.30 Uhr

Die Hauptspeisen präsentierten sich dagegen solide und deftig. Ein stattliches Kotelett des ungarischen Mangalitza-Schweins überzeugte mit hellem und, dank des Knochens, dennoch geschmackvollem Fleisch. Ebenso drei Stücke rosa gegartes Lammkarree sowie eine Maispoularde (20 bis 25). Das unauffällige Beiwerk wirkte ein wenig wie aus Omas Repertoire, zarter Kartoffelbrei zum Beispiel. Facettenreiche, gar überraschende Beilagen erlebten wir nicht, was leider auch für die Saucen galt.

Mehr Spaß machte ein weiterer Exkurs mit dem Sommelier/Wirt. "Ach nee, überteuert", kommentierte er unsere Wahl eines österreichischen Rotweins und führte seine Gäste auf eine paneuropäische Tour d'Horizon über Cahors in die Toskana, um dann einen Ribera del Duero aus dem Jahr 1995 hervorzuzaubern, der vom ersten Schluck an den Eindruck erzeugte, gleich werde sich noch Ferdinand von Kastilien an den Tisch gesellen und das Mangalitza-Schwein mit uns teilen. Leider erwies sich später auch der Preis als königlich.

Man wird umsorgt und trinkt hervorragend

Ein heftiges Lob sei noch den Nachspeisen mitgegeben (6,50 bis 8,50). Die Crème brûlée erfüllte alle Kriterien, noch spannender war ein lauwarmer Gateau au Chocolat, ein Schokoladenkuchen mit marinierten Erdbeeren, der die Leichtigkeit eines Soufflés mit der Intensität einer Praline vereinte. Betören ließen wir uns auch vom Erdbeersorbet mit Crémant und Waldmeistergeschmack - eine gelungene Sommerüberraschung.

Weil man im Huckebein so angenehm entspannt und umsorgt sitzt und dabei hervorragend trinkt, waren wir geneigt, vom Essen mehr zu erwarten. Die Freuden des Kostens erreichten aber nicht ganz die des Verkostens. Sollten Wünsche an die Küche frei sein, so wären das: mehr Raffinesse, mehr Kombinationslust, mehr Jus, weniger Pfanne. Erwähnt seien noch die rekordverdächtigen 7,50 Euro für eine Flasche Sprudelwasser. Schon klar, das ist in München inzwischen Standard, aber auch ein Irrsinn, der doch irgendwann kollektive Revoluzzergefühle bei Münchner Restaurantbesuchern auslösen müsste. Aber dann will man sich den lauen Sommerabend mit Aquadelle und Sieben-Reben-Wein doch wieder nicht verderben.