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Olympiadorf:Rockmuseum around the clock

Ein Spiegelpiano von Elton John, eine Hose von Freddie Mercury - im Ausstellungsraum auf der Plattform des Olympiaturms kann Herbert Hauke nur einen Bruchteil seiner Devotionalien-Sammlung zeigen, deshalb geht er jetzt mit einer App online

"We built this City on Rock'n'Roll." Als die Band Jefferson Starship ihren größten Hit landete, dachten die Mitglieder vermutlich an ihre Heimatstadt San Francisco. Doch Rockmusik hat viele Städte erobert, nicht zuletzt München. Zeugnisse ihres Siegeszugs sind im Rockmuseum zu besichtigen, das sich 2004 im Olympiaturm eingerichtet hat. Ein Spiegelpiano, das mal Elton John gehörte, eine Gitarre von Metallica, eine Mundharmonika von Bob Dylan, eine wahrlich museale Musikbox, sogar eine bühnenfeste Hose von Freddie Mercury. Zudem jede Menge Fotos, Eintrittskarten und Plakate früherer Tourneen von Größen wie den Beatles.

Hoch über den Dächern der Stadt ist wegen des überschaubaren Platzes aber nur ein Bruchteil der Sammlung aus 20 000 Exponaten zu sehen. Deshalb hat sich Museumgründer Herbert "Herbie" Hauke entschlossen, "den digitalen Raum zu rocken". Gemeinsam mit seinem Musikkritiker-Kumpel Arno Frank Eser und Philipp Bartel von der Firma "Punchin' Pictures" entwickelte er das Virtuelle Rockmuseum München. Von kommenden Montag an kann man per App (Rockmuseum/Virtual guided tour) teilhaben an der Geschichte des Genres. Zunächst auf Deutsch und Englisch, bald auch auf Japanisch und Chinesisch. Die Präsentation des neuen digitalen Services, der mit allen gängigen Betriebssystemen funktioniert, geriet selbst zum Ereignis. Unter dem Motto "All you need ist music" feierten Regisseure, Musiker, der Chef der Olympiapark GmbH und sonstige Freunde des Hauses die Neuerung. Kurator Hauke gestand, "lange nicht mehr so aufgeregt" gewesen zu sein. Er hatte allen Grund dazu. Immerhin griff der Münchner Pressefotograf Sigi Müller zur Abwechslung mal zur Gitarre, um ihm sein Lieblingslied vorzutragen, "You make me feel" von Bonfire. Und Filmemacher Klaus Bichlmeier wartete mit einer "Weltpremiere" auf - einer Doku übers Rockmuseum, "the highest in the world". Erinnerungen wurden wach an die Eröffnung vor 16 Jahren, als die Jungs von Uriah Heep, Schlagzeuger Pete York und Münchens Blues-Indianer Willy Michl gemeinsam mit den Gründern das Startsignal gaben.

Rockmuseum München

Bei dem Rundgang wird Hauke sicher auch jene Anekdote erzählen, wie ein Bund Moosröschen ihn einst auf die Backstage-Party von Tina Turner gebracht hat.

(Foto: Archiv Rockmuseum/oh)

Das Rockmuseum, das bis heute mehr als 100 000 Besucher aus aller Welt gezählt hat und in dem mindestens 200 Konzerte stattgefunden haben, bereitet sich auf das nächste Ereignis vor: 2022 feiert der Olympiapark sein 50-Jähriges, und da muss ein Beitrag her, der den Blutdruck steigen lässt. Vielleicht erzählt Hauke dann wieder, wie für ihn alles angefangen hat in den frühen Siebzigerjahren. Damals warf er einen Strauß Moosröschen auf die Bühne des Circus Krone, wo gerade Tina Turner eine packende Show abzog. Sie hat ihn dann zur Backstage-Party eingeladen.

Rockmuseum Munich im Olympiaturm, Spiridon-Louis-Ring 7, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 9 Uhr bis 24 Uhr, letzte Auffahrt 23.30 Uhr.

© SZ vom 25.01.2020
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