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Raphaela Gromes:Klänge voller Energie

Raphaela Gromes

Beherrscht ihr Instrument auf hohem Niveau und hat musikalisch viel zu sagen: Cellistin Raphaela Gromes.

(Foto: Sammy Hart)

Die junge Münchnerin wagt sich auf ihrem neuen Album an ein Kernwerk der Celloliteratur: dem a-Moll-Konzert von Robert Schumann. Eine beeindruckende Aufnahme mit nur leichten Schwächen.

Von Harald Eggebrecht

Für den alten Spruch "der Ton macht die Musik" bietet die junge Münchner Cellistin Raphaela Gromes eines der derzeit besten Beispiele. Sie besticht nicht nur mit energiegeladenem Ton, sondern auch durch Neugier und Entdeckerfreude. Dazu kommen Klangfarbensinn, Lust an rhythmischem Witz, Leichthändigkeit und eleganter Schwung. Jedenfalls gehört sie nicht zu jenen im ersten Moment verblüffenden Jungstars, die ihr Instrument beachtlich sportiv beherrschen, alles vom Barock bis heute anstandslos spielen können, aber musikalisch so gut wie nichts zu sagen haben.

Nach ihren Abenteuern mit Gioachino Rossini und Jacques Offenbach und der Weltersteinspielung der bis dahin unbekannten Frühfassung von Richard Strauss' Cellosonate hat sie sich auf der neuen CD einem Kernwerk der Celloliteratur gestellt, dem a-Moll-Konzert von Robert Schumann. Dazu eine interessante Programmmixtur: Julius Klengels 3. Cellokonzert von 1892, wieder eine Weltersteinspielung, die Romanze für Cello und Orchester des jungen Strauss, dazu Zugabestücke von Robert und Clara Schumann und der 5. Ungarische Tanz von Johannes Brahms.

Klengel war einer der wichtigen Cellisten um 1900, ein großer Lehrer unter anderem für Emanuel Feuermann und Gregor Piatigorsky. Sein Konzert entspricht spätromantischer Virtuosenmusik: technische Bravour und Kantilenenidylle über drei Sätze verteilt, in denen manches nach Brahms oder Dvořák mitklingt. Das legt Gromes mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Nicholas Carter souverän und geschmackssicher hin. Der junge Strauss liegt ihr sowieso, die "Gusto-Stückerln" blitzen. Beim Schumann-Konzert ist allerdings noch eine leichte Befangenheit zu spüren. Die herben Ausdrucksdimensionen dieses genial vertrackten Stückes verlangen der Musikerin entschieden mehr ab an großformatigem Mut, Zugriffsentschlossenheit und weit gefasster Perspektive als Klengel oder Strauss. Auch eine so große Begabung wie Raphaela Gromes kann da nichts aus dem Ärmel schütteln. Insgesamt jedoch dennoch beeindruckend.

Cellokonzerte von Schumann, Klengel, Strauss, Raphaela Gromes (Cello), Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Ltg.: Nicholas Carter, (Sony)

© SZ vom 26.11.2020
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