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Olympiapark:Banger Blick in den Himmel

Olympiapark in München, 2011

Nur bei einigermaßen klarem Himmel lohnt sich der Weg in den Olympiapark zur "Nacht der Sterne".

(Foto: Johannes Simon)

Bei klarem Wetter gibt es am Montag die "Nacht der Sterne"

Es ist sicher ein interessanter Anblick, wenn Menschen lange nach Sonnenuntergang auf einer Wiese mitten in der Stadt die Kassiopeia tänzelnd nachstellen oder den Großen Bären, ob sie sich fühlen wie bei einem somnambulen Yoga-Workout oder einer Familienaufstellung. Wer diesem Geheimnis auf die Spur kommen will, macht sich an diesem Montag, 19. Oktober, am besten auf den Weg in den Olympiapark. Dort veranstaltet der Aktionskünstler Tommy Schmidt von 21 Uhr an eine Stunde lang "Die Nacht der Sterne" - unter möglichst großem Ausschluss zivilisatorischen Lichts und größtmöglicher Nähe zur Astronomie.

Schmidt ist hingerissen vom "Reichtum des Himmels", der sich einem in klaren Nächten bietet. Weil das großstädtische Streulicht diesem Schauspiel aber chronisch dazwischen blinkt, will er diesen Ausblick für die Münchner inszenieren - gefördert vom Kulturreferat. Als bevorzugten Schauplatz dafür hatte er sich im Frühjahr die Theresienwiese ausgesucht, dort, so seine Idee, sollten sich auf der in diesem Herbst freien Wiesn-Fläche an einem wolkenfreien Abend Menschen zu einem "leisen, sauberen" Vergnügen treffen, "das fast nichts kostet". Benjamin Mirwald, Leiter der Bayerischen Volkssternwarte, sollte den Besuchern mit seinem Teleskop Sterne und Planeten erklären. Schmidt selbst wollte mit den Gästen choreografisch Sternbilder nachstellen.

Damit das streulichtarm funktioniert, müssten aber an den umliegenden Straßen die Lichter ausgeschaltet werden. Zu aufwendig, habe es nach endlosen Sitzungen in verschiedenen Bezirksausschüssen, kontroversen Telefonaten mit diversen Referatsvertretern, gefühlt Hunderten von E-Mails und Anträgen geheißen, berichtet Schmidt. Deshalb zieht er mit seinem Projekt und dem kompletten Programm jetzt auf Anraten der Behörden auf die "Olympiawiese" um, zwischen Olympia-Alm und Olympiaberg. "An der Theresienwiese hätte man auch schon die Zugangsstraße absperren müssen, jetzt reichen ein paar Schilder mit dem Hinweis ,Achtung, hier werden die Lichter ausgeschaltet'". Die Stadt knipst die Gehwegbeleuchtung während dieser Stunde aus.

Unter "Einhaltung der Corona-Auflagen", versichert der Aktionskünstler, werde auch gesungen: Ein Kammerchor erzählt in einer Weise aus der Renaissance von der Entstehung des Sternbildes Großer Bär. Weitere Informationen und Anmeldung unter dienachtdersterne@gmail.com. Bei trübem Himmel wird die Veranstaltung verschoben.

© SZ vom 19.10.2020 / ands

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