Obergiesing:Die Bedenken der Bürger

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Auch die zweite Anwohnerversammlung zur "Sommerstraße" bleibt ohne ein klares Stimmungsbild - einen zehnwöchigen Pilotversuch soll es dennoch geben

Von Julian Raff, Obergiesing

Ein klares Meinungsbild aus der Nachbarschaft konnten BA und Stadtverwaltung inzwischen auch aus einer zweiten Anwohnerversammlung zur sogenannten Sommerstraße am Alpenplatz nicht mitnehmen. Ebenso unterschiedlich wie zur Verkehrsberuhigung selbst äußerten sich rund 40 Obergiesinger dazu, wem der so gewonnene Platz eigentlich vorrangig zusteht.

Die breiteste Zustimmung fand noch der Vorschlag, die Edelweißstraße am Nordende zu sperren und so auf ganzer Länge in eine "unechte Einbahnstraße" zu verwandeln. In beiden Richtungen, vor allem aber vom Nockherberg kommend, muss diese Straße als Schleichweg herhalten für all diejenigen, die den Ampelstau an der St.-Bonifatius-Straße umfahren wollen. Schon weiter auseinander gingen die Meinungen darüber, welche Seite des Alpenplatzes gesperrt werden soll. Wie Heinz Grünberger, beim Baureferat für Platzgestaltung zuständig, erklärte, würde seine Behörde die Nordseite bevorzugen, da hier nur zwölf statt 23 Parkplätze wegfielen. Die BA-Mehrheit bevorzugt dagegen weiterhin die Südseite.

Ob auch nur ein Teil der Stellflächen in die Untere Grasstraße verlegt werden kann, bleibt fraglich. Katja Beaujean, Verkehrsexpertin im Planungsreferat, äußerte sich skeptisch, da die Fahrbahn für Senkrechtparker kaum genug Platz zum Rangieren bieten dürfte. "Die Flächen sind nun einmal endlich", so Beaujean.

Aus genau diesem Grund zweifelt mancher Anwohner überhaupt am Sinn der sommerlichen Mini-Fußgängerzone zwischen Alpen- und Edelweißplatz. "Nur damit sich einige Stadtteilpolitiker profilieren können", solle eine Fläche von gerade mal zwanzig auf fünf Meter gesperrt werden und das kaum fünf Minuten vom Kronepark entfernt, kritisierte ein Anwohner und blieb damit nicht allein. Auch pädagogisch ergebe eine derart kleine Fußgängerzone wenig Sinn, solange Kinder dort weiter auf der Hut vor dem Autoverkehr sein müssten.

Als Oase der Ruhe taugt das etwa 45 auf 45 Meter große Straßenquadrat ohnehin nicht, wie eine ganze Reihe von Nachbarn einwandte. Permanent gestört fühlen sie sich, seit der vom Sozialreferat unterstützte Verein Spiellandschaft Stadt hier vor drei Jahren eine Spielkiste aufgestellt hat. Das Karree sei nun mal einfach kein Spielplatz. Lästig findet eine Anwohnerin zum Beispiel die sommerlichen "Sandstürmchen", zu denen es kommt, wenn die Kinder, mangels Sandkasten, die trockene Erde mit Schaufeln aufgraben.

Zu einem noch größeren Ärgernis und zugleich zu einem Verkehrsproblem der etwas anderen Art haben sich die Bobbycars aus der Kiste entwickelt, teils weil Jugendliche sie hier zu unterschiedlichsten Tageszeiten als Wurfgeschoss missbrauchen, teils, weil die eigentliche Zielgruppe damit lautstark übers Pflaster rollert. Satte 82 Dezibel und drei zusätzliche Dezibel pro Mobil kämen so zusammen, wie eine Mutter aus der Nachbarschaft vorrechnete. Janine Lennert von der Spiellandschaft-Initiative räumte ein, dass die Spielkiste weder ideal platziert noch ideal bestückt worden sei, sie sprach sich aber trotzdem für Spielmöglichkeiten auf "Münchens kleinster Erholungs-Grünfläche" aus.

Insgesamt überwogen die kritischen Stimmen leicht. Nachdem einige Nachbarn aber auch leidenschaftlich für den Versuch einer verkehrsberuhigten Sommerstraße inklusive Spielmöglichkeiten eingetreten waren, planen BA und Verwaltung weiterhin einen zehnwöchigen Pilotversuch, der noch dieses Jahr, von Anfang Juli bis Mitte September, stattfinden könnte. Immerhin, so die BA-Vorsitzende Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne), fielen davon ja sechs Wochen in die ruhige Ferienzeit.

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