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Oktoberfest:Drei Millimeter weniger Bier

Eichstrich am Masskrug

Eichstrich über der Kerbe: Bis dorthin müssten die neuen, schmäleren Masskrüge auf der Wiesn eigentlich eingeschenkt werden. Oft sind sie aber nicht einmal bis zur charakteristischen Kerbe darunter mit Bier gefüllt.

(Foto: Florian Peljak)

Ein neuer Eichstrich verwirrt Wiesn-Wirte und -Gäste. Wie viel muss in den Masskrug?

Von Florian Fuchs

Man muss genau hinschauen, aber wer schaut schon genau, nach zwei bis drei Mass, auf der Wiesn, in dem Trubel? Wer sich allerdings tatsächlich kurz Zeit nimmt und die Masskrüge betrachtet, der sieht: Es hat sich was verändert. Da ist ein Strich über der charakteristischen Kerbe, die immer knapp über dem Abschluss des Henkels sitzt. Dieser Strich ist der neue Eichstrich, und deshalb gibt es jetzt Verwirrung in den Festzelten: Man könne davon ausgehen, heißt es beim Verein gegen betrügerisches Einschenken, dass man weniger Bier bekommt fürs Geld.

Die Erklärung für das ganze Schlamassel fängt dort an, wo viele den Ursprung allen Übels vermuten: bei der Europäischen Union. Die EU akzeptiert den alten Masskrug nicht mehr, in Deutschland gilt seit dem 1. Januar ein neues Eichgesetz. Und das verlangt einen eigenen Eichstrich. Die Brauereien haben also nun Masskrüge produziert, die etwas höher und im Durchmesser schmäler sind als bislang. Wer aber nun wie bislang glücklich ist, wenn die Bedienung eine Mass an den Tisch bringt, die bis zur Kerbe eingeschenkt ist, der rechnet falsch: Es müsste noch drei Millimeter höher eingeschenkt sein, bis zum neuen Eichstrich nämlich, den aber irgendwie noch gar keiner so richtig im Blick hat.

"Ich wusste das auch nicht, mir hat das erst ein Gast erzählt", sagt Wirtesprecher Toni Roiderer, der die Angelegenheit ganz locker nimmt. "Ein eigener Eichstrich ist doch super, kann man besser messen, fertig." Ganz so einfach will es Jan-Ulrich Bittlinger vom Verein gegen betrügerisches Einschenken den Wirten aber nicht machen. Die Masskrüge seien ja meist nicht mal bis zur Kerbe, also dem alten Eichstrich, gefüllt. Womit der Kunde dieses Jahr noch weniger Bier bekomme.

Bittlinger hat deshalb einen Vorschlag: Wenn man sich darauf einigen könne, dass immer genau bis zur Kerbe eingeschenkt werde, hätten alle etwas davon: Die Schankkellner hätten eine gute Orientierung beim Zapfen. Die Gäste würden eine Mass bekommen, die innerhalb der zumutbaren 0,9-Liter-Toleranz eingeschenkt wäre. Und die Wirte - die würden trotzdem noch eine Mass verkaufen, die weniger als einen Liter Bier enthält.

© SZ vom 30.09.2015/infu

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