Oberland: Mega-Windräder geplant Ein neues Wahrzeichen für Andechs

Ein Unternehmer möchte an zwölf Standorten in Oberbayern riesige Windräder aufstellen. Unter anderem im Oberland sollen sie installiert werden - eines auch in Andechs.

Von Bernhard Lohr

Der Unternehmer Michael Ludwig hat Großes vor. Der Inhaber der Multimedia AG aus Raisting im Landkreis Weilheim-Schongau verkündet selbstbewusst, er werde im Oberland Windkraftanlagen von bislang unbekannten Ausmaßen errichten.

Wie in Remlingen (Unterfranken) sollen bald auch in Oberbayern Windräder stehen. Eines sogar in der Nähe von Kloster Andechs.

(Foto: dpa)

In Großweil, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, ist er kürzlich mit solchen Aussagen angeeckt, als er im Gasthaus am Ort seine Pläne präsentierte: Die Windräder sollen bis zur Spitze der Rotorblätter 190 Meter hoch sein. Gute Chancen rechnet Ludwig sich aus, solche Anlagen auf Höhenrücken zwischen Starnberger See und Ammersee zu platzieren. Von den Gemeinden am Ostufer des Starnberger Sees im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wären diese dann zu sehen.

An zwölf Standorten in Oberbayern, auch in der Nähe von Andechs, plant Ludwig Anlagen mit Windrädern. Diese würden bis zu vier mal so weit in die Höhe ragen wie das umstrittene Windrad, das Siegfried Genz auf der Maxhöhe in Berg am Starnberger See betreibt. Die Nabenhöhe läge bei 140 Metern, die Rotorblätter hätten einen Durchmesser von 100 Metern. Bis zu 1200 Haushalte könnte ein Windrad mit Strom versorgen. Ludwig sagt, er habe Investoren an der Hand und einen erfahrenen Partner aus der Branche. "Im Laufe der Woche werden wir wahrscheinlich den Vertrag abschließen", sagt er.

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gab es bisher Vorstöße für zwei kleinere Windkraftanlagen in Münsing und Königsdorf. Auch Münsing, die Modellgemeinde für die Energiewende, wäre betroffen, wenn auf der anderen Seite des Starnberger Sees irgendwann bis zu fünf Windkraftanlagen stehen - oder ein paar Kilometer weiter bei Andechs auf einer Anhöhe. Bürgermeister Michael Grasl fragt, "ob das in unsere Landschaft passt". Wer die Energiewende wolle, dürfe aber auch nicht vorschnell urteilen.

Umstrittener Plan

Auch der Plan von Ludwig, in Großweil Windräder aufzustellen, ist umstritten. Der Regionalplan schließt dies in der "Erholungslandschaft Alpen" aus, wie der Geschäftsführer des Planungsverbandes Oberland, Guido Kamp, sagt. Südlich einer Linie von Miesbach, Bad Tölz und Wildsteig im Landkreis Weilheim-Schongau ist so etwas kein Thema; ebenso auf landschaftsprägenden Höhenrücken und in einem Umkreis von zwei Kilometern um Vogelschutzgebiete.

Doch längst wird überlegt, ob man diese strenge Vorgabe lockert. Auf Anregung der Landräte von Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau, Josef Niedermaier und Friedrich Zeller, prüft die Regierung von Oberbayern, ob dazu der Regionalplan fortgeschrieben wird. Hubert Stadler, Bauamtsleiter in Pähl, sagt dagegen zu den Plänen von Ludwig am Starnberger See: "So einfach ist das nicht." Auch Karlheinz Rauh, Vorsitzender des Stiftungsrats der Energiewende Oberland, die sich dafür einsetzt, dass sich die Region bis 2035 selbst mit Energie versorgen kann, sagt, Windparks wie in Norddeutschland werde es im Oberland "nie und nimmer" geben. Nur vereinzelte Anlagen wären sinnvoll.

Die Frage sei, ob solche Anlagen nicht besser in die zerklüftete Bergwelt passten als in das Alpenvorland, sagt Grasl. Münsings Aussichten, ein Windrad in Pähl zu verhindern, sind übrigens begrenzt. Die Baujuristin im Tölzer Landratsamt, Katharina Patermann, zitiert ein erst kürzlich veröffentlichtes Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, das eine "qualifizierte Beeinträchtigung" fordere. Die "Sichtbarkeit" von Rotoren alleine reiche nicht, um gegen den Bau einer Anlage vorzugehen.