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Nymphenburg:Radweg-Abbau vorerst gestoppt

Stark frequentiert ist der Radweg an der Nibelungenstraße vor Schulbeginn und nach Unterrichtsschluss.

(Foto: Stadt München)

Oberbürgermeister Dieter Reiter will Vorhaben an der Nibelungenstraße prüfen lassen

Der laute Protest hat gefruchtet, die Radwege an der Nibelungenstraße bleiben - vorerst jedenfalls. In die Debatte darüber hat sich nun Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eingeschaltet. Er kam am Dienstagmittag zu einem Ortstermin ans Käthe-Kollwitz-Gymnasium und sicherte zu, den geplanten Rückbau zu stoppen und von der Verwaltung prüfen zu lassen, ob der Radweg bleiben kann.

Ende April hatte der Bauausschuss beschlossen, die 1,50 Meter schmalen und laut Baureferat arg sanierungsbedürftigen Radwege an der 1,3 Kilometer langen Nibelungenstraße zu entfernen. Geschätzte Kosten: bis zu 3,5 Millionen Euro, auch weil im Abschnitt zwischen Winthirplatz und Winthirstraße stattdessen auf einer Fahrbahnseite Schrägparkplätze angelegt und der unübersichtliche Einmündungsbereich der Nibelungen- in die Winthirstraße umgebaut werden sollte. Der Bezirksausschuss (BA) Neuhausen-Nymphenburg war mit diesen Plänen einverstanden.

Im von mehr als 1000 Kindern besuchten Käthe-Kollwitz-Gymnasium, kurz vor der Einmündung der Nibelungen- in die Arnulfstraße gelegen, löste das einen Sturm der Empörung, ja des "Entsetzens" aus, wie Direktor Ludwig Klotz erklärte. Es sei gefährlich, die vielen radelnden Schüler auf die Straße zu zwingen und mit Autofahrern zu konfrontieren, die sich nicht an das vorgeschriebene Tempo 30 hielten. Die Grünen im Bezirksausschuss brachten daraufhin eine Ausweisung als Fahrradstraße ins Spiel, was auch mit Mehrheit beschlossen wurde. Für die Eltern war das aber nur die zweitbeste Lösung: Sie gründeten eilends eine Initiative für den Erhalt der Radwege und sammelten binnen weniger Monate 2000 Unterschriften.

Zugrunde liegt dem Vorhaben an der Nibelungenstraße eine Grundsatzentscheidung des Stadtrats zum Radweg-Rückbau im Stadtgebiet aus dem Jahr 1995. Dazu erklärte Reiter nun: "Gerade vor dem Hintergrund der von der Stadt übernommenen Radentscheide ist es wenig verständlich, warum wir jetzt noch auf der Basis alter Beschlüsse Radwege zurückbauen, noch dazu vor einer Schule und so intensiv genutzte wie diesen." Er werde, kündigte der von Schülerinnen und Schülern, Eltern und dem Direktor umringte Reiter an, eine Beschlussvorlage erarbeiten lassen, die den Grundsatzbeschluss sowie den Beschluss des Baureferats wieder aufhebe.

Der Bezirksausschuss, der am Dienstagabend tagte, fühlte sich überrumpelt. Er nämlich war - anders als die Presse - nicht gleich nach dem Ortstermin von Reiters Büro informiert worden. "Ich hab' das vorhin auf der Fahrt zur Sitzung im Radio gehört", berichtet verdutzt Gudrun Piesczek (CSU), die den Unterausschuss Verkehr leitet. Auch BA-Chefin Anna Hanusch (Grüne) hatte "nur irgendwas über Twitter" mitgekriegt. Kommentar aus der Runde: "Na, es ist halt Wahlkampf."