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Obergiesing:Die Sehnsucht nach der Zeit

Ausstellung Bernd und Christiane Fleissner

Offenkundig von Pieter Brueghel inspiriert, sieht Bernd Fleissner den Turmbau zu Babel als Gleichnis für das, was geschieht im Hier und Jetzt.

(Foto: privat)

Eine Ausstellung von Bernd und Christiane Fleissner

Wenn man eine Leidenschaft teilt, dann liegt es wohl auf der Hand, dass man viel darüber spricht und den Wunsch hegt, sie auch einmal gemeinsam nach außen zu tragen. Im Falle von Bernd und Christiane Fleissner mag die gemeinsame Liebe zur Kunst der Auslöser gewesen sen, beide künstlerischen Ansätze in einer gemeinsamen Ausstellung zu zeigen. Vater und Tochter haben vollkommen unterschiedliche Herangehensweisen, und auch die künstlerische Ausdrucksform ist kaum miteinander vergleichbar. Christiane Fleissner, 1972 in Wolfratshausen geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. Reduktion, Abstraktion und die Vermischung zwischen Malerei und Fotografie ist ihre künstlerische Sprache, ihre Art, sich den Dingen zu nähern. Ihr Vater dagegen liebt das Detail. Seine Arbeiten halten versteckte Feinheiten bereit, die karikieren. Man begibt sich auf eine Entdeckungsreise, die gleichsam auch eine Auseinandersetzung mit dem Jetzt forciert.

Was aber beide Künstler eint, ist das Thema. "Zeitlandschaften" nennen sie ihre erste gemeinsame Ausstellung, die noch bis zum 25. September in der Färberei zu sehen ist. Was sind Zeitlandschaften? Der Moment, in dem aus Träumen im Kopf Bilder entstehen? Immer wiederkehrende Ereignisse, die irgendwann einmal Neues formen? Bernd und Christiane Fleissner stützen sich in ihren Interpretationen auf ein Zitat des französischen Philosophen Paul Virilio. "Eine Zeitlandschaft", schreibt er einmal, "in der die Ereignisse unversehens an die Stelle der Oberflächengestalt und der Vegetation treten, in der Vergangenheit und Zukunft aus ein und derselben Bewegung hervorgehen und ihre Gleichzeitigkeit offensichtlich zutage tritt". So sind die Arbeiten beider Künstler eine Mischung aus politischer und selbst erlebter Geschichte, eine Verschmelzung von Raum und Zeit. Christiane Fleissner zum Beispiel verfolgt die Spuren, die die Menschen in der Landschaft hinterlassen und dokumentiert die Veränderungen. Und immer wieder stellen beide die Frage nach der Unendlichkeit und der Zeit, die immer weniger zu werden scheint.

Bis 25. September, Färberei, Claude-Lorrain-Straße 25 (Rückgebäude), Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung: Telefon 0160/720 39 48 oder 0160/970 736 28.