Pasing Ein Wunder für Zara

Historical über Bruno Balz, Hitlers heimlichen Hitschreiber, in der Pasinger Fabrik

(Foto: Dirk Schiff/oh)

Da hatten die Nazis ein Problem: Bruno Balz, Verfasser berühmter UFA-Hits wie "Davon geht die Welt nicht unter", "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n" (1938) und "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern" (1939) war ein "175er". So nannte man damals - und auch noch Jahrzehnte nach dem Krieg - Schwule. Denn Homosexualität stand nach Paragraf 175 des Strafgesetzbuches unter Strafe. Bruno Balz kam also ins Gefängnis in Berlin-Plötzensee, dort verbrachte er acht Monate Haft, nach seiner Entlassung durfte der Textdichter nur noch anonym arbeiten, schließlich musste das Volk weiter bei Laune gehalten werden. Allerdings verschwand sein Name bei allen Filmen aus dem Abspann. 1941 kam Balz erneut in Gestapo-Haft, wurde schwer gefoltert. Und kam nur frei, weil Zarah Leander und Michael Jary intervenierten. Er hatte die Auflage, binnen 24 Stunden für Goebbels-Auftragswerk "Die große Liebe" zwei Lieder zu schreiben. Man ahnt es, dem Mann ist auch unter diesem Druck etwas eingefallen: "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n" und "Davon geht die Welt nicht unter". Womöglich hat ihn das vor dem Konzentrationslager bewahrt.

Schrieb Liedtexte für Zara Leander und Heinz Rühmann: Bruno Balz (1902-1988).

(Foto: BRUNO BALZ ARCHIV BERLIN/oh)

In der Pasinger Fabrik erinnert Gaby dos Santos nun mit einem Historical an den Textdichter. Das Stück mit dem Titel "Kann denn Liebe Sünde sein? - Bruno Balz, Hitlers heimlicher Hitschreiber" ist am Mittwoch, 7. November, 19.30 Uhr, dort zu erleben. Chansonnier Albrecht von Weech interpretiert die Hits von Zarah Leander, Lutz Bembenneck und Gaby dos Santos sind die Erzähler, und am Piano sitzt Thomas Erich Killinger. Kombiniert werden die Lieder mit Projektionen zeitgeschichtlicher Bildcollagen sowie O-Tönen des Künstlers Jürgen Draeger, dem letzten Lebensgefährten von Bruno Balz. Zudem gibt es eine Einführung und ein anschließendes Publikumsgespräch von Albert Knoll, der dem Vorstand des Forums Homosexualität München angehört und Archivar in der KZ-Gedenkstätte Dachau ist. Tickets für den Abend in der Pasinger Fabrik kann man unter der Telefonnummer 82 92 90 79 zum Preis von 18, ermäßigt 14 Euro reservieren.