Projekt "Öko-Esel" sucht neuen Stall

Der Traum vom florierenden Mitgliederladen: "Öko-Esel"-Gründer Johannes Schmidt (rechts) und Konstantin Deininger.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das sozial orientierte Nahversorgungsprojekt muss in zwei Monaten den Lager- und Verkaufsraum an der Lachnerstraße räumen. Lange hoffte das Team auf eine Zusage der städtischen Gewofag - nun kam die Absage

Von Sonja Niesmann, Neuhausen

Das Ziel - ein gut sortierter Lebensmittelladen, der auch eine Art Nachbarschaftstreff werden soll - war schon in Sichtweite. Aber kurz vor der Ziellinie ist der "Öko-Esel" heftig ins Straucheln geraten. Fast ein Jahr lang habe die städtische Wohnungsgesellschaft Gewofag ihnen große Hoffnung auf einen Flachbau an der Wendl-Dietrich-Straße 21 d gemacht, der im Herbst frei werden sollte, berichtet Hannes Schmidt. Vor einigen Tagen aber kam überraschend für das Öko-Esel-Team eine Absage. Die Gewofag hat sich dafür entschieden, den Mietvertrag mit dem dort ansässigen Kampfsportstudio zu verlängern. Aus dem kleinen Lager- und Verkaufsraum im Keller eines Hauses an der Lachnerstraße 33 muss der Öko-Esel aber Ende September ausziehen. "Wir haben also nur noch zwei Monate und haben bisher nichts anderes", sagt Schmidt bedrückt.

Vor fast zwei Jahren haben Schmidt, 28, und sein Freund Konstantin Deininger, beide damals Master-Studenten, den Öko-Esel gegründet; dritte im Bunde wurde bald Konstantins Schwester Katharina. Sie wollten eine Nahversorgung mit regionalen, biologischen Lebensmitteln aufbauen, organisiert als Mitgliederladen, der sich den starren Marktmechanismen so weit wie möglicht entzieht, dessen Ziel nicht ein möglichst großer Profit ist, der gleichermaßen fair zu Kunden wie zu Produzenten ist. Anfangs lief das etwas zäh, doch allmählich konnte sich das Modell Mitgliederladen in der Angebotsschiene von Bioladen, Hof-Verkauf und Öko-Kisten-Lieferungen ganz gut etablieren. Mittlerweile nutzen laut Schmidt rund 150 Menschen die Möglichkeit, für 15 Euro Monatsbeitrag preisgünstig beim Öko-Esel einzukaufen. Bald stellte sich heraus, dass manche Kunden den mit einem kleinen Ratsch verbundenen Direkteinkauf dem angebotenen Lieferservice vorziehen. Deshalb ist der Verkaufsraum an der Lachnerstraße inzwischen zweimal wöchentlich, montags und freitags, geöffnet.

Die meisten Kunden wohnen in Neuhausen, deshalb sollte ein neuer, größerer Laden mit Platz für Kühlregale und eine Käsetheke auch im Viertel angesiedelt sein. "Die Gewofag sagt von sich selbst, sie kombiniere sozialen Anspruch mit Wirtschaftlichkeit. Das sind doch genau die Werte, die wir auch vertreten", sagt Schmidt. Und lange habe ihr Ansprechpartner bei der Wohnungsgesellschaft ihnen auch den Eindruck vermittelt, "dass wir die Favoriten sind" für eine Neuvermietung an der Wendl-Dietrich-Straße; zu einem Mietpreis, den sich die idealistische Truppe leisten kann. Ein Gewofag-Sprecher teilt dazu auf Nachfrage lediglich mit: "Leider muss ich um Verständnis bitten, dass wir vertragliche Details allein schon aus Gründen des Datenschutzes nicht kommunizieren können. Der Austausch mit den zahlreichen Mietinteressenten während des gesamten Vermietungsprozesses war offen und umfassend, die nun getroffene Entscheidung wurde sorgfältig abgewägt."

Anna Hanusch (Grüne), Vorsitzende des Neuhauser Bezirksausschusses, findet das Öko-Esel-Projekt begrüßenswert, sieht aber auch das Dilemma. Wäre die Entscheidung anders ausgefallen, stünden die Kung-Fu-Sportler auf der Straße - und "Sport ist schließlich sehr wichtig". Nahversorgung aber auch, das betone die Gewofag doch selbst. Und genau dafür sind diese für die Siedlungen so typischen, den Wohnblocks vorgelagerten Flachbauten einst auch errichtet worden: kurze Wege für die Mieter zu Lebensmittelgeschäften, Apotheken, Gaststätten und Geldinstituten. Hanusch will immerhin von der Gewofag das Signal empfangen haben, dass die Lage für den Öko-Esel nicht hoffnungslos ist. Denn in nicht allzu ferner Zeit werde ebenfalls an der Wendl-Dietrich-Straße eine andere Gewerbe-Immobilie frei.