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Pinakothek der Moderne:Bauen mit Bits und Bytes

Die Digitalisierung hat das Entwerfen, Planen, Bauen und die Wahrnehmung von Architektur verändert. Diesem Prozess widmet sich die Schau "Die Architekturmaschine" in der Pinakothek der Moderne.

Von Jürgen Moises

Es gibt in München (aber nicht nur dort) in den letzten Jahren neu entstandene Wohnviertel, die aussehen, als wären sie im Baukasten entstanden. Oder so als hätte man dafür im Copy-And-Paste-Verfahren oder im Stil von Videospielen wie "Sim City" oder "Minecraft" ein paar Grundformen addiert. Würde ein Algorithmus oder ein Computer hinter den zugehörigen Entwürfen stecken, es würde einen nicht wundern. Wobei man diesen damit aber vielleicht Unrecht tut. Denn die ersten pädagogischen Baukastensysteme wurden bereits in den 1870ern von den Brüdern Gustav und Otto Lilienthal (genau, die Flugzeugpioniere) entwickelt. Und auch zahlreiche, auf Vereinfachung und Systematisierung ausgerichtete Prinzipien der architektonischen Moderne entstanden in einem vergleichbaren Ingenieursgeist.

"Die Rolle des Computers in der Architektur", wie die kommende Ausstellung "Die Architekturmaschine" im Architekturmuseum der Pinakothek der Moderne im Untertitel heißt: Sie ist jedenfalls dann doch etwas komplexer als die, in ihm nur den Sündenbock für verfehlte kulturelle Entwicklungen zu sehen. Trotzdem steht außer Frage: Die Digitalisierung hat das Entwerfen, Planen, Bauen und die Wahrnehmung von Architektur verändert. Auf welche Art, das war im deutschsprachigen Raum bisher in keiner größeren Ausstellung Thema. Höchste Zeit also, zu schauen, wie Bits und Bytes die Arbeit von Architekten verändert haben. Genau das passiert hier in vier Kapiteln: Der Computer als Zeichenmaschine, der Computer als Designwerkzeug, der Computer als Medium des Geschichtenerzählens und der Computer als interaktive Plattform.

Grundlage für die von Teresa Fankhänel kuratierte Schau ist ein zweijähriges Forschungsprojekt, das von der Gerda Henkel Stiftung gefördert wurde. Außerdem ging ihr genauso wie dem gleichnamigen Buch eine Konferenz mit Beiträgen von Wissenschaftlern und Architekten aus mehreren Ländern voraus, die am 11. Oktober 2019 an der TU München stattfand. Mehr als vierzig internationale Fallstudien und Projekte von Architekten, Künstlern, Ingenieuren und Forschern sind so für "Die Architekturmaschine" zusammengekommen. Dazu gehören bekannte Architekturbüros wie die von John und Julia Frazer aus Großbritannien und Reiser + Umemoto aus den USA oder etwa der Designer Keiichi Matsuda aus Japan.

Was Deutschland angeht, rückt etwa mit dem Siemens-Pavillon in Hannover (1970) eines der ersten digital entworfenen Gebäude in den Blick. Und mit dem Eyebeam Center in New York geht es um das erste Bauwerk, für das 2001 eine Animation als Teil des Entwurfsauftrags gefordert war. Es werden die wichtigsten Architekturprogramme vorgestellt, darunter die allererste Zeichensoftware Sketchpad. Es geht um das "Architekt spielen" in Computerspielen oder darum, für manche ja vielleicht eine tröstliche Botschaft, dass das Skizzieren und Zeichnen auf Papier in vielen Architekturbüros noch immer eine große Rolle spielt.

Die Architekturmaschine. Die Rolle des Computers in der Architektur, Di., 13. Okt., bis 19. Jan., Pinakothek der Moderne, Barer Str. 40, Telefon 23805360

© SZ vom 08.10.2020
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