bedeckt München
vgwortpixel

Obergiesing:Unruhe auf dem Grünspitz

Grünspitz in Giesing, 2017

Für die einen ein beliebter Freizeit-Platz, für die anderen Lärmbelästigung: die Grünanlage Grünspitz.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nachbarn klagen über Lärm und Müll rund um Giesinger Freifläche

Der frühere Gebrauchtwagen-Parkplatz auf dem "Giesinger Grünspitz" gilt stadtweit als gelungenes Beispiel für kulturelle Zwischennutzung, allerdings teilen nicht alle Anwohner die Begeisterung. Zum wiederholten Mal beklagten Nachbarn im Bezirksausschuss (BA 17) Lärmbelästigung und Verwahrlosung auf dem kastanienbestandenen Dreieck zwischen Martin-Luther- und Tegernseer Landstraße. Als besonders unangenehm empfinden die Situation die Bewohner des Hochhauses an der Martin-Luther-Straße 24. Zwei von ihnen brachten ihre Beobachtungen und Beschwerden in den BA, im Gepäck außerdem einem Stapel ähnlich lautender Nachbarschreiben.

Musikbeschallung stört die Nachbarn vor allem an heißen Sommertagen, ein Stammpublikum aus Wohnungsflüchtern, Obdachlosen, sowie vor- und nachglühenden Fußballfans auf dem Platz dagegen ganzjährig. Nicht unbedingt erträglicher werden die "asozialen" bis "grauenvollen" Zustände, den Hochhausbewohnern zufolge, dadurch, dass hier seit jeher einiges an Unruhe zusammenkommt, vom permanenten Verkehrsrauschen, über den regelmäßigen Fanaufmarsch zum Grünwalder Stadion, bis hin zu Schnellgastronomie und Bowlingbahn samt entsprechendem Besucherklientel. Die zusätzliche, per Lautsprecher verstärkte Musikbeschallung fällt, laut Anwohnern, dennoch ins Gewicht. Sie mache es am heißen Sommerwochenenden unmöglich, die Fenster zu öffnen - gerade dann, wenn der Verkehrslärm einmal abebbt und selbst auf der vom Grünspitz abgewandten Westseite des Gebäudes. Eine Zumutung für die zahlreichen Senioren im Haus, ebenso wie für daheim arbeitende Freiberufler, so die Klage. Sämtliche Musikveranstaltungen auf dem Platz seien von der Stadt geprüft und genehmigt worden, beschied Polizeihauptkommissar Jan Moese von der PI 23, der gleichwohl einräumte, er würde "hier auch nicht wohnen wollen". Als Kriminalitätsschwerpunkt sei der Grünspitz, so Moese, bisher nicht aufgefallen. Falls es doch zu Spontananzeigen bei Fußballspielen komme, müsse die Polizei eventuelle Tatorte eben abriegeln, erklärte Moese einem Anwohner, der sich beschwerte, er sei während eines Fußballspiels nicht in sein Haus gelassen worden. Vielleicht nicht allseits erwünscht, aber gleichwohl legal bleibt bei alldem der Aufenthalt von Dauergästen auf dem Platz, die sich hier aus den vorhandenen Holzelementen und Planen einen provisorischen Unterstand hergerichtet haben. Das provisorische Mobiliar, für Grünspitz-Freunde ein Beitrag zum alternativen Charme des Ortes, sehen einige Anwohner schlicht als Vermüllung. Auch die Strick-Kunst an Bäumen und Geländern wirke nach kurzer Zeit in Wind und Wetter nur noch "versifft", heißt es in einem Schreiben. Der Bezirksausschuss steht weiterhin hinter dem Grünspitz-Projekt der "sozialen Stadt". Dennoch versicherte die BA-Vorsitzende Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne) den Anwohnern, ihre Einwände würden ernst genommen. Ein Ortstermin mit Betreibern und Nutzern in der kommenden Woche soll nun zur Entspannung beitragen.