Ramersdorf Ja, aber

Heimat auf Zeit: Egal ob es nächstes Jahr Stadtstrand oder Kulturstrand heißt - die Veranstaltung am Vater-Rhein-Brunnen muss 2020 woanders stattfinden. Neben der Corneliusbrücke ist dafür der Ostpark im Gespräch.

(Foto: Catherina Hess)

Bei der Suche nach einem neuen Standort für den "Kulturstrand" ist die Stadt im Ostpark fündig geworden, doch im Viertel hat man dazu sehr viele Fragen

Von Hubert Grundner, Ramersdorf

Der sogenannte Kulturstrand teilt mit einem Wanderzirkus einige Gemeinsamkeiten: Beide werden nicht auf Dauer sesshaft an einem Ort. Und beide rufen vergleichbare Reaktionen bei den Bürgern hervor, sobald ihr Erscheinen angekündigt wird: Die einen freuen sich auf die Vorführungen, die anderen würden am liebsten gleich die Jalousien ihrer Wohnung herunterlassen. Ähnlich ging es in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) 16 Ramersdorf-Perlach zu. Die Lokalpolitiker sollten der Verwaltung mitteilen, "ob aus ihrer Sicht einer Strandveranstaltung im Ostpark etwas entgegensteht". Hintergrund für die geforderte Stellungnahme: Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) sucht nach eigenen Angaben derzeit im Auftrag des Stadtrats nach Standorten für jeweils eine dreimonatige Strandveranstaltung von 2020 an. Antwort des BA 16: Man sei einem solchen Event nicht grundsätzlich abgeneigt, sondern im Gegenteil offen dafür. Vor einer abschließenden Stellungnahme benötige das Gremium aber noch viel mehr detaillierte Auskünfte. Um die hat man nun gebeten.

Von 2017 bis 2019 fand beziehungsweises findet der Kulturstrand am Vater-Rhein-Brunnen statt. Noch bis 10. August bekommen die Besucher dort Party, Kunst, Musik und coole Drinks serviert. "Der Vater-Rhein-Brunnen wird allerdings im Jahr 2020 und voraussichtlich 2021 wegen der Sanierung der Ludwigsbrücke nicht mehr für eine Strandveranstaltung zur Verfügung stehen", erklärt das KVR in seinem Schreiben an den Bezirksausschuss. In der Folge habe man bei den Fachdienststellen im Januar dieses Jahres für verschiedene Örtlichkeiten abgefragt, ob diese dafür geeignet wären. Und offenbar haben die KVR-Mitarbeiter auch schon eine engere Wahl getroffen. Denn im Schreiben an den BA heißt es weiter: "Bislang hat unsere Suche ergeben, dass es auf die Standorte Corneliusbrücke und Ostpark hinauslaufen wird." Allerdings wird auch diese Aussage noch einmal relativiert. Die Corneliusbrücke werde wegen der Errichtung des König-Ludwig-Denkmals voraussichtlich nur im Jahr 2020 für den Kulturstrand zur Verfügung stehen, teilte die Behörde mit.

In der Diskussion äußerten sich Vertreter von SPD, Grünen und CSU im Prinzip ähnlich: Solange noch so viele Fragen zur Veranstaltung unbeantwortet seien, könne man auch keine fundierte Stellungnahme dazu abgeben. Denn bislang hat das KVR als "Unterlagen" offenbar nur ein Luftbild vorgelegt, auf dem jeweils ein rotes Kreuz neben dem Theatron und dem Ostparksee eingezeichnet sind.

Das wiederum bemängelten die Lokalpolitiker bereits im dafür zuständigen Unterausschuss Allgemeines, öffentliche Ordnung und Grundsatzfragen massiv. Unter anderem vermissten sie Angaben zur Größe und Lage der für den Kulturstrand benötigten Fläche, die Zahl der erwarteten Zuschauer, die genauen Termine der Veranstaltungen, Art und Dauer von Musikdarbietungen, das Parkplatzangebot, das Gastronomiekonzept, Angaben zu Strom- und Wasserversorgung beziehungsweise zur Abwasser- und Müllentsorgung.

Vorab legte sich der BA bereits darauf fest, dass der Kulturstrand im Bereich des Theatrons, einschließlich Sportflächen und angrenzender Wiesen, nicht stattfinden könne. Dieses Gebiet werde für Veranstaltungen der örtlichen und benachbarten Vereine und Initiativen benötigt. Deshalb verbiete es sich, den beschriebenen Bereich im Sommer und auf Jahre hinaus für jeweils drei Monate an Dritte zu vergeben: "Eine Blankozusage für drei Jahre, ohne die Möglichkeit des Widerrufes, kann es nicht geben. Vorstellbar ist zunächst ein Jahr mit der Möglichkeit, die Veranstaltung nach 30 Tagen zu beenden, wenn sich herausstellt, dass sie sich nicht in das Umfeld einfügt und Anwohnerproteste bei den Bezirksausschüssen oder dem Kreisverwaltungsreferat eingehen", merkten die Mitglieder des Unterausschusses zum Vorstoß des KVR an.

Abgesehen davon, dass also noch eklatanter Informationsbedarf bestehe, standen dem Kulturstrand an sich die meisten Redner positiv gegenüber. Ähnlich wie Christian Smolka (Grüne), der sich davon "eine Chance für unseren Stadtteil" erhoffte, sprachen Simon Soukup und Thomas Kauer (beide CSU) von eine "möglichen Belebung des Ostparks". Einzig Werner Ruf (CSU) machte keinen Hehl aus seiner Ablehnung, sollte das KVR den Fragenkatalog nicht zufriedenstellend beantworten: Er fühle sich bei seiner Entscheidung für oder gegen den Kulturstrand nur den Interessen der Menschen im Stadtbezirk verpflichtet - "und nicht der Halligalli-Gesellschaft Münchens".