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Prozess:Mutmaßlicher Islamist wollte angeblich nur Flüchtlingen helfen

Prozess wegen geplanter Reise ins Terrorcamp

Samir A. aus Neuperlach ist bereits wegen diverser Gewaltdelikte vorbestraft.

(Foto: dpa)

Das behauptet seine Mutter vor Gericht. Dass ihr Sohn die Scharia etablieren wollte, bestreitet sie nicht.

Der mutmaßliche Islamist Samir A. aus Neuperlach lehnt angeblich jegliche Form von Gewalt ab. Dies erklärte die Mutter des 27-Jährigen, die am zweiten Verhandlungstag in dem Prozess gegen ihren Sohn vor der Staatsschutzkammer am Landgericht München I aussagte. A. ist allerdings bereits wegen diverser Gewaltdelikte vorbestraft.

Die Staatsanwaltschaft wirft Samir A., der vor seiner Festnahme im Herbst vergangenen Jahres von Hartz IV lebte, vor, er habe nach Syrien ausreisen wollen, um sich dort der Al-Nusra-Front im Kampf gegen das Assad-Regime anzuschließen. Den Ermittlungen zufolge ist A. Anhänger einer "extremistisch-islamischen Ideologie".

Auch am zweiten Prozesstag machte er keinerlei Angaben. Seine Mutter, die laut Strafprozessordnung nicht hätte aussagen müssen, gab an, ihr Sohn habe in die Türkei reisen wollen, um dort eine "Koranschule" zu besuchen. Außerdem habe er den syrischen Flüchtlingen in der Türkei helfen wollen. Im Gepäck des 27-Jährigen hatten die Ermittler bei dessen Festnahme am Münchner Flughafen militärisch aussehende Outdoor-Kleidung gefunden.

Samir A. soll erst nach dem Tod seines Vaters begonnen haben, sich für den Islam zu interessieren, sagte seine Mutter. Von einer Radikalisierung ihres Sohnes will die 44-Jährige nichts bemerkt haben, wie sie in ihrer Vernehmung beteuerte. In einem mitgehörten Telefongespräch A.s hatte dieser laut den Ermittlungen gesagt, dass alles getan werden müsse, um die Scharia, das religiöse Gesetz des Islam, zu etablieren. Dies stritt A.s Mutter nicht ab. Doch versicherte sie, dass ihr Sohn dieses Ziel nicht mit Gewalt erreichen wolle.

Samir A. soll in München regelmäßig den sogenannten "Neuperlacher-Gebetskreis" besucht haben. Auch dessen Vorsteher bestätigte, dass A. in der Türkei in eine Koranschule habe gehen wollen. Dies sei dort, wie in jedem anderen muslimisch geprägten Land auch, jederzeit möglich. Um Unterbringung und Verpflegung brauche man sich nicht zu kümmern. "Koranschulen nehmen gerne Männer auf, wenn sie wissen, die kommen aus Germany", so der Zeuge. Der Prozess dauert an.

© SZ vom 18.05.2016 / sal/imei

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