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Oktoberfest-Bilanz:"Das Fest war von der Sonne verwöhnt"

  • Die Bilanz für das diesjährige Oktoberfest ist rundum positiv: Es kamen mehr Besucher, es wurde mehr getrunken - sowohl Bier als auch alkoholfreie Getränke.
  • Außerdem ist die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.
  • Josef Schmid (CSU), Zweiter Bürgermeister und Wiesn-Chef nennt zwei wesentliche Gründe dafür: das gute Wetter und mehr Familien unter den Besuchern.

Zwei Tage weniger Wiesn als im vergangenen Jahr, dafür aber mit geschätzt 6,3 Millionen rund 100 000 Besucher mehr, die mit 7,5 Millionen Mass genauso viel Bier tranken wie 2017: Das diesjährige Oktoberfest war nach Einschätzung der Stadt, der Wiesnwirte sowie der Sprecher von Marktkaufleuten und Schaustellern ein voller Erfolg. Die Zahlen sind insofern auch beeindruckend, weil die Wiesn im vergangenen Jahr um den Montag und den Dienstag verlängert wurde - normalerweise endet sie am ersten Oktobersonntag. Wenn der Feiertag 3. Oktober allerdings auf einen Montag oder Dienstag fällt, wird bis dahin verlängert.

Warum das Oktoberfest aus Veranstaltersicht so gut gelaufen ist, das erläuterte der Zweite Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) am Sonntagmittag bei der Schlusspressekonferenz in der Schützenhalle des Schützen-Festzelts. "Das Fest war von der Sonne verwöhnt", sagte er, "nur ein bis zwei Tage war's mal etwas kühler." Und außerdem hätten sich die Familien die Wiesn zurückerobert. Dafür spräche nicht nur der erste Eindruck auf dem Festgelände, sondern auch die Zahlen. So konnten die Wiesnwirte ein zehnprozentiges Umsatzplus bei den Speisen verzeichnen, und auch die alkoholfreien Getränke hätten um zehn Prozent zugelegt. Beides spricht laut Schmid für den verstärkten Besuch von Familien.

Wirtesprecher Peter Inselkammer konnte das nur bestätigen: "Der Trend geht klar zum Essen, das spricht für die hohe Qualität der Kulinarik auf der Wiesn und deutet darauf hin, dass wieder mehr Familien kommen." Und so waren dann auch die Schausteller und Marktkaufleute zufrieden. Yvonne Heckl, deren Sprecherin, sagte: "Das schöne Wetter war ein Pluspunkt, da kommen die Familien. Karussellfahren macht halt einfach mehr Spaß, wenn es warm ist, als wenn man zum Beispiel mit kalten Fingern 50 Meter hoch in einem Freefalltower sitzt." Schmid sah im Zuwachs bei den Familienbesuchen ein Indiz dafür, dass die Sicherheitsmaßnahmen inzwischen angenommen werden: "Die Gäste sind es mittlerweile gewohnt, ohne großes Gepäck unbeschwert auf die Wiesn zu gehen."

Die Wiesn - ein Fest für die Münchner

Nach wie vor, so Josef Schmid weiter, sei das Oktoberfest in erster Linie ein Fest für die Münchner und das Umland, denn sie stellen die Hauptbesuchergruppe. Unter den ausländischen Gästen waren die US-Amerikaner mit den Briten ganz vorne mit dabei, danach folgten Österreicher, Franzosen, Schweizer, Niederländer, Italiener, Australier, Schweden und Belgier. Das ergab jedenfalls die Auswertung der Abhebungen nach Ländern an den Geldautomaten auf dem Festgelände.

Auch die Polizei, die in diesem Jahr 1694 Einsätze zu verzeichnen hatte, zeigte sich ebenfalls zufrieden, denn in fast allen Bereichen seien die Fallzahlen zurückgegangen. Pressesprecher Marcus da Gloria Martins: "Auch der tragische Todesfall vom ersten Freitag ist kein Beleg dafür, dass wir auf eine unfriedliche Wiesn zusteuern." Die Zahl der Straftaten sei mit 924 um 8,9 Prozent gesunken, die Zahl der Masskrugschlägereien von 36 im vergangenen Jahr auf 27 gefallen, ebenso die Zahl der Sexualdelikte auf dem Festgelände, die um 32,3 Prozent abgenommen hätten - von 62 Fällen auf 42, davon vier Vergewaltigungen. An der Bilanz dürfte sich wenig ändern - die Zahl der Delikte, die nach Abschluss der Wiesn noch gemeldet werden, ist der Polizei zufolge erfahrungsgemäß gering. Zugenommen habe allerdings die Gewalt gegen Polizeibeamte um einen Fall. 20 Beamte seien in diesem Jahr tätlich angegriffen worden, 15 wurden verletzt.

Auch acht Sanitäter wurden im Dienst von aggressiven Kunden verletzt, berichtete Ulrike Krivec von der Aicher Ambulanz Union, die ihr erstes Wiesn-Einsatzjahr ebenfalls als Erfolg wertet. 5796 Patienten wurden - Stand vom Sonntag, zehn Uhr morgens - betreut, 3333 davon brauchten ärztliche Hilfe (2017 waren es 3449). In den meisten Fällen handelte es sich um Wunden nach Stürzen und Schnittverletzungen (466), 1676 Wiesngäste brauchten Wund- und Blasenpflaster oder Hygieneartikel. 533 Patienten mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, Bierleichen gab es bis Sonntag genau 717.

Der Wiesnhit dieses Jahres war "Cordula Grün" des österreichischen Sängers Josh, knapp vor der DJ-Version des Partisanenklassikers "Bella Ciao". Aber Cordula Grün war nicht nur musikalisch anwesend, so Wiesn-Chef Schmid. Denn bei der Wiesnattraktion "Zum Schichtl", bei dem unter anderem die "Enthauptung einer lebenden Person auf offener Bühne" auf dem Programm steht, stellte sich vor einigen Tagen doch tatsächlich eine Cordula Grün dem Schichtl-Betreiber Manfred Schauer vor. Der ließ sich den Personalausweis zeigen, und tatsächlich: Die Frau hieß Grün, Vorname Cordula. Ob sie daraufhin vom Schichtl gratis geköpft wurde, verriet Josef Schmid freilich nicht.

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