USK-Affäre Der Polizeiskandal von München ist längst nicht ausgestanden

Polizisten bei einer Demonstration in München.

(Foto: Robert Haas)

Ein mögliches Sexualdelikt und antisemitische Videos: Was im Unterstützungskommando passiert ist, widerspricht den Prinzipien der Polizei - und dem, was sie von der Öffentlichkeit einfordert.

Kommentar von Susi Wimmer

Jetzt also München. Nach verstörenden Erkenntnissen über ein rechtsextremes Netzwerk bei der Frankfurter Polizei und Exzessen von Berliner Beamten muss die Polizei erneut gegen sich selbst ermitteln, erneut steht dabei das Münchner Unterstützungskommando im Zentrum. Ein Polizist steht im Verdacht, eine Frau sexuell missbraucht zu haben. In einem Gruppen-Chat teilten USK-Beamte und Ehemalige Videos mit antisemitischen Inhalten. Beim Taser-Training wurden Kollegen absichtlich mit Stromstößen verletzt. Derbe "Späßchen" und sexistische Fotos in Uniform machten die Runde.

Die juristische Prüfung läuft noch, was sich aber jetzt schon sagen lässt: All das steht im Widerspruch zu den Prinzipien der Polizei und auch zu ihren Präventions-Kursen für die Bevölkerung. Darin geht es um: Aufstehen, nicht wegschauen, handeln, wenn etwas aus dem Ruder läuft.

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Die Polizei in München stößt bei Ermittlungen auf einen Chat von mehr als 40 USK-Beamten, in dem antisemitische Videos geteilt wurden.   Von Susi Wimmer

Es ist nicht der erste handfeste Skandal beim USK. Bereits vor 13 Jahren ging es um übergriffige und menschenverachtende Verhaltensweisen. Die Führung reformierte die Truppe, es gab personelle Veränderungen, man wollte sensibilisieren. Doch intern ging es offenbar munter weiter. Es sind fast ausschließlich Männer in den geschlossenen Einheiten. Männer, die vorgeschickt werden, wenn es brenzlig wird. Männer, die diesem Job vielleicht nicht immer gewachsen sind. Männer, die dann wohl das Gespür für Grenzen und Geschmack verlieren. Wie sonst sollte man sich derart ekelhaftes Verhalten erklären?

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä hat sehr schnell und sehr hart durchgegriffen, das ist ein Zeichen. Doch der Skandal kocht seit Wochen hinter den Mauern der Ettstraße, und erst als Medien davon Wind bekamen, ging das Präsidium am Freitag an die Öffentlichkeit - ein Unding.

Die Polizei steht aufgrund ihrer Befugnisse, die mit dem neuen Polizeiaufgabengesetz sogar noch wachsen, in besonderer Verantwortung. Der Skandal von München ist längst nicht ausgestanden. Von einzelnen schwarzen Schafen darf man nicht auf die ganze Herde schließen. Auffällig ist aber, dass derartige Vorfälle fast ausschließlich kasernierte Männervereine wie die Polizei treffen. Benötigen geschlossene Einheiten mehr psychologische Hilfe, oder gibt es ein generelles Problem in der Ausbildung? Die Münchner Polizei muss klären, was da schiefläuft. Und sie muss es ändern.