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Ramersdorf:Aktiv gegen Armut

Eine Wanderausstellung des regionalen Netzwerks "Regsam" widmet sich direkter Hilfe aus dem Stadtbezirk heraus

Armut bedeutet nicht nur, sich kaum etwas zu essen oder dringend benötigte Kleidung leisten zu können. Armut heißt oft auch Einsamkeit. Das hat der Aktionstag "Aktiv gegen Armut" des regionalen Netzwerks für soziale Arbeit "Regsam" im Oktober vergangenen Jahres deutlich gemacht. An einem Informationsstand suchten fünf Ramersdorfer Einrichtungen das Gespräch mit Bewohnern, deren Geld kaum zum Leben reicht. In einer einfachen Papierschachtel sammelten sie Kärtchen mit Ideen, wie armen Menschen im Viertel geholfen werden kann. Das Ergebnis sind zahlreiche Vorschläge, die neun unterschiedliche Themenfelder betreffen. Diese stellt "Regsam" nun in der Wanderausstellung "Ramersdorf gegen Armut" vor.

Von mehr Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten über günstigere Medikamente bis zu mehr Informationen über bestehende Angebote wird dabei alles gefordert. Ein Satz auf einer der Karten fällt jedoch besonders auf: "Armut ist für mich auch Einsamkeit." Darauf möchte sich die Einrichtung nun konzentrieren.

"Wir wollen den Fokus auf das Aufeinanderachten legen", sagt Sophia Horsch von "Regsam". Ihr und den Kollegen gehe es vor allem darum, Ideen vorzustellen, die von den Bürgern selbst umgesetzt werden können. "Es gibt auch Projekte, die bereits laufen", sagt Horsch. Dinge untereinander zu tauschen, zu teilen und sich gegenseitig bei Reparaturen zu helfen ist eine weitere Idee gewesen. Aus dem Aktionstag heraus entstanden sind laut Horsch bereits zwei Foodsharing-Stationen. Dort werden Lebensmittel verteilt, die ansonsten im Müll landen würden.

Obwohl es vor allem um Ideen wie diese gehen soll, haben auch politische Themen in die Ausstellung gefunden. Gefordert wird zum Beispiel, dass die Isarcard für den öffentlichen Personennahverkehr bereits vor neun Uhr benutzt werden kann.

Auch mehr Räumlichkeiten für Treffen untereinander wünschen sich die Ideengeber. Forderungen wie diese seien zwar wichtig, grundsätzlich geht es bei der Ausstellung für Sophia Horsch aber nicht nur darum, Ideen vorzustellen, die an die Politiker weitergegeben werden sollen. Es geht auch um die ganz kleinen Dinge im Alltag. Musikunterricht, untereinander Bücher tauschen und ein Repair-Café: "Ideen wie diese sollen die Leute inspirieren, noch weitere Vorschläge in ihrem Nachbarschaftstreff anzusprechen."

Eröffnet wird die Wanderausstellung am Mittwoch, 29. Mai, um 18 Uhr im Nachbarschaftstreff Ramersdorf Süd, Balanstraße 111. Sie zeigt unter anderem Menschen und ihre prekären Lebenssituationen, und die Ideen, Vorschläge und Einfälle der Bürgerinnen und Bürger zur Frage "Was können wir hier in Ramersdorf gegen Armut tun?". Geöffnet ist sie danach am Montag, 3. Juni, von 14 bis 16 Uhr, am Dienstag, 4. und 11. Juni, jeweils von 12.30 bis 15 Uhr, am Mittwoch, 5. und 12. Juni, jeweils von 16 bis 19 Uhr, und am Donnerstag, 6. und 13. Juni, jeweils von 15 bis 17 Uhr.

Danach zieht die Wanderausstellung weiter zum Nachbarschaftstreff Langbürgener Straße, Langbürgener Straße 3, wo sie von 24. Juni bis 5. Juli zu sehen ist, und zum Verein AKA für interkulturellen Austausch, Bad-Schachener-Straße 2 a (1. bis 15. Oktober). Informationen gibt es unter www.regsam.net/projekt-ramersdorf-perlach.html.