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Olympiapark:Klima retten mit der Tschu-Tschu-Bahn

Der Touristenzug in der Grünanlage soll von Diesel auf Elektro umgestellt werden

An eine ähnlich lange und hitzige Diskussion mit absehbarem Beschlussergebnis kann sich der BA-Vorsitzende Fredy-Hummel-Haslauer (SPD) nicht erinnern. Einen Schlagabtausch um nichts Geringeres als die Zukunft des Planeten und Kinderarbeit in der Dritten Welt lieferten sich die Lokalpolitiker aus an sich harmlosem, ja geradezu putzigem Anlass: Durch den Olympiapark tuckert bekanntlich seit Jahrzehnten einer dieser schienenlosen, je nach Einsatzort "Tschu-Tschu" oder "Petit Train" genannten Touristenzüge in Dampflok-Optik und mit Dieselantrieb. Das sei kein Aushängeschild für Park und Stadt, findet die BA-SPD und fordert deshalb Umrüstung. Dass das Weltklima aufgrund dieser Entscheidung gesunden oder endgültig zuschanden gehen könnte, erwarten auch die Antragsteller nicht.

Die globale Perspektive reißt dafür CSU-Fraktionssprecher Thomas Schwed auf und liefert gleich ein Horrorszenario mit: Strom aus Kohle oder tschechischen Schrott-AKWs, gespeichert in Akkus, deren Rohstoffe von Kindersklaven im Kongo geschürft würden. Die BA-Genossen, so Schwed weiter kritisch, sollten lieber erst mal dem christsozialen Vorbild folgen und auch bei 36 Grad ohne Klimaanlage konferieren. Die Anlage im Kulturhaus sei bei der jüngsten Fraktionssitzung wegen einer anderen Veranstaltung gelaufen, selbst hätte man sie natürlich nie eingeschaltet, verteidigt sich SPD-Sprecherin Susanne Schneider-Geyer. FDP-Mann Claus Wunderlich rechnet vor, der Zug könne "drei Millionen Jahre" fahren, für den Feinstaub-Saldo eines jener "g'schissenen Feuerwerke", die der BA sommers im Wochentakt genehmige. Ein paar Exkurse später einigt sich der BA darauf, aus dem "elektrisch betriebenen" Zug im Antragstext einen - wie auch immer - "emissionsfreien" zu machen. Er fordert diesen einstimmig, bis auf Jürgen Trepohl (Grüne), der sich mangels Alternativen klar für den Akkubetrieb ausspricht.