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Planegg:Aufruf zum Aufstand

Umweltaktivisten appellieren bei einer Veranstaltung an rund 180 Würmtaler Bürger, sich gegen die Ausweitung des Kiesabbaus einzusetzen

Die Sorge um den Erhalt ihrer Wälder hat rund 180 Würmtaler Bürger trotz Biergartenwetter und "White Dinner" am Marktplatz am Mittwochabend ins Kupferhaus geführt: Dort informierten sie sich stundenlang über den Kiesabbau im Würmtal und die Absicht der Firma Glück, weitere Gebiete zu erschließen.

Alle Redner des Abends beschworen die Bürger, jetzt Flagge zu zeigen: "Die Bürger müssen jetzt aufstehen", sagte Simon Tangerding von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Nur wenn Politiker Druck aus der Bevölkerung spürten, gebe es eine reelle Chance, Kiesabbau auf der Dickwiese im Planegger Wald nahe Germering und eine weitere Ausbeutungen in Forst Kasten zu verhindern. Es mache Mut, hieß es, dass der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) prüfen lasse, ob man auf weiteren Kiesabbau in Forst Kasten verzichten könne. Das Areal gehört der Heiliggeist-Stiftung, die von der Stadt verwaltet wird. Herbert Stepp vom Grünzug-Netzwerk Würmtal und Gemeinderat der Grünen Gruppe 21 mahnte jedoch: "Die Gefahr ist längst nicht vorbei." Die Begehrlichkeiten von Glück für die 24,4 Hektar große Dickwiese seien damit gestiegen. Für die Dickwiese ist ein Raumordnungsverfahren beantragt. Der Regionale Planungsverband hat bereits zugestimmt - trotz der Tatsache, dass das Wald-und Erholungsgelände zum Regionalen Grünzug gehört und als Vorrangfläche Landschaftsschutz genießt.

Stepp erinnerte bei der Veranstaltung an mehr als 60 Jahre Kiesausbeutung im Würmtal: "Heute kann man sagen, dass halb Planegg ausgekiest ist." Nach wie vor gelte das alte Argument, "dass wir in der Pflicht sind, für Frischluft für die Stadt München zu sorgen. Und damit bleibt die regionale Rohstoffgewinnung eine Ausnahme." Doch München sei ein Moloch geworden, meinte Stepp und sprach vom "Wachstumswahn". Genehmigungsbehörden arbeiteten "mit allen Tricks", um Kiesabbau zu ermöglichen. So sei der Bedarf nach Kies in Wahrheit längst weitgehend gedeckt. Es gehe auch nicht um 250 Arbeitsplätze bei Glück, sondern nur um 150, es gebe kaum mehr Auffüllmaterial und durch die Rekultivierung entstünden keineswegs wertvolle Wälder, wie seit Jahrzehnten versprochen. Der exzessive Kiesabbau bringe neben einer Landschaftszerstörung und massivem Lkw-Verkehr auch noch zusätzliche lärm- und geruchsintensive Einrichtungen, sagte Stepp. "Eine Bitumenmischanlage, Anlagen für Transportbeton mitten in der Landschaft, eine Kompostieranlage". Der Bürgerprotest müsse laut werden, fasste Stepp zusammen.

Ähnlich äußerte sich Volker Oppermann von der Umweltorganisation Greenpeace. Wälder, sagte er, seien in Zeiten des Klimawandels das höchste Gut überhaupt. "Ein intakter Wald trägt massiv zur Kohlendioxidsenkung bei. Eine einzige Buche verhindert pro Jahr eine Tonne Kohlendioxid." Oppermann forderte die Würmtaler auf, an Politiker zu schreiben, sich lokal zu engagieren, sich einer Bürgerinitiative anzuschließen. Sein Credo: "Taten statt Warte." Pessimismus sei nicht angebracht, sagte auch Simon Tangerding von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: "Ein kleiner Brief von Ihnen kann Kiesabbau verhindern. Die Bürger müssen jetzt aufstehen. Sie alle hier im Raum sind 180 Klimaaktivisten." Die Planegger Journalistin und Aktivistin Astrid Pfeiffer forderte zum Widerstand "auf allen Kanälen" auf. Ihre Hoffnung sei es, dass es für die Dickwiese auch wegen des großen Bürgerprotestes gar nicht erst zum Genehmigungsverfahren kommt. Sie verwies auf die vielen Unterschriftenlisten, die zur Zeit im Würmtal kursieren.

© SZ vom 19.07.2019
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