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Open-Data-Projekt der Stadt München:Zu langsam für das Internet

Das Projekt Mogdy war im Juli 2011 von offizieller Seite ausgelaufen, seitdem tut sich in München in punkto Open Data fast nichts mehr. Nur noch an einigen wenigen Projekten wird gearbeitet. Eines davon ist das "Offene Radl-Routing", dessen Ziel es ist, die städtischen Radweg-Kartendaten als offene Daten freizugeben. Doch voran geht auch hier nicht wirklich etwas.

Der selbständige IT-Spezialist Daniel Koller, der sich in seiner Freizeit bei Mogdy engagiert, sagt: "Die Gremien im Stadtrat, die für die IT-Themen zuständig sind, denken in Entscheidungszyklen von drei, sechs oder neun Monaten." Interesse für den Radlstadtplan von Seiten der Politik sei vorhanden, die Bereitschaft Geld dafür in die Hand zu nehmen ebenso. Doch dann heiße es im Stadtratsausschuss: "Wir nehmen es in unsere Road Map mit auf", sagt Koller. Und das bedeute: "Es passiert vielleicht einmal irgendetwas irgendwann."

Für das schnelllebige Internet ist dies natürlich viel zu langsam. Thomas Pfeiffer, Medienpädagoge, Mitglied der Mogdy-Community und Vorstandsmitglied der Münchner Grünen, ist nicht so harsch in seiner Kritik. Doch auch er sagt: "Da prallen zwei Welten aufeinander." Er fordert: "Das behördliche Verwaltungsdenken muss sich ändern." Städte wie London haben mehr als 2000 Datensätze ins Internet gestellt - zu fast jedem Aspekt des öffentlichen Lebens. Die Community-Mitglieder von Mogdy halten dies auch für München wünschenswert. "Open Data bedeutet Service für den Menschen", sagt Pfeiffer. Koller findet: "Es sind Hilfsmittel, die wir den Bürgern in die Hand geben können, um Probleme zu lösen."

Doch nach Ablauf des Projekts kam die Unterstützung weitgehend zum Erliegen. Erst vor wenigen Tagen wurden von der Stadt befristete Stellen genehmigt für das Mogdy-Nachfolgeprojekt "More". Nun soll wieder verstärkt an der Umsetzung des Radl-Routings und anderer Ideen gearbeitet werden. Zudem soll eine langfristige Strategie erarbeitet werden, wie München mit Open Data umgeht, im Herbst soll darüber der Stadtrat entscheiden. "Wir haben der Community versprochen, dass wir weiter machen, und dieses Versprechen werden wir auch einhalten", heißt es von der Pressestelle der Stadt München.

Grünen-Politiker Pfeiffer hat im Rahmen von Mogdy bereits ein Open-Data-Projekt umgesetzt. Unter muenchen.offenerhaushalt.de ist einsehbar, wofür die Stadt wie viel Geld ausgibt. Als Pfeiffer vor einem Jahr das erste Mal bei der Stadtkämmerei anfragte, blieben zahlreiche E-Mails unbeantwortet, er musste monatelang nachhaken. "Es wurde nicht ganz verstanden, was ich wollte", sagt Pfeiffer. Als er vor kurzem um die Daten für 2011 bat, hatte er sie innerhalb von zwei Wochen auf seinem Rechner - ein Fortschritt, der den Grünen freut: "Sie haben offenbar gelernt, dass nicht Schlimmes mit den Daten passiert."

Diskussionsrunde am Donnerstag im SZ-Hochhaus: Ein Leben ohne die Vorteile des Internets? Für viele ist das kaum noch vorstellbar. Dennoch bleiben Fragen nach Privatsphäre, Datensicherheit und Chancen des Wandels unbeantwortet. Die SZ diskutiert mit Experten über die gesellschaftsverändernde Kraft des Netzes.

© SZ vom 07.02.2012/sonn

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