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Münchner Polizei:Nix los? Das ist gar nicht gut

Still und starr ruht: das Polizeipräsidium München.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bei der Polizei ist es seit Tagen außergewöhnlich ruhig. Dumm nur, dass sich Menschen und auch Medien genau dafür nicht interessieren. Denn das macht die Sache anstrengend.

Haben Sie's gemerkt? Ist Ihnen nichts aufgefallen? Wie friedlich es ist gerade in der Stadt! Man achtet ja normalerweise nicht auf das, was gerade nicht passiert. Wenn dann aber mal wieder einer durchdreht, bekommt er gleich einen eigenen Hashtag im Internet und wird so lange retweetet, bis alle das Gefühl haben, sie sind von Irren umgeben und können das Haus nicht mehr verlassen. Das ist ein Problem. #Nixlos wäre zur Abwechslung mal ein schöner Hashtag. Anderthalb Millionen Münchner verbringen den Tag völlig #friedlich. Aber so funktioniert die menschliche Aufmerksamkeit nicht. Und die Medien sind denselben Gesetzen unterworfen. Nur das Außergewöhnliche ist eine Nachricht. Wenn es aber außergewöhnlich ruhig ist, was dann?

Im Polizeipräsidium in der Ettstraße ist die Ruhe jedenfalls schon seit einer Weile ein Thema. Vor zwei Wochen twitterte der Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins um ein Uhr in der Nacht aus dem Streifenwagen: "Ungewöhnlich ruhig und leer in der Stadt. Freut mich!". Dazu ein Bild von menschenleeren Straßen.

Seitdem hat sich die Lage nicht sehr geändert. Natürlich hat die Ruhe auch mit dem Winter zu tun. Wenn die Tage wieder länger werden, bleiben die Leute auch wieder länger draußen, saufen, raufen und machen auch mal Krach. Trotzdem ist der Unterschied bemerkenswert: Im vergangenen Jahr fuhr die Münchner Polizei im Schnitt 845 Einsätze am Tag. Seit Weihnachten waren es jetzt durchschnittlich einhundert Einsätze weniger. Den größten Anteil machen dabei übrigens Verkehrsbehinderungen und kleine Verkehrsunfälle aus.

Die Mitarbeiter der Pressestelle sind derzeit nicht zu beneiden; sie müssen schon zwei Jahre alte Einbrüche ausgraben, die jetzt durch DNA-Abgleich aufgeklärt wurden, um quengeligen Reportern zumindest irgend etwas anzubieten. Das Phänomen offiziell zu kommentieren tun sich die Beamten allerdings schwer. Gleich drei von ihnen müssen sich abstimmen, bevor sie sich auf den Satz einigen: "Im Vergleich zum Gesamtjahr 2018 ist es derzeit vergleichsweise ruhig". Niemand will vorschnell den Frieden ausgerufen haben, wenn dann doch wieder was passiert. Wenn nur alle beim Ausrufen von Katastrophen genauso zögerlich wären.

© SZ vom 24.01.2020
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