Gerichtsverhandlung Hochstapler will ein Bekannter von Merkel und Trump sein

  • Der 35-jährige Goran S. brachte Menschen in München und Leipzig um ihr Erspartes.
  • Binnen eines Jahres soll der Hochstapler mit Lügen mehr als 100 000 Euro ergaunert haben.
  • Auch vor Gericht versucht er, weiterhin Märchen zu erzählen.
Aus dem Gericht von Susi Wimmer

Betrüger, so sagte einmal ein psychiatrischer Gutachter bei Gericht, entwickeln eine enorme Kreativität und Fantasie, um ihre Opfer auszunehmen - und um selbst an ihre Lügengeschichten zu glauben. So gesehen sprüht Goran S. nur so vor Ideen. Der 35-Jährige gab sich als Bekannter von Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump aus, als "zweitreichster Mensch der Welt und Trillionär" fuhr er nur im Taxi vor, brachte eine Münchner Angestellte um ihr Erspartes, nahm sogar seinen Personal-Fitness-Trainer aus und half mit, eine pensionierte Lehrerin übers Ohr zu hauen. Binnen eines Jahres soll er über 100 000 Euro ergaunert haben. Als der Mann vor dem Landgericht München I beginnt, sich als Opfer darzustellen, fällt ihm Richter Frank Zimmer gleich ins Wort: "Ich habe keine Lust, mir stundenlang Märchen anzuhören."

Zuerst allerdings müssen sich alle Beteiligten die fast einstündige Verlesung der Anklageschrift anhören, an deren Ende Staatsanwältin Stefanie Eckert nahezu heiser ist. 90 Taten hat sie aufgelistet, die Goran S. teilweise mit einer Komplizin begangen haben soll. Und gleich zu Beginn macht Richter Zimmer eine Rechnung auf: Die Komplizin, Isabel da R., sei wegen 13 Betrugsfällen bereits zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. "Bei Ihnen haben wir 90 Fälle. Und jede Tat ist mit einer Strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren angesetzt", erklärt Zimmer. Strafmildernd könne sich nur ein Geständnis und eine Schadenswiedergutmachung auswirken.

Vor Gericht in München "Die kriechen einem in die Seele"
Love-Scamming

"Die kriechen einem in die Seele"

Eine Rentnerin erzählt vor Gericht, wie mutmaßliche Liebesschwindler sie dazu brachten, fast 400 000 Euro zu zahlen. Sie sei fast süchtig nach deren Nachrichten geworden.   Aus dem Gericht von Andreas Salch

Oft ist es Geldgier, die Aussicht auf große Gewinne, die Menschen in die Hände von Betrügern treibt. Bei Theresa L. (Name geändert) dürfte es die Sehnsucht nach Zuwendung gewesen sein. Die zierliche Frau im blauen Hosenanzug war Realschullehrerin in München, ist heute 76 Jahre alt, und sagt über die Komplizin von Goran S.:"Ich mochte sie, emotional, wir hatten ein herzliches Verhältnis." Die Münchnerin hatte Isabel da R. im Donisl am Marienplatz kennengelernt. "Alle Plätze waren voll, neben mir war was frei, sie lud mich ein."

Fortan kam Isabel da R. jeden Tag zu Besuch. Bald folgten die Lügengeschichten: Dass Isabel da R. nicht an ihr Bankkonto in Amsterdam komme und ihre Miete nicht bezahlen könne, dann benötigte sie Geld für Flüge und Hotel in Amsterdam. Per Whatsapp chattete Isabel da R. mit Goran S. und man ersann immer neue Möglichkeiten, wie man "die Granny" ausnehmen konnte. Am Ende waren es über 36 000 Euro. Und das, obwohl im Umfeld der pensionierten Lehrerin Verwandte, Bekannte und sogar Bankangestellte die 76-Jährige warnten. Isabel da R. sitzt mittlerweile im Gefängnis und schreibt ihrem Opfer: "Besuch mich doch mal, ich kenn ja sonst niemanden."

"Ich habe sie geliebt, wir haben über unsere Verhältnisse gelebt"

Staatsanwältin Stefanie Eckert vermutet, dass Isabel da R. von Goran S. abhängig war und ihm den Großteil der Beute überließ. Gemeinsam übernachteten die beiden auch in Münchner Hotels, wo sie generell die Rechnung schuldig blieben. Goran S. lernte zudem eine Kellnerin kennen, die in einem Fitnessstudio aushalf. Ihr erzählte er das Märchen vom Trillionär und Trump, bot ihr einen lukrativen Job an und wohnte bei ihr. Erneut gaukelte er Notsituationen vor, die Frau vertraute ihm sogar ihre EC-Karte an, und am Ende war ihr Erspartes in Höhe von 20 000 Euro weg. "Ich habe sie geliebt, wir haben über unsere Verhältnisse gelebt", behauptet Goran S. Richter Zimmer hält ihm vor, dass er die Frau bedroht habe, sie sich am Ende nicht mehr in ihre Wohnung traute.

Zeitgleich soll sich Goran S. in einem Schwabinger Fitnessstudio als Millionär und Hotelbesitzer ausgegeben haben, der als Reicher in der Masse mitschwimmen wolle und sich soeben zwei Bugattis gekauft hätte. Seinem Personal Trainer soll er mit Lügenmärchen über 16 000 Euro abgenommen haben, der schloss sogar noch vier Handyverträge für den Betrüger ab. In einem Design-Einrichtungsladen soll Goran S. den "Millionär und Goldminenbesitzer" gemimt haben, dessen Online-Überweisung von zwei Millionen von einem Konto auf das andere ins Stocken geraten sei. Die Inhaberin des Geschäfts lieh dem "Millionär" daraufhin fast 5000 Euro.

Wie lange Goran S. für die insgesamt 90 Taten in München und Leipzig in Haft geht, wird das Gericht an vier Verhandlungstagen zu prüfen haben. Derweil sitzt Goran S. in Untersuchungshaft. Zurzeit darf er nicht arbeiten, weil er im Knast beim Drogendealen erwischt wurde. Nein, erklärt er dazu dem Richter, das sei alles ganz anders gewesen.