Oberföhring Problem ausgelagert

In ehemaligen Krankenhaus-Baracken haben sich Oberföhrings Vereine eingerichtet. Im Zentrum des Bürgerparks ist Platz für die Kita-Container.

(Foto: Catherina Hess)

Im Neubaugebiet Prinz-Eugen-Park sind zu wenige Krippen und Kindergärten geplant. Für den Ersatz-Container mit 150 Plätzen scheint nach langem Hickhack ein Standort gefunden: der Bürgerpark in einem Kilometer Entfernung

Von Ulrike Steinbacher, Oberföhring

Für das Kinderbetreuungsproblem im neuen Wohngebiet Prinz-Eugen-Park zeichnet sich eine Lösung ab: Die zusätzlich notwendige Container-Kita, um deren Standort der Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen und die künftigen Bewohner des Quartiers seit Monaten mit der Stadtverwaltung ringen, könnte im ein Kilometer entfernten Bürgerpark Oberföhring einen Platz finden. Und weil eine gute Nachricht selten allein kommt, verzeichnete der BA bei diesem Tagesordnungspunkt auch noch zwei angenehme Überraschungen: Erstens war die wegen ihrer Kommunikationsdefizite viel gescholtene Stadtverwaltung mit gleich drei hochrangigen Vertretern aus verschiedenen Referaten zur jüngsten Sitzung erschienen, um den aktuellen Sachstand zu erklären. Und zweitens bekamen diese Mitarbeiter für ihre Bemühungen auch noch Applaus von den Bogenhauser Lokalpolitikern, die sonst der Verwaltung oft kritisch gegenüberstehen.

Im Fall der Kita-Situation im Prinz-Eugen-Park mit seinen künftig etwa 4000 Bewohnern, waren die harschen Worte der BA-Mitglieder am Anfang der Debatte durchaus nachvollziehbar: Sie erfuhren erst im Herbst 2017, dass die etwa 600 geplanten Kindergarten- und Krippenplätze für das Quartier nicht ausreichen würden. Als Grund gab ein Sprecher des Planungsreferats später an, dass die Vorgaben im konzeptionellen Wohnungsbau sehr familienfreundlich ausgefallen, sprich viele Kinder zu erwarten seien. Außerdem unterschätzten die Planer offenbar das Tempo der privaten Bauherrn, deren Häuser lange vor den Bauten der städtischen Wohnungsgesellschaften Gewofag und GWG fertig sein werden. In den Gewofag- und GWG-Häusern aber sind die Kindergärten und Krippen untergebracht. Mit anderen Worten: Es gibt nicht nur mehr Kinder, sie sind auch schon lange vor den Häusern da.

Im Referat für Bildung und Sport (RBS) war das Dilemma schon vergangenen Sommer bekannt. Und weil die Betreuung von diesem September an gesichert sein muss, drängte die Zeit. Die Behörde brachte also eine zusätzliche Container-Kita mit 150 Plätzen - für je vier Kindergarten- und Krippengruppen - im zweiten Schulbauprogramm unter, dessen Finanzierung der Stadtrat im Juli genehmigte. Der Bezirksausschuss aber erfuhr erst im Herbst von der ganzen Misere, als sich herausstellte, dass das RBS ohne Rücksprache einen Standort für den Container ausgewählt hatte: Er sollte auf den Grünstreifen schräg gegenüber vom geplanten GWG-Gebäude südlich der Jörg-Hube-Straße.

Nun fühlten sich die Lokalpolitiker nicht nur zum x-ten Mal von der Verwaltung übergangen. Sie hielten den Standort zusätzlich auch noch für völlig falsch. Dort müssten Bäume gefällt werden, Grünflächen würden verschwinden. Zudem liegt gleich nebenan "die größte Baustelle des Viertels" mit allen Gefahren, wie die Kinderbeauftragte Petra Cockrell (CSU) sagte. Kritik kam auch von den Bauherrn der unmittelbar benachbarten ökologischen Mustersiedlung, die die Stadt auch nicht informiert hatte. Der BA schlug als Alternative vor, die Kita auf dem Schulgelände im Norden des Quartiers unterzubringen. Als weiteren Standort brachte er das Spiel- und Begegnungszentrum (SBZ) Fideliopark am Salzsenderweg ins Gespräch. Monatelang folgte Antrag auf Dringlichkeitsantrag, eine Sondersitzung wurde anberaumt, alles begleitet von ätzender Kritik der Stadtviertelvertreter an den Kommunikationsdefiziten der Verwaltung.

Doch jetzt sieht alles anders aus, wie RBS-Kapazitätsplaner Jürgen Marek, Salome Benz, die Abteilungsleiterin Schulbau im Baureferat, und Michael Bacherl vom Planungsreferat erläuterten: Für das fünfte Schulbauprogramm, über das der Stadtrat Anfang Juli entscheidet, schlägt eine von Stadtschulrätin Beatrix Zurek eingesetzte Arbeitsgruppe zur Kitaversorgung den Bürgerpark Oberföhring als Container-Standort vor. Dort soll in jedem Fall eine Tagesstätte mit vier Kindergarten- und vier Krippengruppen entstehen. Zusätzlich wäre aber auch noch Platz für die ebenso große Kita aus dem Prinz-Eugen-Park.

Bacherl, Benz und Marek hatten dem BA vorab schriftliche Unterlagen zukommen lassen, auch die Vereinsgemeinschaft 29, in der sich die Vereine des Bürgerparks organisieren, war bereits informiert. Deren Vorsitzende Karin Vetterle, in Personalunion SPD-Sprecherin im BA, sprach von einem "sehr zielführenden Gespräch" und lobte die enge Zusammenarbeit. Details zur Verkehrssituation auf dem Gelände sollen jetzt noch abgestimmt werden, danach - Anfang Juni - wollen die BA-Mitglieder einen Beschluss fassen. Er dürfte diesmal wohlwollend ausfallen.