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Oktoberfest 2009:"Lieber Jeans als Pseudo-Tracht"

Exklusive Maßanfertigung oder Billig-Tracht? Die Frage nach dem perfekten Wiesn-Outfit polarisiert. Zwei Standpunkte.

Das Oktoberfest rückt näher. Wie jedes Jahr treibt viele Modebewusste auch vor der Wiesn 2009 die Frage um: Was anziehen? Dirndl oder Lederhosn aus dem Billig-Laden oder doch teure, maßgeschneiderte Tracht? Oft liegen mehrere hundert Euro zwischen diesen Alternativen und viele Wiesn-Fans Menschen überlegen sich gut, ob sich die Investition in die teure Variante wirklich lohnt.

Ursula Fröhmer hält nicht viel von Billig-Dirndln. Sie setzt auf Qualität und Traditionsbewusstsein.

(Foto: Foto: Gruber)

Die Traditionsbewusste

Ursula Fröhmer hält wenig von den Geschäften, die Dirndl zu einem Spottpreis verkaufen: "Natürlich kann jeder Geld verdienen, womit er will und das ist gut so. Aus Sicht der Tracht aber ist dieser Trend nicht erfreulich, denn es wird durch die Billig-Ware ein falsches Bild nach außen transportiert."

Mit dem, was Tracht nämlich ausmache, Tradition, habe ein Billig-Dirndl nichts mehr zu tun. Seit fast 30 Jahren führt Fröhmer das exklusive Trachtengeschäft "Tracht und Heimat" in München und schneidert dort nach historischen Vorlagen. Für ein normales Dirndl muss sie etwa 14 Stunden Arbeitszeit einplanen, die Kundin kann je nach Stoff mit einem Preis zwischen 500 und 700 Euro rechnen. Fröhmer sieht vor allem die Produktionsbedingungen der Billig-Ware kritisch: "Das ist Import-Ware aus China und Indien und die ist wahnsinnig stark belastet mit Giften." Zudem werde sie oft in Kinderarbeit hergestellt.

Dass Trachten-Discounter trotzdem immer mehr Zulauf hätten, ist für Ursula Fröhmer eine Folge von schlecht informierten Käufern: "Solche Geschäfte haben Kunden, die sich mit Tracht nicht auskennen und ohne Ahnung dorthin kommen. Für die ist das doch wie Verkleiden."

Ein gutes Dirndl zeichnet Fröhmers Meinung nach die hohe Qualität des Materials und eine gute Passform aus. "Heutzutage finden sich kaum noch Dirndl, die wirklich passen", sagt sie. Ein Blick in einen beliebigen Trachten-Katalog beweise das schon. Sie vermittle ihren Kunden nicht nur Hintergrundwissen, sondern auch "das Gefühl für die Tradition, die in der Tracht einfach drinsteckt."

Dass billig nicht immer gut ist, merkten viele erst nach dem Kauf. "Wir haben genügend Kunden, die ein negatives Einkaufserlebnis hatten und dann hierher kommen, wo sie mit Geduld beraten werden." Sie habe aber auch Kunden, die mit ihrem Dirndl vorbeikommen, das sie vor 20 Jahren bei ihr gekauft haben. "Daran sieht man die Wertigkeit von so etwas."

Wer sich keine maßgeschneiderte, traditionelle Tracht leisten kann, sollte trotzdem nicht auf Billigware zurückgreifen, sagt die Trachten-Expertin. Auch ohne Tracht kann man nämlich auf dem Oktoberfest eine gute Figur machen: "Wenn jemand eine Jeans anhat und ein weißes Trachtenhemd, ist er 1000 Mal besser angezogen, als jemand mit Billig-Lederhosn, maschinengestrickten Strümpfen und einem Pseudo-Leinenhemd."

Der jährlich wechselnden Dirndl-Mode will sie sich nicht unterwerfen. "Tracht ist etwas, das lebt und das sich weiterentwickelt. Deshalb ist Tracht aber noch lange keine Mode." Unabhängig von Trends gehe es ihr darum, das zur Trägerin passende Dirndl zu finden. Darin liege die Stärke ihres Angebots. "Natürlich darf ein Dirndl aber nicht altbacken aussehen und muss in die heutige Zeit passen."

Der Billig-Anbieter

Ein "Dirndl für jedes Portemonnaie" verkauft Jakob Hohloch. Er ist Geschäftsführer von "Wies' n Tracht und mehr", das mit insgesamt neun Filialen in München vertreten ist. Dort kann man ein einfaches Dirndl schon für 49,95 Euro erstehen. Dass er für seine Kundinnen auch Dirndl zu sehr niedrigen Preisen im Angebot hat, sieht Jakob Hohloch quasi als Demokratisierung der Tracht. "Das kann sich jeder leisten. Die Tracht ist dank unserer Preise für jedermann zugänglich."

Er fühlt sich einem anderen Erbe als Ursula Fröhmer verpflichtet: "Tradition ist nicht, dass man das Dirndl mit der Hand macht." Vielmehr komme es auf ein authentisches Aussehen des Kleidungsstücks an. Dass die Trachten, die hier verkauft werden, aus Fernost angeliefert werden, ist für Jakob Hohloch nicht entscheidend. Gepflogenheiten, wie etwa das Binden der Schürze mit der Schleife an der richtigen Stelle, gebe er durchaus an seine Kundschaft weiter - auch als Anbieter von billigen Dirndln.

Die Tradition ist in seinem Laden trotz der niedrigen Preise also nicht unter die Räder gekommen, findet er: "Wir geben sie nur an die ganz normale Person weiter." Gegenüber teureren Anbietern sieht er sich nicht im Hintertreffen: "Man kann sich hier auch mit Tracht für die Münchner Schickeria eindecken."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was kleidungstechnisch gesehen dieses Jahr angesagt ist auf der Wiesn.