Pasing:Eragon im Anflug

Feuriger Drachenflug, Projekt der Oselmäuse über dem Nymphenburger Kanal Höhe Marsopstraße

"Eragon" haben die Hortkinder der Elterninitiative "Oselmäuse" ihr Kunstprojekt getauft.

(Foto: Thomas Vonier / oh)

Geheimnisvolle Objekte über dem Nymphenburger Kanal

Von Jutta Czeguhn, Pasing

Ein Jogger, der an diesem Vormittag den Nymphenburger Kanal entlangtrabt, bremst plötzlich ab und trippelt auf der Stelle. Das muss er sich genauer ansehen. Vor ihm über dem gemächlich dahin plätschernden Wasser schwebt ein riesiges Etwas, offenbar gerade im Landeanflug. Trotz der Spannweite seiner Flügel, die fast die gesamte Breite des Kanals ausmachen, wirkt das mysteriöse Objekt äußerst filigran, wie eine Libelle aus der Urzeit. Der Jogger wundert sich und lächelt, dann setzt er seinen Lauf fort, vorbei an der "Speisemeisterei" in leichtem Bogen Richtung Osten. Kurz bevor der Bach unter der Brücke an der Meyerbeer-/Offenbachstraße verschwindet, muss er wieder stoppen: Ein weiteres unbekanntes Flugobjekt segelt im Luftraum des Pasinger Kanals.

"Feuriger Drachenflug" haben die Hortkinder der Elterninitiative "Oselmäuse" ihr Kunstprojekt getauft. Mit Genehmigung der Stadt darf "Eragon", so der Name des Feuerdrachens, nun also zwei Monate lang bis Ende September über dem Kanal "fliegen"- zwischen Bäumen stabil fixiert mit dicken Seilen. Hortleiterin Ulrike Hahn, die auch Bildhauerin ist, hat den gefiederten Gesellen zusammen mit fünfzehn Oselkindern und Mitarbeiterin Ursula Griehl gefertigt. Ein halbes Jahr lang wurde im Hort am Torriweg 54 gewerkelt. "Für mich ist wichtig, dass die Kinder etwas außerhalb ihres Alltags kreieren dürfen", sagt Hahn. Verwendet wurde für den Drachen hauptsächlich Material, das die Kinder bei gemeinsamen Waldspaziergängen gesammelt haben. Nur die Weidenruten und die Federn für Eragons buntes Gefieder mussten bestellt werden. Sein ein klein wenig furchterregender Kopf - soll man dieses Geheimnis verraten? - entstammt einer Thujen-Hecke, die ein Nachbar des Horts abgeholzt hat.

Die wundersame Libelle über dem Kanal auf Höhe der Oselschule ist wiederum das Werk der "Fabrikkinder", die ein paar Flugsekunden kanalaufwärts in der Pasinger Fabrik ihren Hortsitz haben. Die beiden Horte sind vor einem halben Jahr mit der gemeinsamen Idee gestartet, ein Flugobjekt über dem nahen Wasser zu starten. Bis zum Tag der Einweihung kurz vor den Sommerferien wussten die Oselmäuse nicht, was ihre Kollegen in der Fabrik unter Anleitung von Hortleiter Julian Wimbauer und Mitarbeiter Jens Lamm auf die Beine beziehungsweise in die Luft setzen. Bei der ersten Flugschau gab es dann ein großes Staunen.

© SZ vom 25.08.2016
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