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Protest gegen Felle:"Pelz-Polizei" will in München auf Streife gehen

pelz polizei

Wegen ihrer "Uniformen" haben die Tierschützer Probleme mit der Polizei bekommen.

(Foto: Michael Koerner)
  • Pelzträgern erklären, was sie am Leib tragen: Das ist das Ziel von Tierschützern, die durch die Münchner Innenstadt ziehen wollen.
  • Die Aktivisten haben selbst Ärger mit der Polizei - wegen der schwarz-blauen Uniformen, die sie tragen.
  • Die Polizei will die Aktion der Tierschützer genau beobachten.

Von Thomas Schmidt

Sie nennen sich Ermittler der Pelz-Polizei und wollen an diesem Freitag in der Münchner Innenstadt "auf Streife" gehen. Aktivisten des Deutschen Tierschutzbüros in Berlin haben angekündigt, verkleidet durch die Einkaufsstraßen zu ziehen und Pelzträger darüber aufzuklären, was sie am Leib tragen. Den Passanten wolle man dabei helfen, Echtpelz von Kunstpelz zu unterscheiden, und man werde sie bei der Gelegenheit "über das unsägliche Tierleid hinter dem Produkt aufklären".

In einigen anderen Städten waren die Tierschützer bereits auf Streife, nicht immer zur Freude der "echten" Polizei. So hat das Präsidium in Bielefeld ein Strafverfahren eingeleitet, weil "die Bekleidung der Tierschützer uniformartig erschien und der geschützte Begriff ,Polizei' verwendet wurde", berichtet die Neue Westfälische. In Hamburg stoppten Beamte die Aktivisten und verlangten, dass sie ihre Jacken ausziehen, meldet die Hamburger Morgenpost.

Inzwischen haben die Tierschützer auf den Ärger reagiert: In München werde auf den Jacken nicht mehr "Polizei" stehen, sondern "Ermittler", teilt der Verein auf Anfrage mit. Entsprechend wurde die Aktion auch bei der Stadt angemeldet, bestätigt die Münchner Polizei. "Wir werden auf jeden Fall ein Auge darauf haben", kündigt deren Sprecher Werner Kraus an.

Eine andere Tierschutz-Organisation warnt derweil vor Etikettenschwindel bei Pelzprodukten und hat das Kreisverwaltungsreferat (KVR) zu Kontrollen aufgefordert. Recherchen der "Fur Free Alliance" hätten ergeben, dass bundesweit mehr als die Hälfte der Kleidungsstücke nicht gemäß der EU-Verordnung gekennzeichnet seien. Die Tierschützer listen auch eine Reihe von Produkten auf, die sie nach eigenen Angaben in Münchner Geschäften gefunden haben. Die Liste reicht von der Mütze mit Fellbommel für zehn Euro bis zum Mantel mit Pelzkragen für 200 Euro.

In einem Brief an das KVR schreiben sie: "Unsere Untersuchung zeigt, dass die gesetzlichen Kennzeichnungsvorschriften zu Echtpelzen in Ihrem Zuständigkeitsbereich nicht zufriedenstellend umgesetzt werden." Nun wolle man der Behörde Zeit geben, "aktiv zu werden". Das KVR bestätigt, dass man zwar grundsätzlich zuständig sei. "Die Hauptverantwortung liegt allerdings bei der am Firmensitz des Herstellers zuständigen Behörde." Und beim Einzelhändler selbst.

© SZ vom 27.01.2017/vewo
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