Olympiaturm Die Kabine beschleunigt auf sieben Meter pro Sekunde

Unten neben den Aufzugeingängen sind Schließfächer, in denen man Kinderwagen deponieren kann oder Koffer. Beides darf nicht nach oben. Auch keine Flaschen. Es gab schon Leute, die Flaschen von der Aussichtsplattform geworfen haben.

Japha bittet die Kolumbianer und ein paar weitere Besucher in die Kabine, insgesamt 13 Personen. "Zuerst verteilen sich alle immer an den Wänden, wo man sich anlehnen und festhalten kann an den Querstangen." Dabei müsse man sich nicht festhalten, "wir fahren ja keine Kurven, sondern immer nur geradeaus". Japha steigt als Letzter ein, drückt auf das Stockwerk und schaut auf seine Gäste. Türe zu. Dann steigt die Metallkabine nach oben, beschleunigt auf sieben Meter pro Sekunde.

Eine Visualisierung des Olympiaturms.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Höhe wird auf einem Display mit weißer Schrift auf blauem Hintergrund angezeigt. 30, 70, 120 Meter. Manch einer gähnt, andere halten sich zum Druckausgleich die Nase zu. Japha sagt: "Ich spüre da gar nichts, das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich gerne tauche." Oder daran, das er im Schnitt 70 Mal pro Schicht hochfährt. "An einem Sommertag mit guter Sicht sind die beiden Aufzüge dauernd im Einsatz." Dann fahren die Turmfahrer permanent. 40 Sekunden hoch, 40 Sekunden Ein- und Aussteigen, 40 Sekunden runter. "Pro Stunde fährt der Aufzug da bis zu 20 Mal." Japha rechnet. 60 Kilometer ist er dann an einem Tag vertikal unterwegs.

Der Aufzug ist seit 51 Jahren täglich in Betrieb. Von neun Uhr morgens bis Mitternacht, nur am 24. Dezember schließen sie um 16 Uhr. Als es zum Jubiläum 2018 einen Tag die Fahrt für nur einen Euro gab, sonst kostet sie neun, "kamen an dem Tag 8000 Leute". Silvester ist auch begehrt. Da fährt der Aufzug bis um eins. "Ab halb elf kommen die Leute und wollen oben das Feuerwerk anschauen." Wobei das aus Sicht des Musikers Quatsch ist. "Raketen fliegen höchstens 100 Meter hoch, man schaut also immer auf das Feuerwerk runter vor einem hellen Hintergrund der Stadt." Aber interessant ist das Feuerwerk hier schon. "Bis um ein Uhr wird geballert, am meisten in Perlach und im Hasenbergl."

Kurz vor dem Ziel oben, die Gespräche sind nun verstummt und alle schauen auf die Höhenanzeige, kommt Japhas Lieblingsmoment: wenn der Aufzug abbremst. Dann kribbelt es leicht im Bauch. "Wenn Schulklassen mit Mädchen fahren, kreischen die da so richtig." Japha sagt am Freitagvormittag in dem Moment zu den Gästen seinen Standardspruch: "Jetzt habe ich mein Idealgewicht", und fasst sich an den leicht vorgewölbten Bauch.

Die Leute steigen aus, gehen an die Scheiben, schauen auf die Stadt. Japha macht das auch immer mal wieder, an diesem Freitag kann man die Berge wunderbar sehen. "Mein Lieblingsbild, die Berge." Japha lächelt vor sich hin in die Weite. "Das ist ja geistig kein sehr fordernder Job, aber es ist schön, mit so vielen verschiedenen Menschen zu tun zu haben."

Es gibt Besucher, die im letzten Moment Angst bekommen, wegen der Höhe, wegen der Enge. Mit so jemandem fährt Japha einzeln in einem Aufzug. An den höchsten Punkt der Stadt. Der Turm ist 291 Meter hoch, die Plattform eben auf 185 Metern. "Man sieht wunderbar, wie grün die Stadt ist", sagt Japha, grüßt "den Markus" von der Bar oben, läuft am Rockmuseum vorbei, wo sich das Lächeln des Musikers noch etwas weiter in den Bart gräbt. "Im Winter sind hier oft Konzerte, das ist super." Über die Musik kam er überhaupt zum Turm. Er wollte als Rentner bei der Firma arbeiten, die sich um die Sicherheit unter anderem für den Olympiaturm kümmern, aber vor allem für die Olympiahallen. "Ich habe da wunderbare Konzerte gehört und Geld verdient." Und kam so zum Turm.

Es versammeln sich schon wieder ein paar Leute an der Absperrkordel vor dem Aufzug, kurz geht Japha aber noch auf die offene Plattform hoch, ehe er die Gäste runterfährt. Hier gibt es auch immer jede Menge Heiratsanträge. "Da wird dann alles mit Rosenblättern ausgelegt oder der Weg mit Teelichtern markiert."

Am Ende eines Dienstes fährt Japha oft noch einmal nach oben. "Im Sommer, wenn kein Wind geht, nehme ich mir ein Bier mit, manchmal kommt mein Bruder dazu, dann fahren wir nach Mitternacht hier hoch und genießen - den Blick von meinem Turm auf meine Stadt."

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