Obergiesing Gerechte unter den Völkern

Platz auf Agfa-Areal wird nach der NS-Gegnerin Ella Lingens benannt

Mit der Überplanung und Bebauung des Agfa-Geländes hat sich Obergiesing merklich verjüngt und aufgehübscht. Doch wurden hier zur Zeit des Nationalsozialismus auch einige der beschämendsten Kapitel der Lokalgeschichte geschrieben: Aus von den Deutschen überfallenen Ländern deportierte Frauen mussten hier Zwangsarbeit verrichten - "Vernichtung durch Arbeit" nannten die Nazis dieses Programm. Darauf zielte auch die Beschäftigung im "Außenkommando Agfa-Camerawerk" des Konzentrationslagers Dachau. Um die Erinnerung daran wach zu halten, will die Stadt den Platz an der Werner-Schlierf-Straße nun nach der Regime-Gegnerin Ella Lingens benennen. Das hat das Kommunalreferat dem Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten mitgeteilt. Der hat sich am Donnerstagabend mit dem Namensvorschlag einverstanden gezeigt. Alles andere wäre auch unverständlich gewesen, waren es doch die Lokalpolitiker selbst, die sich mehrheitlich nach vielen vorausgehenden Diskussionen auf die Person Ella Lingens verständigt hatten.

Die am 18. November geborene Ella Lingens, Mädchenname Reiner, starb am 30. Dezember in Wien. Sie studierte Jura und Medizin in München, Marburg und Wien. Während und nach den Novemberpogromen 1938 unterstützte sie jüdische Mitbürger und verhalf ihnen zur Emigration. 1942 wurde sie von der Gestapo verhaftet und 1943 nach Auschwitz, 1944 nach Dachau deportiert. Danach kam sie nach München, wo sie bei Agfa als Ärztin Zwangsarbeit leisten musste. In dieser Funktion versuchte Lingens die Situation der Frauen unter anderem durch Krankschreibungen zu verbessern. 1980 wurde Ella Lingens von Yad Vashem in Jerusalem mit der Ehrenmedaille "Gerechte unter den Völkern" ausgezeichnet.